In Erinnerung - vor 19 Jahren - der 1. März 1981
Vor 19 Jahren, genauer am 1. März 1981, begann in Nordirland und in der Republik Irland eine breite Solidaritätsbewegung für den republikanischen Kampf im Norden der Insel. Grund dafür war der Beginn eines Hungerstreiks von republikanischen Gefangenen in Long Kesh, den sogenannten H-Blocks.
Bobby Sands trat als erster am 1.3.1981 in den Hungerstreik und starb am 5. Mai 1981 nach 65 Tagen. Neun weitere Gefangene aus der republikanischen Bewegung sollten noch folgen:
Worum ging es in diesem Hungerstreik?
Als Bobby Sands am 1.3.1981 in den Hungerstreik trat, gab es in Nordirland ca. 1.300 Gefangene, die von den Briten wegen "terroristischer Verbrechen" verurteilt wurden. Keiner dieser Gefangenen wurde in einem normalen Gerichtsverfahren verurteilt. Grundlage dieser Verfahren waren die "Diplock Courts", d.h. die Gerichtsverfahren wurden von einem einzelnen Richter geführt, ohne den Beisitz einer Jury. Ein Teil dieser 1.300 Gefangenen, ca. 330, wurden als politische Gefangene anerkannt und erhielten eine "Sonderbehandlung". Dieser Sonderstatus - POW (Prisoners of War) - wurde jedoch von einem bestimmten Stichtag an abgeschafft. Alle nach diesem Stichtag Verurteilten wurden von den Briten als "Kriminelle" behandelt, der politische Sonderstatus wurde ihnen verwehrt. Es sollte also keine politische Motivation der Verurteilten geben, man wollte den Widerstand der republikanischen Bevölkerung kriminalisieren; negieren, daß es einen Krieg in Nordirland gibt.
Bobby Sands und die anderen von diesem politischen Status ausgeschlossenen
Gefangenen stellten deshalb auch jene Forderungen auf, die auf die Verhältnisse
vor Abschaffung des politischen Status hinwirkten und denen ja auch
immer noch ca. 330 Gefangene unterlagen. Der von Bobby Sands begonnene
Hungerstreik sollte bis zum Ende durchgeführt werden, d.h. bis zur
Gewährung der "five demands":
Diese 5 Forderungen fanden nicht nur im Norden sondern auch in der Republik Irland eine breite Unterstützung. In zahlreichen Städten fanden Solidaritätskundgebungen, Veranstaltungen, Unterschriftensammlungen und Demonstrationen statt (in Dublin waren 30.000 Menschen auf dem Weg nach Ballsbridge zur britischen Botschaft).
Einen schweren Schlag mußte die Thatcher-Regierung am 10. April 1981 einstecken. Bobby Sands war bereits 41 Tage im Hungerstreik und wurde bei Nachwahlen in Fermanagh und South Tyrone mit 30.492 Stimmen in das britische Unterhaus gewählt. Dies war ein eindeutiger Solidaritätsbeweis für die politischen Gefangenen, vor allem wenn man bedenkt, daß der Wahlkampf nicht nur gegen die britische Wahlkampfmaschinerie geführt werden mußte, sondern auch die gemäßigte SDLP ihre Unterstützung für Bobby Sands versagte.
Bobby Sands starb als Unterhaus-Abgeordneter. Die dadurch erneut notwendige Nachwahl für Fermanagh und South Tyrone gewann erneut der von Sinn Fein unterstützte Kandidat Owen Carron.; Die Beerdigung von Bobby Sands in Belfast war eine Massendemonstration - 100.000 Menschen folgten seinem Sarg.
Durch die unnachgiebige Haltung der britischen Regierung, vertreten von Margaret Thatcher, starben in diesem Hungerstreik 10 politische Gefangene. Während der gesamten Phase des Hungerstreiks gab es mehrere Verhandlungen, um den Hungerstreik zu beenden. Die Haltung von Thatcher war aber starr und unnachgiebig. In ihren Äußerungen zu dem Hungerstreik fanden sich immer wieder die Worte "a crime is a crime, is a crime".
Der Tod von Bobby Sands und 9 weiteren Gefangenen in diesem Hungerstreik war aber nicht umsonst. Nicht nur deshalb, weil nach Beendigung des Hungerstreiks die britische Regierung nach und nach die 5 Forderungen akzeptierte, sondern auch, weil die britische Regierung weltweit durch ihr Verhalten Ächtung und Protest erfahren mußte und selbstverständlich im Umkehrschluß der Krieg in Nordirland wieder vielen in Erinnerung gerufen wurde und die britische Herrschaft in Nordirland auch von "unpolitischen" Menschen, die erst durch den Hungerstreik sensibilisiert wurden, in Frage gestellt wurde.
Norbert Baer
Zu dem Hungerstreik gibt es einen Spielfilm mit dem Titel "Some Mothers Sons" (Regie: Terry George), der sehr zu empfehlen ist. Zu deutsch hieß der Film denn auch korrekt zunächst "Mutter und Söhne", bevor ihn Moralapostel und ganz spezielle Nordirlandexperten mit dem Titel "Unversöhnlicher Haß" versehen haben.