Während es fast täglich zu Beschwerden über Versuche der RUC kommt, Informanten zu gewinnen sowie über Einschüchterung und Drohungen gegenüber denjenigen, die nicht kooperieren wollen, wurden dem US-Kongreß Beweismittel der UN über die Zusammenarbeit zwischen loyalistischen Todeskommandos und der RUC vorgelegt (siehe Auszüge).
Der Sonderberichterstatter der Vereinten Nationen, Param Cumaraswamy, legte dem US-Kongreß vergangene Woche seinen Bericht vor, der "schwerwiegende Beweise für die Zusammenarbeit" zwischen der militärisch ausgerichteten Polizei und loyalistischen Todeskommandos bei der Ermordung des irischen Rechtsanwalts Patrick Finucane enthält.
Als weitere Zeugin wurde die Rechtsanwältin Mary Nelson gehört, die erst kürzlich wegen ihres Einsatzes für Grund- und Menschrechte Ziel von Todesdrohungen war. Rosemary Nelson lieferte einen dramatischen Bericht über Schikanen der RUC ihr gegenüber. Sie beschrieb Todesdrohungen, Beleidigungen und sogar Mißhandlungen, die sie erfahren mußte, als sie nationalistische Einwohner von Portadown vertrat. Sie stellte fest, daß trotz der Überwachung der Beschwerden gegenüber der RUC durch eine unabhängige Kommission (Independent Commission for Police Complaints) die Beschwerden selbst dann von RUC-Beamten bearbeitet werden.
Cumaraswamy schloß seinen Bericht, indem er auf das völlig unzureichende System hinwies, mit dem Beschwerden gegen die Polizei durch die Polizei selbst überprüft werden. Er stellte fest, daß "von 16.395 Beschwerden, die 1994 eingereicht wurden, keine einzige zu einer Disziplinarstrafe gegen einen RUC-Beamten führte".
Der Sonderberichterstatter empfahl eine unabhängige Untersuchung aller Drohungen gegen Rechtsanwälte in Nordirland.
Benjamin Gilman, der Vorsitzende des Kongreßkomitees für internationale Beziehungen, hielt fest, daß im Lichte von Herrn Cumaraswamys Bericht, die Notwendigkeit für eine akzeptable Polizei in Nordirland nicht deutlicher sein könnte.
(Wir begrüßen dies, stellen aber auch fest, daß nach dem jüngsten Bericht von Amnesty International die New Yorker wohl auch eine neue Polizei brauchen.)
Nachstehend veröffentlichen wir die Übersetzung eines kürzlich in RM-Distribution erschienen Berichts über die Aktvitäten der RUC. Man muß sich darüber im klaren sein, daß gemäß verschiedener, auch offizieller Untersuchungen die Mehrheit der RUC-Mitglieder gegen das Karfreitagsabkommen ist. Die täglichen Provokationen und die fortgesetzten Rekrutierungsversuche von Informanten - trotz IRA-Waffenstillstandes - müssen auf diesem Hintergrund gesehen werden.
Wie jetzt bekannt wurde, versorgte die RUC in Derry während der letzten neun Jahre einen Suchtkranken mit Drogen und Geld als Gegenleistung für Informationen über Mitglieder der republikanischen Bewegung.
Tony Deeney, der sich selbst als Alkoholiker bezeichnet, wurde von der RUC als Informant in Dienst genommen, nachdem er 1989 nach einem häuslichen Streit in die Polizei-Station in der Strand Road von Derry kam.
Seitdem wurde Deeneys Leben durch seinen Alkoholismus, seine Abhängigkeit von dem Medikament Diazapan und dem Bestreben der RUC, ihn als Spitzel innerhalb der nationalistischen Bevölkerung auszubeuten, runiert.
Auf einer von Sinn Féin organisierten Pressekonferenz berichtete der Mann aus Derry, daß er sieben Jahre lang Informationen von geringerer Bedeutung über Republikaner aus dem Stadtteil Rosemount weitergab, bevor er vor zwei Jahren auf Verlangen der RUC Sinn Féin beitrat.
Kurz nach dem Waffenstillstand der IRA von 1994 wiesen ihn seine RUC-Führungsleute an, sich Sinn Féin anzuschließen und zu berichten, wer bei Sitzungen anwesend war und was diskutiert wurde.
Als Gegenleistung bezahlte man ihn unterschiedlich hoch und versorgte ihn mit Mengen von Diazapan, einem Medikament, für das er auch von seinem Arzt Rezepte erhielt.
Mr. Deeney sagte, daß er wegen seines Alkoholproblems mehr Diazapan benötigte als der Arzt verschrieb und deshalb die von der RUC gelieferten Drogen annahm, bis er von dem Medikament abhängig war.
Er erklärte auch, daß er regelmäßig Geld erhielt, angefangen von 10 Pfund für Informationen bis hin zu 1000 Pfund für "Extras".
Man hat ihn dann gebeten, der IRA beizutreten, wobei ihm sein frührere Dienst in der irischen Armee als Scharfschütze helfen sollte - aber trotz erheblicher "Trainingsbemühungen" der RUC gelang ihm dies nicht.
"Ich habe es nicht forciert, ich wußte nicht, wie ich es forcieren sollte. Ich habe es einfach nicht geschafft," sagte er.
Danach sollte er sich Sinn Féin anschließen.
"Im Hinblick auf den Friedensprozeß und jeglichen Waffenstillstand wollten sie alles über die Sinn Féin-Leute wissen," sagte er.
Mr. Deeney war nahe an einem Nervenzusammenbruch, als er beschloß, Sinn Féin die Wahrheit zu sagen. Er beschuldigte die RUC des Mißbrauchs und der Manipulation.
Der Sinn Féin-Stadtrat Cathal Crumley aus Derry beschrieb Mr. Deeney als "menschliches Wrack" und beschuldigte die RUC, sein Leben zerstört zu haben.
"Vor einigen Jahren wurde Tony von seinen RUC-Führern direkt ermutigt, Sinn Féin beizutreten. Dies geschah an einem Punkt, der entscheidend war für die Entwicklung des Friedensprozesses.
Er hatte die spezielle Aufgabe, politische Versammlungen zu besuchen, Sinn Féin-Treffen beizuwohnen und ganz allgemein jede Information, die für den Friedensprozeß relevant war, an seine "Agentenführer" weiterzuleiten", sagte Crumley.
Stadtrat Cathal Crumley dürfte einigen unserer Leser bekannt sein. Im Oktober 1994 machte er auf Einladung deutscher Irlandinitiativen eine Veranstaltungrundreise in Deutschland. In Heidelberg fand die Veranstaltung unter dem Titel "Zeit für Frieden, Zeit zu gehen" statt.