Adams boxt nicht clever

3.3.1999


By Eamonn McCann, Belfast Telegraph

Gerry Adams hat an den Bürgermeister von New York, Rudolph Giuliani, und den Gouverneur George Pataki geschrieben und gefordert, ein Boxturnier abzusetzen, das am 19. März in Manhattan stattfinden soll und an dem Teams der New Yorker Polizei, der südirischen Polizei (Gardai) und der RUC teilnehmen sollen.

Eine unmittelbare Reaktion darauf ist zu bemerken, daß die Absage des Ereignisses sicher ein Fehler sein würde, da man unschuldige Bürger der Gelegenheit beraubte, Mitgliedern von immerhin drei Polizeitruppen dabei zuzusehen, wie sie sich gegenseitig verhauen. Aber das - Schande über den Gedanken und den, der ihn hat - wäre zu zynisch. Es gibt einen ernsthaften politischen Gesichtspunkt, der sich hier abzeichnet.

Mr. Adams vermutet, daß der New Yorker Polizei aus Ahnungslosigkeit die Bedeutung der Einladung an die RUC nicht klar war.

Allerlei Polizeibehörden  scheinen plötzlich von solch geheimnisvollen Anfällen von Ahnunglosligkeit gefährdet zu sein. Jack Straw, der Innenminister, und der Chef der Metropolitan Police (London), Paul Condon, haben mit viel Geduld erklärt, daß der Rassismus der Polizei, der sich in der Untersuchung des Falles Stephen Lawrence zeigte, einer Dosis Ahnungslosigkeit geschuldet war. Jederzeit können wir jetzt vielleicht erfahren, daß eine ähnliche Anwandlung von Ahnungslosigkeit in Portadown zugeschlagen hat.

Jedoch gibt es für jeden einzelnen Fall eine alternative Diagnose, die sich z.B. im Fall von Amadaou Diallo, einem 22 Jahre alten Einwanderer aus Guinea in Westafrika zeigt, der am 4. des vergangenen Monats in der South Bronx von Mitgliedern der New Yorker Polizei niedergeschossen wurde. Die Polizisten behaupteten, daß er einem gesuchten Vergewaltiger ähnlich sah und daß sie ein Funksprechgerät, das er bei sich trug, mit einer Waffe verwechselten.

Der Kommentator der Daily News, Jim Dwyer, faßte diese Erklärung so zusammen: "Der Verdächtige, Mr. Diallo, wurde verdächtigt, verdächtig zu sein." Die Polizei gab aus geringer Entfernung 41 Schüsse ab. 19 waren gezielt und trafen Mr. Diallo in die Aorta, beide Lungen, das Rückenmark, die Leber, Nieren, Milz und in den Darm. 32 der 41 Schüsse wurden von den Beamten Edward McMellon und Sean Carroll abgegeben (von jedem 16 Schüsse). Man kann sich ja nun nicht nur an Namen orientieren, aber diese klingen nicht gerade germanisch.

Gouverneur Pataki hat die Erschießung als eine Tragödie bezeichnet. Bürgermeister Giuliani hat der Familie Diallo sein Beileid ausgesprochen und gleichzeitig die New Yorker gebeten, nicht vorschnell zu urteilen. Die vier in die Erschießung verwickelten Beamten wurden in den Innendienst versetzt. Keiner von ihnen wurde suspendiert oder angeklagt.

Nur 4,5 % der Beschwerden gegen Beamte der New Yorker Polizei werden überhaupt aufrecht erhalten. Weniger als 1 % der Beamten werden jemals disziplinarisch belangt. Nun, wo haben wir dies alles schon einmal gehört? Amnesty International sagt, daß der Fall Diallo sehr beunruhigende Fragen aufwirft. 1996 veröffentlichte Amnesty einen Bericht über Mißhandlungen, Todesfälle in Polizeigewahrsam und ungerechtfertigte Erschießungen durch die New Yorker Polizei, der den Schluß nahelegt, daß die Polizeitruppe routinemäßig internationale Menschenrechtsstandards verletzt.

Die New York Times beschreibt den Fall Diallo als "explosiv" und erinnert an die Behandlung von Abner Louima.

Der dreißigjährige Abner Louima aus Haiti wurde am 9. August 1997 in Brooklyn verhaftet, zu einer Polizeiwache verbracht, dort geschlagen und mit Handschellen gefesselt. Mit heruntergezogenen Hosen wurde er mit dem Griff eines Toilettensaugers vergewaltigt. Der Griff wurde ihm dann so gewaltsam in den Mund gerammt, daß seine Vorderzähne eingeschlagen wurden.

Wir könnten weitermachen. Die Bedeutung der Fälle Diallo und Louima ist, daß sie keine Verirrungen darstellen, sondern besonders drastische und schockierende Beispiele eines zugrundeliegenden Musters sind.

Einer von drei jungen schwarzen Männern in den USA sind gegenwärtig im Gefängnis oder auf Bewährung draußen.

Hätten vor diesem Hintergrund die Gegner von Polizeischlägern und Rassismus in New York soviel  - oder so wenig Logik - wie Gerry Adams, sollten sie dann nicht an die RUC appellieren, der Einladung zu dem Boxturnier in Manhattan nicht zu folgen? Sie könnten fairerweise betonen, daß die RUC-Faustkämpfer die Einladung ahnungslos angenommen und die Bedeutung des Ereignisses nicht kapiert hätten? Es gibt gute Argumente für Proteste bei der beabsichtigten Boxveranstaltung - falls sie stattfindet. Aber jeder, der mit Plakaten in New York steht und Sektierertum und Brutalität 3000 Meilen weit weg anprangert und über Rassismus und Brutalität im eigenen Bezirk schweigt, sagt mehr über seine eigene Politik als über polizeiliche Exzesse sonstwo.

Übersetzung: Eigene

Trotz der berechtigten Kritik hier eine erfreuliche letzte Meldung: am 9.3.1999 wurde berichtet, daß das umstrittene Boxturnier nur hinter verschlossenen Türen ohne öffentlichen Kartenverkauf stattfinden wird.


Zurück/Back