Das Committee on the Administration of Justice (CAJ), der Irish Council for Civil Liberties (ICCL), die Organisation British Irish Rights Watch und Amnesty International teilen die öffentliche Abscheu für das grausigen Geschehen in Omagh.
Die vier genannten Organisationen sind jedoch bestürzt über Gesetzesänderungen, die von der britischen und der irischen Regierung in den Nachwehen des Bombenanschlags erwogen werden.
Michael Farrell, Sprecher von ICCL erklärte: "Die Antwort der irischen Regierung erinnert an Maßnahmen der britischen Regierung nach dem Anschlag von Birmingham vor über 25 Jahren. Wir sollten daran erinnern, daß solche Abweichungen vom Prinzip der Rechtstaatlichkeit zu Justizirrtümern und zu Inhaftierungen der Birmingham Six und der Guildford Four geführt haben, während die Verantwortlichen ungestraft davonkamen.* Regierungen sind einerseits dafür verantwortlich, Straftäter vor Gericht zu stellen, anderseits müssen sie aber auch sicherstellen, daß ihre Reaktion in Einklang mit den international geschützten Menschenrechten steht." * (Hinweis des Übersetzers: Die genannten sechs bzw. vier Personen wurden 1974 und 1975 festgenommen und aufgrund gesetzwidriger Praktiken der Polizei - u.a. Fälschung von Protokollen - zu hohen Haftstrafen verurteilt. Die Vier von Guildford wurden 1989, die Sechs von Birmingham 1991 - nach 17 Jahren Gefängnis!!! - freigelassen.)
Viele Vorschläge der irischen Regierung, die selbst der Premierminister als sehr drakonisch bezeichnete, sind im wesentlichen ein Abklatsch dessen, was in Nordirland bereits praktiziert wird. CAJ-Sprecher Martin O'Brian erklärte: "Es gibt keinerlei Anhaltspunkte, daß eine Einschränkung des Rechts von Angeklagten, die Aussage zu verweigern, oder die Einführung neuer Straftatbestände besonders wirksam gewesen wären, die Gewalttätigkeit paramilitärischer Gruppen zu reduzieren. Unsere Erfahrung ist vielmehr die, daß die Anwendung von Sondervollmachten dazu beigetragen hat, Konflikte verewigen statt sie zu lösen."
Alle vier Organisationen kritisierten den Vorschlag, wonach die Aussageverweigerung eines Angeklagten in Verein mit der vor Gericht geäußerten, unbewiesenen Meinung eines höheren Polizeibeamten als Beweis für die Mitgliedschaft in einer verbotenen Organisation dienen soll.
Rory Mungoven von Amnesty International stellte fest: "Ein solche Bestimmung würde die Unschuldsvermutung unterlaufen und die Beweislast unzulässigerweise auf den Angeklagte abwälzen."
Martin O'Brian: "Jemanden wegen Mitgliedschaft zu verurteilen, bloß weil ein Polizeibeamter dies behauptet und der Angeklagte schweigt, würde das Recht auf einen fairen Prozeß verletzen. In Nordirland, wo die weitreichenden Sondervollmachten der Polizei (RUC) erlauben, Verdächtige faktisch im Polizeigewahrsam zu internieren, sind die Folgen davon, daß die Polizei frei entscheidet, wen sie für schuldig hält, noch krasser.
Michael Farrell erklärte, daß es die Absicht der Bombenleger von Omagh gewesen sei, die Suche nach Frieden und das Versöhnungsabkommen zu untergraben. CAJ und ICCL appellieren an die Regierung, dies nicht zuzulassen.
"Die Zukunft aller Menschen in Irland, die durch den im Abkommen vereinbarten Schutz der Menschenrechte abgesichert werden soll, ist ein zu kostbares Gut, als daß sie durch eine Wiederholung von Fehlern der Vergangenheit aufs Spiel gesetzt werden sollte," fügte O'Brian hinzu.
Gerade in so einer tragischen Situation zeigt sich, wie ernst eine Regierung ihre internationalen Verpflichtungen nimmt, die Rechte aller Menschen zu achten. Wir fordern die britische und irische Regierung auf, sich dieser Herausforderung gewachsen zu zeigen," erklärte ai.
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Omagh