"Einmalige Friedenschance" / Trimble soll Adams treffen

Clinton beschwört Nordiren


Von Peter Nonnenmacher

BELFAST, 3. September. In Nordirland hat US-Präsident Bill Clinton an die Bevölkerung der Provinz appelliert, sich die gegenwärtige "einzigartige Friedenschance" nicht entgehen zu lassen. Eine solche Gelegenheit biete sich "zu unseren Lebzeiten nicht wieder", sagte Clinton am Donnerstag. Nordirlands Chef-Minister David Trimble erklärte sich derweil bereit, mit "jedermann zusammenzuarbeiten, dem der Frieden am Herzen liegt". Gespräche Trimbles mit der Republikaner-Partei Sinn Fein werden schon für nächste Woche erwartet.

Der Besuch des US-Präsidenten - sein zweiter binnen drei Jahren - vereinte unter seinen Gastgebern frühere Feinde. Sie lobten einhellig Clintons Bemühungen um den nordirischen Friedensprozeß. Er sprach in Belfast mit Mitgliedern des Regionalparlaments sowie mit anderen führenden Politikern und Wirtschaftsleuten. Er sagte, die USA würden Nordirland auch künftig energisch unterstützen, und versprach politische und finanzielle Hilfe. "Auf der Straße zur Erneuerung wird Amerika weiter an Ihrer Seite gehen", versprach Clinton. Er warnte aber, daß die jüngste Bombe in der Stadt Omagh wohl "nicht die letzte" gewesen sei. Weitere Anschläge auf die Friedensbemühungen müßten abgewehrt werden.

Clinton besuchte auch Angehörige der Opfer des Bombenanschlags und legte am Ort des Attentats einen Kranz nieder. Nordirlands Politiker, die sich von seinem Engagement für die Provinz beeindruckt zeigten, signalisierten ihrerseits wachsende Kooperationsbereitschaft. Chef-Minister Trimble beteuerte, das neue Nordirland-Parlament in Stormont müsse "ein pluralistisches Parlament für eine pluralistische Bevölkerung" werden. Trimbles Vorgänger hatten Stormont stets als "protestantisches Parlament für ein protestantisches Volk" betrachtet.

Für kommenden Montag sind alle Parteien zu Gesprächen nach Stormont einberufen. Schon am Dienstag, heißt es, könne es zu direkten Verhandlungen zwischen Trimble und dem Sinn-Fein-Präsidenten Gerry Adams kommen. Ein solches Treffen wäre bahnbrechend, da sich die Unionisten bisher weigern, mit den Republikanern - die den politischen Arm der IRA bilden - in Kontakt zu treten. Nach Angaben der Irish Times stellte die IRA unterdessen der "Real IRA", die für das Attentat in Omagh verantwortlich ist, ein Ultimatum: Wenn sich die Gruppe nicht binnen zweier Wochen auflöse, müsse sie mit Strafen rechnen.

Zuvor hatte das britische Unterhaus verschärfte Anti-Terror-Gesetze verabschiedet und sie zur weiteren Beratung ans Oberhaus überwiesen.

Copyright © Frankfurter Rundschau 04.09.1998


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