Dieser andere Führer über die loyalistischen Orden ist ein Versuch, eine Lücke zu füllen - eine Lücke im Wissen über halb-geheime Organisationen, welche eine bedeutende Rolle in der Geschichte dieser Insel gespielt haben, sowie eine Lücke im Verständnis dafür, weshalb eine so große Anzahl Menschen mit diesen Organisationen ein Problem haben. Wenige außerhalb der Orden sind sich der Struktur, Geschichte und Entwicklung der betreffenden Organisationen bewußt. Der erste Teil dieses Führers bietet einen grundlegenden Überblick darüber.
Ein zweites Thema des Führers ist die Debatte um die umstrittenen Paraden und die politische Rolle der Orden in Vergangenheit und Gegenwart. Eine chronologische Darstellung der Paradenstreitigkeiten im neunzehnten Jahrhundert läßt die gegenwärtigen Probleme in klarerem Licht erscheinen. Paradenstreitigkeiten sind so alt wie der Oranierorden selbst. Wer in der Arbeit um gemeinschaftliche Beziehungen aktiv ist, spricht häufig von Auffassungen und Meinungen über andere, die auf falsche Voraussetzungen zurückzuführen sind. Wir möchten beweisen, daß die politischen Verstrickungen der Orden auf harten Tatsachen und nicht auf irgendeiner Auffassung beruhen. Ein Einblick in die politische Rolle dieser Organisationen ermöglicht ein besseres Verständnis dafür, warum so viele Menschen ein ernsthaftes Problem mit diesem öffentlichsten Ausdruck des Orangeismus, der Parade, haben. Die Orden stellen die kulturelle und religiöse Rolle, die sie ausfüllen, sowie die Notwendigkeit, bürgerliche und religiöse Freiheiten zu verteidigen, in den Mittelpunkt. Es kann kein Zweifel darüber bestehen, daß es sich bei den Orden um religiöse, kulturelle und soziale Organisationen handelt, die ein Recht haben, Paraden abzuhalten. Ihre Verwicklung in die Politik hat jedoch bereits oft dazu geführt, daß anderen ihre bürgerlichen, religiösen und politischen Rechte versagt werden.
Das Verständnis dessen, weshalb andere ein Problem haben, ist der erste Schritt auf dem Weg zur Lösung dieses Problems.
Lesen Sie also.
Jedes Jahr am Zwölften widmen die Medien einer Serie von im gesamten Norden Irlands stattfindenden Paraden umfangreiche Berichterstattung. Die an eine Karnevalveranstaltung anmutende Atmosphäre findet ebenso Erwähnung wie die Zuschauer entlang der Strecke, die am Ende eines langen Tages im Gras picknickenden Familien und über allem der Anstrich von Reinheit. Die überwiegende Anzahl der Paraden wird durch den Oranierorden organisiert, einer wohltätigen religiösen und kulturellen Organisation, laut ihren Anhängern. Einer sektiererischen und tiefpolitischen Organisation, laut ihren Kritikern. Aber was ist der Oranierorden? Die Mitgliedschaft ist beschränkt auf männliche Protestanten, die folgende Voraussetzungen erfüllen müssen:
Die nötigen Voraussetzungen für einen Oranier
„Ein Oranier sollte aufrichtige Liebe und Ehrfurcht für seinen Himmlischen Vater empfinden sowie einen demütigen und unerschütterlichen Glauben in Jesus Christus als den Retter der Menschheit, daß Er der einzige Mittler zwischen Gott und den Menschen sei. Er sollte Wahrheit und Gerechtigkeit pflegen, brüderliche Güte und Nächstenliebe, Treue und Frömmigkeit, Eintracht und Einigkeit, sowie Gehorsamkeit gegenüber den Gesetzen; sein Betragen sollte gütig und mitleidsvoll, freundlich und liebenswürdig sein, er sollte die Gesellschaft der Rechtschaffenen suchen und die der Gottlosen meiden; er sollte die Heilige Schrift ehren und gewissenhaft studieren und sie zum Leitfaden seines Glaubens und Handelns erheben; er sollte den protestantischen Glauben lieben, stützen und verteidigen und aufrichtig die Verbreitung ihrer Lehren und Gebote wünschen und erstreben; er sollte die verhängnisvollen Irrtümer und Lehren der Römischen Kirche tatkräftig bekämpfen und jede Ermutigung einer zeremoniellen Handlung des papistischen Kultes (durch seine Gegenwart oder in anderer Weise) gewissenhaft vermeiden; er sollte mit allen gesetzlichen Mitteln dem Einfluß dieser Kirche, ihren Übergriffen und der Ausbreitung ihrer Macht widerstehen und sich stets hartherziger Worte, Taten und Gefühle gegenüber seinen römisch-katholischen Brüdern enthalten; er sollte daran denken, den Sabbath zu heiligen und am öffentlichen Gottesdienst teilzunehmen, sowie seine Nachkommen und alle unter seiner Obhut Befindlichen gewissenhaft in der Furcht vor Gott und im protestantischen Glauben zu erziehen; er sollte den Namen Gottes niemals unnütz verwenden, sondern sich allen Fluchens und lästerlicher Sprache enthalten, und jede Gelegenheit nützen, andere von solchem und anderen sündigen Handlungen abzuhalten; sein Verhalten sei von Weisheit und Vernunft geleitet sowie von Rechtschaffenheit, Mäßigkeit und Ernst gekennzeichnet; der Ruhm Gottes und das Wohlergehen der Menschen, die Ehre seines Königs und der Nutzen für sein Land sollten die Motive seines Handelns sein.“
Kanditdaten müssen durch ein Mitglied der Loge (gemäß Gesetz 84) vorgeschlagen werden und neben anderen Dingen versprechen, sich jederzeit den Gesetzen und Vorschriften des Loyalistischen Oranierordens von Irland zu fügen und stets die Autorität der Großen OranierLoge von Irland anzuerkennen und zu unterstützen.
„Ich verspreche, daß ich, falls ich als Mitglied dieser Loge zugelassen werde, dem Ehrwürdigen Leiter und anderen Vorstandsmitgliedern stets den schuldigen Respekt erweisen, und mich bemühen werde, mich so zu verhalten, wie es ein Bruder gegenüber allen Mitgliedern der Loge und der Bruderschaft tun sollte, und daß ich die geheimen Gesetze der Loge beachten und niemals wissentlich verletzen werde.“
„Ich wurde geboren am ........................ in der Grafschaft ........................ von protestantischen Eltern, wurde im protestantischen Glauben erzogen und stand niemals in irgendeiner Beziehung zur Römischen Kirche. Meine Ehefrau ist protestantisch / Ich bin unverheiratet.“
Die Struktur des Oranierordens in der Welt
Der Oraniergesellschaft weltweit sitzt der Imperial Grand Orange-Weltrat, der als oberstes Gericht des Oranierordens anerkannt ist, vor. Er hat die Befugnis, Zwistigkeiten zwischen den, aber nicht innerhalb der Großen Logen zu schlichten, vorausgesetzt, er wird von einer Großen Loge darum ersucht. Der Rat vertritt die Großen Logen von Irland, Schottland, England, Kanada, USA, Australien, Neuseeland „und der westafrikanischen Staaten Ghana und Togo (Kennedy (Hrsg.) 1990, S.26).
Jede der Großen Logen hat ihre eigene organisatorische Struktur. Die Struktur der Großen Oranier Loge von Irland ist wie folgt aufgebaut:
Es gibt ungefähr 1400 einzelne Logen in Irland, jede mit einer eigenen Anzahl von Vollmachten und ihrer eigenen Geschichte (Jarman and Bryan 1995/7). Einige Logen begründen sich auf einen bestimmten Standort, ein besonderes Dorf oder einen Bezirk, oder sogar auf ein Gebiet, in dem man einst gewohnt hatte, wie die Logen in Belfast, die mit den Grafschaften Fermanagh, Tyrone oder Donegal verbunden sind. Andere gehen auf ein Gewerbe oder sogar spezielle Betriebe zurück. (Jarman and Bryan 1995/7-8). Logenversammlungen können über sechs Monate hinweg die Frage behandeln, welche Art von Sandwiches für den Zwölften vorbereitet werden sollen, während die nächsten sechs Monate damit verbracht werden, darüber zu diskutieren, ob man die richtige Wahl getroffen habe. Andererseits sind die örtlichen Logen ideale Träger für politische Mobilmachungen. Auf dieser Ebene sind solche Logen an Briefkampagnen zugunsten der ‘UDR Four’ und anderen Aktionen beteiligt gewesen. Viele der Unterbreitungen, die die Polizeibehörden während ihrer vielgerühmten Konsultationsperiode erhalten hatten, stammten von örtlichen Logen.
Jede Einzelloge hat eine Anzahl von gewählten Vorstandsmitgliedern einschließlich dem Leiter, Vizeleiter, Schriftführer, Schatzmeister und Kaplan. Die Loge gestaltet das Logenbanner sowie örtliche Paraden und Gottesdienste, ebenso wie sie die Beteiligung an den Paraden am Zwölften organisiert.
Jede Einzelloge wählt sechs Vertreter für die BezirksLoge, von denen es in Irland 126 gibt. Jede Bezirksloge hat ihre eigenen Vorstände, die sich um das Bezirksoraniergebäude und um die Einzellogen innerhalb ihres Bezirkes kümmern, ebenso wie sie Paraden auf Bezirksebene ausrichten.
Eine Bezirksloge entsendet dann zwischen 7 und 13 Abgeordnete in eine der 12 großen Grafschaftslogen, von denen jede wiederum ihre eigene Stellung haben soll.
Die Große Loge von Irland setzt sich aus 250 Vertretern der GrafschaftsLogen und anderen gewählten Vorständen zusammen. Die Struktur der Großen Loge ist wie folgt aufgebaut:
| Großer Leiter („Grand Master“) | 52 Vizeleiter - 30 in der Großen Loge bereits vorhanden
durch das Grafschaftsamt ernannt von den Grafschaften in einer durch die Große Loge festgelegten Anzahl |
| Stellvertretender Großer Leiter (2) | |
| Großer Schriftführer | Verwaltungsbeamter (in Vollzeit bezahlter Beamter) |
| Großer Zeremonienmeister | Großer Ausschuß (60 - von den Grafschaften gewählt) |
| Ehemaliger Großer Schriftführer | 4 Stellvertretende Große Schriftführer |
| Zweiter Großer Zeremonienmeister | 2 Oranierstandartenträger |
| Großer Schatzmeister | 4 Stellvertretende Große Schatzmeister |
| Interner Logenhüter | Großer Dozent |
| Zweiter Großer Schriftführer | Zweiter Großer Dozent |
| Bibliothekar | Mitgliederzahl gesamt - 373 |
| Zweiter Großer Schatzmeister | |
| Stellvertretender Bibliothekar |
| Große Leiter | Ehemaliger Großer Schriftführer |
| der Vizevorsitzende | 4 Stellvertretende Große Schriftführer |
| der Zweite Vizevorsitzende | Großer Dozent |
| 2 Stellvertretende | Einberufer von Bildungs- und Presseausschuß |
| Große Leiter | Rechtssachverständiger |
| Großer und Zweiter Großer Schriftführer | Verwaltungsbeamter (ehem. Amtsperson) (Wilson (Hrsg.) 1995, S. 12-13) |
| Großer und Zweiter Großer Schatzmeister |
Der Führungsausschuß erteilt politische Empfehlungen an die Großen Logen und gibt Pressemitteilungen und öffentliche Stellungnahmen zu Themen von allgemeinem Interesse heraus.
Der Große Ausschuß wird von den Grafschaften gewählt und „befaßt sich in der Hauptsache mit der Anwendung von Regeln und Vorschriften hinsichtlich (innerer) Disziplin“ (Wilson (Hrsg.) 1995, S. 12-13). Es gibt weiterhin Ausschüsse über Finanzen, Bildung, Presse, die Überarbeitung von Vorschriften, den Oranierstandard, Veröffentlichungen und Fachausschüsse wie die ‘ad-hoc’- Gruppe, die sich mit den Rahmenvorschriften befaßt.
Die große Loge, bei der darauf hingewiesen wird, daß es sich um einen „halbgewählten, nicht verantwortlichen Klüngel“ mit einer „rückständigen und unaufgeklärten Haltung gegenüber Frauen“ handelt (Wilson (Hrsg.) 1995, S. 3), trifft sich einige Male im Jahr mit Vertretern der Ulster Unionist Party, zu der sie seit dem Ende des neunzehnten Jahrhunderts formelle Verbindungen hat. Die Große OranierLoge von Irland ist berechtigt, Abgeordnete in den Ulster Unionist-Rat zu entsenden, und der Vorsitzende der Unionistenpartei, David Trimble, ist selbst ein Oranier. In letzter Zeit hat eine Interessengruppe, die ‘Geist of Drumcree’ das spürbare Fehlen von Demokratie auf der Ebene der Großen Loge und die Vorherrschaft im obersten Rang durch Mitglieder der Ulster Unionist Party kritisiert.
Die normale Einschätzung der Mitgliederzahlen des Oranierordens liegt bei etwa 100.000. Die wirkliche Bezifferung dürfte sich etwa bei der Hälfte dieser Zahl bewegen. Bevor man diese unterschiedliche Einschätzung betrachtet, sollte darauf hingewiesen werden, daß die Große Loge selbst unsicher zu sein scheint, wieviele Mitglieder ‘in den Büchern verzeichnet’ sind. Beim Treffen der Geist-von-Drumcree-Gruppe in der Ulster-Halle 1995 sprach ein Redner, der für die Gründung einer Bank für Ordensmitglieder eintrat, von „43.000 Mitgliedern“ (Bericht über das Halbjahrestreffen 9.12.1995, S. 14) Ein neuerer Artikel in der Irish Times verwies auf „50.000 aktive Oranier“ und ungefähr „80.000 Gefolgsleute“ (5.4.1997). In einer Studie für die Universität von Ulster spekulierten Jarman und Bryan, daß „in den letzten Jahren die Zahl der Mitglieder wahrscheinlich auf annähernd 40.000 geschrumpft sei“ (Parade and Protest, S. 6). Die Veröffentlichung der monatlichen Oranierordenszeitung (des Orange Standard) vom Juni 1997 stellte fest, daß „während der letzten sechs Monate Hunderte von neuen Brüdern in die Reihen der Oraniergesellschaft aufgenommen worden sind“, und führte es auf eine Entwicklung zurück, die seit 1990, als der dreihundertste Jahrestag des Ordens begangen worden war, offensichtlich ist. Es gab auch Spekulationen hinsichtlich eines ‘Drumcree-Faktors’, der zu einem Aufschwung bei den Mitgliedszahlen führte. Dies mag als Erklärung für das Wachstum, wie es im Orange Standard vermerkt ist, zutreffen. Weniger bekannt sind allerdings die negativen Auswirkungen der Richtung von Drumcree. Von Hunderten der älteren, konservativeren Mitgliedern nimmt man an, daß sie ihre Mitgliedschaft angesichts der Kontroversen um die Paraden einschlafen ließen. Die aus für Krawalle gerüsteten RUC-Beamten bestehenden Konfrontationslinien in der Schlacht von Drumcree waren nicht das, was in ihrer Absicht lag. Ironischerweise hat der Orden seinen eigentlichen Ursprung in einer weiteren Konfrontation: der Schlacht am Diamond.
‘Offizielle’ Berechnungen der ‘Schlacht am Diamond’ variieren beträchtlich (Murdie et al, 1993/S. 29, McCourtney 1995/S. 11-13, Brown 1995/S. 5-9, Sloan 1995/S. 27). Ihre Bedeutung für die Geschichte der Oranier liegt darin, daß sie das treibende Element für die Entstehung der Oraniergesellschaft gewesen war.
Der Hintergrund für die Schlacht am Diamond ist in den Landstreitigkeiten, die Ende des achtzehnten Jahrhunderts in den Grafschaften Down, Tyrone und Armagh stattfanden, zu sehen (Brown 1995, S. 7). Landstreitigkeiten in dieser Zeit waren oft, jedoch nicht immer, sektiererischer Natur. In Südost-Armagh waren Zusammenstöße zwischen ‘Defenders’ und ‘Peep o’Day Boys’ an der Tagesordnung. Es heißt, daß es sich bei den Defenders um eine bewaffnete Gruppe katholischer Bauern handelte, während die Peep o’day Boys „verwegene Protestanten“ waren, die „es als ihre Aufgabe ansahen, diese zu entwaffnen“. Sie taten dies, indem sie katholische Häuser im Morgengrauen zu überfallen pflegten (Brown 1995, S. 7). Darüber hinaus lagen die Defenders mit Regierungstruppen und ‘Freiwilligen’, aufgestellt vom Leutnant von Armagh, Lord Charlemont, im Widerstreit, beide dafür eingesetzt, ein Verbot „bewaffneter Vereinigungen von Katholiken“ zu vollziehen.
Zur Zeit der Schlacht vom Diamond gewannen die Defenders mit zunehmendem Einfluß über mehrere Grafschaften an Stärke und Anzahl. In weiterem Zusammenhang vergrößerten sich ihre Erfolge mit dem Ausbruch des Krieges zwischen England und dem revolutionären Frankreich. Für die Protestanten von Armagh bedeutete dies ein zunehmendes Gefühl der Bedrohung durch den Defenderismus (Brown 1995, S. 8).
Der Zündfunke für die Schlacht entflammte in Form eines Streites über einen Hahnenkampf zwischen einem gewissen Dan Winter, Gastwirt, Alkoholhändler und Webstuhlbesitzer, welcher ein „bekannter Peep o’Day Boy“ war, und einigen einheimischen Defenders im Frühling 1795 (Murdie et al 1993, S. 29, Brown 1995, S. 5). Dan Winters Hütte befand sich in der Nähe von Loughgall, an der Diamond-Kreuzung, die nach Süden hin vom Faughart Hill, und nach Norden hin vom Diamond Hill aus strategisch überwacht wird. Die Scharmützel dieses Sommers zwischen Peep o’Day Boys und Defenders gipfelten darin, daß am 20. September etwa 3-400 Defenders Faughart Hill einnahmen. Ihnen gegenüber am Diamond Hill standen 200 Peep o’Days Boys, ‘Orange Boys’ und ihre Verbündeten, von vielen wird behauptet, daß sie Mitglieder der Freiwilligen waren. Dan Winter blieb gemeinsam mit seinen Söhnen und einigen anderen unten im Tal, um seine Hütte zu verteidigen. Eine Waffenruhe, verbunden mit einer Übereinkunft zum Rückzug, die von örtlichen Juristen und katholischen Priestern ausgehandelt worden war, war von Defenders, die aus „Crossmaglen, der Grafschaft Monaghan und der Grafschaft Louth“ (Murdie et al 1993, S. 29, Sloan 1995, S. 27) kamen, gebrochen worden. Die Defenders griffen am 21. September um 5 Uhr morgens an, steckten Dan Winters Strohdach in Brand und verfolgten ihn den steilen Hang von Diamond Hill hinauf, von wo aus sie durch die überlegene Organisation und Feuerkraft ihrer Gegner zurückgeschlagen wurden (Murdie et al 1993, S. 29-30, Brown 1995, S. 9). Die Defenders wurden von Dan Winters Cottage und von Faughart Hill vertrieben. Die Ankunft der Bürgerwehr aus Portadown und von Soldaten aus Charlemont verhinderte, daß sie noch weiter gejagt wurden. Die Schlacht resultierte in einem verwundeten Protestanten und über 40 Toten auf katholischer Seite (Brown 1995, S. 9, Sloan 1995, S. 27). Die Sieger kehrten zu den rauchenden Überresten von Dan Winters Hütte zurück, wo sie die Orange Society gründeten, eine Organisation, die zur Orange Institution werden sollte (Murdie et al 1993, S. 29-30, Brown 1995, S. 9, Sloan 1995, S. 27).
Das Ordenshaus der Royal Black (Imperial Royal Black Chapter of the British Commonwealth) wurde 1797 eingerichtet, als direkte Folge der Schlacht am Diamond 1795. Es wurde gegründet „... zum Schutz der protestantischen Religion und auf daß sie als Bollwerk gegen heimtückische Anschläge seitens Gegnern der Freiheit diene“ (Sir Knight Norman Strong, Bart., früherer Königlicher Großmeister des Imperial Grand Black Chapter of the British Commonwealth. Zitiert Gardiner 1993).
Die Geschichte des Black ist eng verknüpft mit der der Oraniergesellschaft. Es wurde allerdings von der Gesellschaft nicht immer anerkannt. Es gab Zeiträume, während denen ein Rang bei den Blacks, nach welchen der Orden sich aufbaut, von der Oranierführung verboten worden war, weil die Mitgliedschaft darin „Wege zur Macht böte, welche von der Großen Loge als schwer kontrollierbar betrachtet würden“ (Jarman and Bryan 1996, S. 10). Das Royal Black Preceptory trennte sich 1819/20 offiziell von der Oraniergesellschaft (Mundie et al 1993, S. 76). Es trat 1846 in Portadown neu zusammen (Sloan, Gardiner 1993) mit der Bildung des Imperial Grand Black Chapter of the British Empire.
Das Hauptquartier des Grand Black Chapter befindet sich in Brownlow House in Lurgan, welche als die größte Oranierhalle der Welt beschrieben wird (Sloan). Das Royal Black ist nach Prinzipien aufgebaut, die denen der OranierLogen entsprechen (Jarman and Bryan 1996, S. 11). Seine Mitglieder werden als „Sir Knight“ bezeichnet (Jarman and Bryan 1996, S. 11, Sloan, Gardiner 1993). Oranierbrüder müssen den Rang des Purple Marksman der Oraniergesellschaft erreichen, um für eine Mitgliedschaft in ihrem örtlichen Ordenshaus wählbar zu sein. Anders ausgedrückt bedeutet es, daß die Mitgliedschaft bei den Black auf diejenigen beschränkt ist, die bereits Mitglieder der Oranier sind.
Die Black halten ‘Prozessionen’ ab, im Gegensatz zu den ‘Paraden’ der Oranier. Das berühmteste der jährlich stattfindenden Ereignisse ist die Nachstellung der Schlacht am Boyne in Scarva am 13. Juli (Sloan, Gardiner 1993). Ein anderes bedeutendes Datum für den Orden, an dem Paraden abgehalten werden, ist der sogenannte „Schwarze Samstag“ Ende August. Die Gesellschaft der Black ist weniger offensichtlich politisch als die Oranier. Gemeinsam mit den Purple zeigen ihre Insignien und Banner hauptsächlich Abbildungen aus dem Alten Testament (Jarman and Bryan 1996, S. 11, Buckley and Kenney 1995, S. 178). Bei den Black ist es auch eher unwahrscheinlich, daß sie für die Paraden eine der recht umstrittenen „Blood-and-Thunder“-Kapellen engagieren. „Die Gesellschaft der Black ... ist am besten als Ausdruck der mittelständischen, ländlichen, religiösen, respektablen, sogar elitären Elemente des Orangeismus zu verstehen. In ihr zeigt sich das eher konservative Gesicht der Oranier und des Unionismus“ (Jarman and Bryan 1996, S. 11).Obwohl der politische Einfluß des Black traditionell weniger sichtbar ist als der der anderen loyalistischen Orden, sollte er dennoch nicht unterschätzt werden. Als der Stormont Prime Minister Brian Faulkner 1971 den Forderungen von Nationalisten in Form einer verzweifelten Bitte, das sinkende Schiff über Wasser zu halten, eine Reihe von Zugeständnissen entgegenbrachte, fühlte er sich verpflichtet, sich einschließlich seiner Minister nach Brownlow House in Lurgan, dem Hauptquartier des Black, zu begeben, um ihnen diese Zugeständnisse zu erläutern (Coogan 1995, S. 124).
Die Royal Black Institution führt als Motto, welches unter einem christlichen Kreuz geschrieben steht, das Konstantinische Edikt „In hoc signe vinces“ („Unter diesem Zeichen (dem Kreuz) sollt ihr siegen“) (Buckley and Kenney 1995, S. 178). Unter den Mitgliedern des Black befinden sich ebenfalls Angehörige des britischen Parlaments, der bekannteste unter ihnen ist James Molyneaux, der ehemalige Vorsitzende der Ulster Unionist Party, er führt den Titel eines Königlichen Großmeisters. Die Royal Black Institution verfügt über 536 Gruppen in Irland, 27 in England, 62 in Schottland sowie weitere in Kanada, Australien, Neuseeland und Westafrika. Angesichts des näherrückenden 21. Jahrhunderts geloben sie, „die protestantische Sache sowie die Pflege freundschaftlicher Beziehungen zwischen Menschen gleichen Erbes...“ (Sloan, Gardiner 1993) aufrechtzuerhalten.
FORMULAR FÜR DIE ZULASSUNG VON KANDIDATEN
ZUM BEITRITT IN DIE
Imperial Grand Black Chapter of
... the British Commonwealth ..
(gegründet in Irland 1797)
An den sehr verehrten Meister und die Mitglieder des Royal Black Ordenshauses Nr. ..............., bevollmächtigt durch die Grand Black Chapter of Ireland und tätig beim ........Chapter aus ................
Ich bin Mitglied und in höherer Stellung in der Loyal Orange Loge Nr. ....... Bevollmächtigt durch die Grand Orange Loge von ............. und beantrage höflich die Zulassung in den Black Order sowie die Mitgliedschaft bei der Royal Black Preceptory Nr. .........
Ich gelobe, daß ich, falls ich als Mitglied in den Royal Black Orden aufgenommen werde, mich stets in einer Weise zu verhalten, die des Ordens würdig ist, und ich werde niemals wissentlich die Regeln des Grand Black Chapter oder die Gesetze des ..... oder des District Chapter, unter deren Leitung die Gruppe steht, verletzen.
Ich unterzeichne freiwillig und rückhaltlos folgende Voraussetzungen: Ich bin imstande, zu lesen und die Regeln des Grand Black Chapter zu verstehen. Ich glaube an die Lehre der Heiligen Dreifaltigkeit, wie sie von den staatlichen Kirchen von England und Schottland vertreten wird. Ich bin über 19 Jahre alt und habe seit mindestens sechs Monaten den Rang eines Archpurple. Ich bin nicht, noch war ich, Mitglied irgendeiner anderen Vereinigung, die sich zum Black Order bekennt. Ich wurde von protestantischen Eltern geboren, die in keiner Weise und zu keiner Zeit mit dem katholischen Glauben verbunden waren, und ich wurde ehelich geboren. Verheiratet? und meine Ehefrau ist protestantisch. Meines Wissens oder Glaubens bin ich nicht vorgeschlagen worden für, zurückgewiesen worden durch oder ausgeschlossen worden von irgendeinem Ordenshaus.
Der vermutlich am wenigsten bekannte unter den loyalisten Orden, der Royal Arch Purple, kann seine Ursprünge ebenso wie die Oraniergesellschaft und die Black bis in die Zeit der Schlacht am Diamond (1795) zurückverfolgen (Mundie, Cargo and Kilpatrick 1993, S. 9). Obwohl sich der Royal Arch Purple Orden nicht zur gleichen Zeit zusammenfand wie die Oraniergesellschaft, sieht er sich als Bewahrer einiger der alten Traditionen, die diese Organisation hervorgerufen hatten. Sein Hauptanliegen, laut Mundie et al, ist, das „alte System“ zu erhalten und unverändert fortzuführen, womit in anderen Worten die Riten und Traditionen der Orange Society des frühen 19. Jahrhunderts gemeint sind. Die Orange Society, und später die Orange Institution übernahm ihre Regeln von denen der Boyne Society, die ursprünglich von wilhelminischen Veteranen der Schlacht am Boyne gegründet wurde (Mundie et al 1993, S. 10, 32, 38). Im wesentlichen handelt es sich beim Royal Arch Purple um den dritten zu erreichenden Rang innerhalb des Rangsystems des Orangeismus.
Es gibt Grund zur Annahme, daß die alttestamentarischen Themen und Embleme des Royal Arch Purple von denen aus den Rängen der Freimaurer entliehen wurden (Mundie et al 1993, S. 200, Buckley and Kenney 1995, S. 178).
Der Royal Arch Purple hat niemals unabhängig von der Oraniergesellschaft existiert, obwohl sein Status innerhalb der Institution nicht immer ganz klar war (Mundie et al 1993, S. 5 u. 203). Im Jahre 1817 wurde anläßlich einer Generalversammlung der Großen (Oranier-)Loge in Dublin ein Ausschuß zur Regelung des Status des Purple Ordens bestellt (Mundie et al 1993, S. 58/59). Es heißt, daß die drei ursprünglichen Ränge (der höheren Dienstalter) im Oranierritual irgendwann um 1799 herum zum Rang des Purple Marksman verschmolzen wurden (Mundie et al 1993, S. 38). Der Royal Arch Purple Rang wurde 1802 ins Leben gerufen, um den Rang des Purple Marksman zu ersetzen. (Mundie et al 1993, S. 58/59). Irgendwann um 1812 begann dann der Royal Arch Purple Orden, Chapter-Treffen auf der Grundlage örtlicher OranierLogen einzuberufen, sowie ihre Mitglieder aus dem Kreis der Oranier, die den Royal Arch Purple Rang erreicht hatten, zu beziehen (Mundie et al 1993, S. 135)
Im Jahr 1820 wurde der Royal Arch Purple Orden von der Führung der Oranier verboten (Mundie et al 1993, S. 157). Ungeachtet dessen bestand er weiterhin, selbst dann noch, als die Großen Logen von Britannien und Irland 1836 vom Parlament verboten worden waren. Seine Mitgliedsregeln wurden in einer 1846 erschienenen Ausgabe des aus Belfast stammenden Protestant Journal abgedruckt und er wurde 1911 als Grand Royal Arch Chapter von Irland neu gebildet. Obwohl er inzwischen toleriert wird, ist er von der Großen OranierLoge von Irland noch immer nicht offiziell anerkannt und hat bis heute kein ständiges Hauptquartier (Mundie et al 1993, S. 162). Der Purple hält auch nur einige wenige kirchliche Paraden aus eigenem Recht ab (Bryan and Jarman 1996, S. 14).
Der Eintritt bei den Purple wird heute immer mehr als Zwischenschritt in Richtung einer Mitgliedschaft bei der Gemeinschaft der Royal Black angesehen (Buckley and Kenney 1995, S. 178). Um den Purple-Rang zu erlangen, muß nach der Erreichung des ersten Ranges der Oraniergesellschaft, des Oraniers, mindestens sechs Monate lang gewartet werden, bevor ein Mitglied sich um den zweiten Rang, den sogenannten Plain, bemühen darf. Das Ritual der Einweihung in den Purple-Rang wird noch immer als das Komplizierteste und Schrecklichste innerhalb des Oranierordens betrachtet (Buckley and Kenney 1995, S. 177). Man weiß, daß die Zeremonie das Abfeuern einer mit scharfer Munition geladenen Pistole einschließt, wenngleich es unklar ist, ob an dieser Praxis weiterhin festgehalten wird. Über die Jahre hinweg wurden bereits ein Todesfall und eine Anzahl Verletzte verzeichnet (Mundie et al 1993, S. 160).
Der Royal Arch Purple beinhaltet 1215 Einzelgruppen - ‘Private Chapters’ - (entsprechend den OranierLogen), 121 Bezirksvereine - ‘District Chapters’ - und 13 Große Grafschaftsverbände - ‘County Grand Chapters’ - in Irland (Mundie et al 1993, S. 160). Der Großmeister seit 1993 ist der Hochverehrte Kenneth Watson.
Die Junior Loyal Orange Loge existiert in dieser oder jener Form bereits seit den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts, aber es dauerte noch bis 1925, bevor eine formelle Vereinigung ins Leben gerufen wurde. Eine Mitgliedschaft ist möglich für Jungen zwischen acht und sechzehn, wobei man voraussetzt, daß sie mit Erreichen dieses Alters in die SeniorenLoge übertreten werden. Viele allerdings springen zu diesem Zeitpunkt ab, nach angemessener Befriedigung des elterlichen Wunsches. Junge Burschen und Männer scheinen sich mehr von Banden als durch den Orden selbst angezogen zu fühlen. Theoretisch ist die J.L.O.L. seit 1974 eine eigenständige Sache und eine der loyalistischen Logen in eigenem Recht, obwohl es in der Praxis eher zweifelhaft scheint, ob die Juniorenbrüder jemals ihr eigenes Schiff steuern werden. Eine Schätzung möglicher Mitglieder bewegte sich bei „ein paar Tausend“. In Donaghadee gibt es für Juniorenmitglieder ein Ferienheim.
Die Vereinigung Loyalistischer Oranierinnen Irlands wurde in der Mitte des letzten Jahrhunderts gegründet. Formell handelt es sich bei der FrauenLoge um eine weitere der loyalistischen Logen, aber in Wirklichkeit werden die Frauen dafür eingesetzt, den Tee und die Sandwiches für den Zwölften zu bereiten. Offiziell wurden die „Schwesterparaden, zu denen sie von den Brüdern eingeladen wurden, von der Großen FrauenLoge anerkannt und gebilligt“ (Steadfast, S. 41). Tatsächlich waren die Frauen bis zum dreihundertsten Jahrestag 1990 bei den Paraden nicht willkommen. Der Zustrom fremder Logen, einschließlich marschierender Frauen, bei den Paraden am Zwölften dieses Jahres zwang die Große Loge allerdings zum taktischen Rückzug beim Thema Frauen in der Parade.
Der Apprentice Boys of Derry Club, Vorläufer der gegenwärtigen Organisation, wurde 1814 gegründet. Die Hauptziele der Organisation sind, der beiden entscheidenden Ereignisse bei der Belagerung von Derry, die 1688 begann, zu gedenken: das Schließen der Tore durch die Lehrjungen - ‘Apprentice Boys’ -im Dezember sowie die Ankunft von Hilfe für die Stadt im August. Das Gedenken an diese beiden Ereignisse steht bei den Apprentice Boys von Derry im Mittelpunkt und wurde in verschiedener Art und Weise seit dem späten siebzehnten Jahrhundert verdeutlicht.
Das Hauptquartier der Organisation befindet sich in der Apprentice-Boys-Gedächtnishalle nahe der Stadtmauer in Derry. Hier ist der einzige Ort, an dem neue Mitglieder eingeweiht werden können, ein Ritual, das gewöhnlich im Vorfeld der beiden Paraden im Dezember und August stattfindet. Die Struktur der Organisation bewegt sich um acht Dachverbände, sechs von ihnen sind nach Führern der belagerten Stadt benannt.
Die Verbände:
Baker, Browning, Campsie, Mitchelburne, Murray, Walker, der Apprentice-Boys-von-Derry-Club und der No-Surrender-(„Keine Kapitulation“)-Club.
In Irland - Nord und Süd -, Schottland, England und Kanada existieren ungefähr 200 Zweigvereine. Jeder dieser Zweigvereine ist sowohl gegründet durch als auch angeschlossen an eine der acht Dachverbände. Ebenso sind sie durch die sogenannten Amalgamated Committees, von denen es acht in Nordirland, einen in Schottland und einen in England gibt, miteinander verbunden. Die Gesamtorganisation und Leitung der Apprentice Boys ruht fest in den Händen des Generalausschusses, der aus 44 Mitgliedern besteht. Die Struktur des Generalausschusses sieht so aus, daß die Ordensmitglieder in Derry über jede zu treffende Entscheidung die letzte Kontrolle besitzen.
Die Apprentice Boys geben ein vierteljährliches Rundschreiben mit dem Titel „The Crimson Banner“ - „Das karmesinrote Banner“ heraus. Es beinhaltet organisatorische Nachrichten und Beispiele politischer Meinungen, einschließlich Artikeln von gewählten Vertretern der unionistischen Parteien DUP und UUP. In letzter Zeit ist keine Ausgabe des Rundschreibens veröffentlicht worden.
Die „Boys“ waren von 1911 bis in die Mitte der siebziger Jahre offiziell an den Ulster Unionist Council der Ulster Unionist Party angeschlossen. Zu jenem Zeitpunkt zerbrach ihre Verbindung mit dem offiziellen Unionismus, was die brüchige Natur des Unionismus, und besonders das Wachstum und den Einfluß der Democratic Unionist Party. widerspiegelte. Hochwürden Ian Paisley (der ein Mitglied des Oranierordens ist) ist ebenso ein Mitglied der Apprentice Boys von Derry wie eine ganze Anzahl anderer unionistischer Politiker, wie zum Beispiel das Parlamentsmitglied Ken Maginnis von der UUP, usw.
Mehrfachmitgliedschaften bei Apprentice Boys und anderen loyalistischen Orden sind gebräuchlich, was man allein an der Tatsache, daß sowohl der Oranierorden als auch die Royal Black Institution Räumlichkeiten innerhalb der Apprentice Boys’ Gedächtnishalle besitzen, erkennen kann.
In letzter Zeit betont die Organisation die kulturellen Aspekte ihrer Gedenkfeiern. Wie alle anderen loyalistischen Orden ist sie tatsächlich in die Politik der Insel aufs Tiefste verstrickt gewesen. Der gegenwärtige Leiter der Apprentice Boys ist Alistair Simpson, ein Einheimischer aus dem Fountain-Viertel in Derry.
Die Apprentice Boys schätzen, daß sie etwa 12.000 Mitglieder haben, es wird aber angenommen, daß ihre tatsächliche Zahl 9.000 näherkommt.
Die beiden Personen, die die Bildung und frühe Entwicklung des Unabhängigen Oranierordens (IOO) seit seiner Entstehung 1903 beeinflußt hatten, müssen eine seltsame Kombination gebildet haben. Der eine, ein Evangelistenprediger mit Namen T. H. Sloan, wurde vom Oranierorden ausgeschlossen, nachdem er ihn wegen „zu weichen Verhaltens gegenüber dem Katholizismus“ (Lyons 1973, S. 296) kritisiert hatte, während der andere, ein in Dublin ansässiger Journalist namens Robert Lindsay Crawford voranschritt, das berühmte Magheramourne-Manifest, welches „versuchte, die neue Bewegung aus sektiererischer Politik herauszuheben“ (drs., S. 296) zu entwerfen. Das Manifest wies in seinem Appell an die Arbeiterschaft und Gutspächter genügend Unterschiede auf, um während der Wahl von 1906 in Belfast eine Arbeiterallianz aus Labourpartei, Nationalisten und unabhängigen Unionisten hervorzubringen. Das kurze Liebäugeln des Unabhängigen Ordens mit klassenbewußter Politik dauerte nicht lange, und 1908 brachte die Notwendigkeit, die Union zu verteidigen, den IOO zurück ins unionistische Lager, in dem er seither treu verblieb.
Die Bedeutung seiner Unabhängigkeit ist immer noch darin erkennbar, daß der IOO formell nach keiner der unionisten Parteien ausgerichtet ist. Allerdings hat die DUP innerhalb der Organisation einigen Einfluß, auch wurde Hochwürden Ian Paisley eingeladen, bei einer Veranstaltung des IOO, die anläßlich des Zwölften im Gebiet von Nord-Antrim stattfand, zu sprechen. Er ist kein Mitglied. Die Banner, die auf den Paraden der Unabhängigen getragen werden, neigen dazu, „eine fundamentalistische Version der Geschichte von Ulster darzubieten“ (Jarman 1997, S. 171). Logen der Unabhängigen Oranier sehen sich einem „geringen Wachstum“ in Portadown und anderen Gebieten gegenüber, was als mit internen Problem bei der Großen Loge in Zusammenhang stehend betrachtet wird (Bryan & Jarman 1996, S. 14). Darstellungen der Mitglieder, die auf den jährlichen Paraden basieren, lassen annehmen, daß die Organisation einige Tausende Mitglieder aufweist.
In Schottland führte ein Streit über die Unterstützung loyalistischer Paramilitärs durch Logenmitglieder in den achtziger Jahren zu Spekulationen, daß „eine Anzahl von Logen möglicherweise zum militanteren Unabhängigen Oranierorden überlaufen könnte“ (Bruce 1992, S. 164).
Im Dezember 1996 verkündete der Zweite Großmeister des Unabhängigen Oranierordens im Bereich Mittel-Ulster, daß „der Messestreik bei Harryville“ in Ballymena „beim Unabhängigen Oranierorden starken Rückhalt fand“. Roy Ferguson bestätigte, daß bei den Protesten Mitglieder des IOO anwesend waren, obwohl sie nicht ihre Ordensabzeichen trugen. Indem er vermutete, daß es bei den örtlichen Logen lag, Entscheidungen über die Teilnahme am Protest zu fällen, griff der Zweite Großmeister ein weiteres Mitglied des IOO, Pastor David McConaghy, der die Organisation von den wöchentlichen Streiks, die oft zu Konfrontationen mit der RUC und Einschüchterungen der Gottesdienstbesucher führten, bis die Samstagabendmessen im Juni 1997 abgesagt wurden, distanzierte, an. Er fügte hinzu, daß nach seiner Sicht „die Katholische Messe nach dem Glaubensbekenntnis von Westminster falsch sei“ (Irish Times, 20.12.1996). Die Große Loge des Oranierordens hat die Proteste verurteilt, und der unionistische Bürgermeister von Ballymena zeigte durch seine persönliche Anwesenheit außerhalb der Kirche seine Solidarität mit den Kirchgängern.
Wer auf englisch weiterlesen möchte, kann sich beim PFC die gesamte Broschüre bestellen, die noch folgende Themen behandelt:
· · Die Paraden - die ersten hundert Jahre · Eine politische Entwicklungsgeschichte · Die Orange Card · Ruhmestage: Der Oranierorden und die Stormont-Jahre 1921-1972 · Unmittelbare Rechtsgrundlage und die Orden · Die gesellschaftliche Rolle der Orden · Der Bowlerhut und die Balaklava · Loyalistische Banden · Die Orden und die Kirchen: eine unheilige Allianz? · Das Gesetz und die Orden · Der Geist von Drumcree · Anhang - Paradenstatistiken · Bibliographie