Von Peter Nonnenmacher
LONDON, 25. November. Wenige Tage vor einer der wichtigsten Entscheidungen in der Geschichte Nordirlands zur Frage künftiger Zusammenarbeit zwischen Unionisten und Republikanern hat der Republikaner-Führer Gerry Adams seiner Partei Sinn Féin „einen neuen Weg“ zur Partnerschaft mit den Unionisten gewiesen. David Trimble, Chef der Ulster Unionisten Party (UUP), will jedoch nur unter der Bedingung mit den Republikanern regieren, dass die mit Sinn Féin verbündete Irisch-Republikanische Armee (IRA) bis Ende Januar ernsthaft die Abrüstung ihrer Arsenale in Angriff genommen hat.
Nur dann sei er bereit, kommende Woche mit Sinn-Féin-Mitgliedern an einem Kabinettstisch zu sitzen, sagte Trimble laut Financial Times vom Donnerstag. Anderfalls würde er aus der Regierung wieder aussteigen. Trimble ist designierter Chef der Provinzregierung für Nordirland. Am Samstag muss er seine Partei vom Sinn einer Partnerschaft mit den Republikanern überzeugen. Mit der Frist für die IRA sucht Trimble zweifelnde Parteikollegen seiner UUP für das historische Experiment eines Zusammengehens mit Sinn Féin zu gewinnen. Rund 860 Delegierte der UUP, die Mitglieder des Parteirates, kommen am Samstag für eine Entscheidung in Belfast zusammen. Sollte Trimble sich durchsetzen, dürfte Nordirland am Donnerstag nächster Woche seine ersten republikanischen Minister haben. Stimmt die UUP dagegen, droht dem Friedensprozess erneut ein Rückschlag.
Um Trimble zu unterstützen, bekräftigte auch Sinn-Féin-Präsident Gerry Adams erneut den Willen seiner Partei zu demokratischer Zusammenarbeit. In einer Rede in der irischen Hauptstadt erklärte Adams, die Republikaner wollten „eine Partnerschaft mit dem Unionismus schmieden“ und in den neuen Institutionen „ehrlich und fair zusammenarbeiten“. Die Unionisten hätten von einer Machtbeteiligung der Republikaner „nichts zu fürchten“. Adams lobte Trimble für dessen jüngste Verhandlungserfolge. Zugleich bezeichnete er Abrüstung als wichtiges Element der Verständigung.
Die eigenen Anhänger rief der Sinn-Féin-Präsident zu einer Politik der Verständigung beim Ringen um eine irische Wiedervereinigung auf. Die Zeit der Alleingänge sei vorbei, erklärte Adams seiner Partei, deren Name Sinn Féin „Nur wir allein“ bedeutet.
Kommentar
Dieser Kommentar wurde von unserer Mitarbeiterin Anita Heiliger an Peter Nonnenmacher übermittelt.
Message für Peter Nonnenmacher, FR-Korrespondent in London
Ihr Artikel: „Trimble setzt Sinn Féin eine Frist“, FR vom 26.11.1999
Sehr geehrter Herr Nonnenmacher,
Seit einigen Jahren verfolge ich den politischen Prozess in Irland mit großem Interesse und als Abonnentin auch die Berichterstattung dazu in der Frankfurter Rundschau. Dabei sind mir einige sehr gute Artikel von Ihnen aufgefallen.
Was den Friedensprozess und die Einschätzung der Beteiligten betrifft, gehen unsere Meinungen zwar öfters auseinander - Trimble mag sich das zwar wünschen und seine politische Zukunft davon abhängig machen, aber er ist m. E. nicht in der Position, Sinn Féin oder sonst jemand irgendwelche Fristen zu setzen, die außerhalb des Good Friday Agreements und der Vereinbarungen im Rahmen der Mitchell-Review liegen - aber damit habe ich keine Probleme.
Es ist mir allerdings ein Bedürfnis, Sie im Zusammenhang mit dem letzten Satz Ihres Artikels auf etwas hinzuweisen.
Die Interpretation des Namens Sinn Féin ist nicht korrekt. Die Partei selbst übersetzt und interpretiert ihn mit „We ourselves“ bzw. „Wir selbst“; was sich aufgrund der Entstehungsgeschichte auch gut nachvollziehen lässt, wie ich meine. Eine Interpretation im Sinne von „Nur wir allein“ wird nach meinem Wissen gerne von Ian Paisley, anderen unionistischen Hardlinern und der konservativen britischen Presse benutzt, um auch auf diese Weise Stimmung gegen Sinn Féin zu machen. Ich bin überzeugt davon, dass das nicht ihre Absicht war.
In der Hoffnung auf weitere interessante Berichte, verbleibe ich,
mit freundlichen Grüßen
Anita Heiliger, 28.11.1999