Irische Geschichte / Irish History


Olivers Armee - eine Geschichte von britischen Soldaten in Irland und in anderen Kolonialkonflikten

Deutsche Übersetzung


Kapitel 6 - Der Mau Mau-Mythos - Staatlicher Mord in Kenia

Die Mickeys waren harte Jungs
und nur hartes Vorgehen konnte etwas nützen.
Es war ein Krieg,
der die weiße Zivilisation
in Kenia retten sollte,
und in einem Krieg sterben Menschen.

Ein weißer Polizist in Kenia

Afrika war der letzte große Kontinent, der der Kolonisation geöffnet wurde und in dessen Inneres zuvor nur einige weiße Entdecker, Missionare und Händler vorgedrungen waren. Vor den letzten zwei Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts hatten westliche Staaten nur einige Küstengegenden direkt beherrscht – das Innere Afrikas war afrikanisch kontrolliert. Dann lieferte die Dampfkraft vor allem für Schiffe und Eisenbahnen die Mittel, um den Kontinent fremden Invasoren zu öffnen. Britannien, Deutschland, Frankreich, Italien, Belgien, Spanien und Portugal konkurrierten um Territorien. Afrika wurde zu einem Flickenteppich neuer Provinzen, wobei die meisten Völker den neuen Kolonialherren unterworfen wurden.

Am Ende des 19. Jahrhunderts hatte Britannien Ostafrika durch den Bau von Straßen und Eisenbahnschienen der Kolonisierung geöffnet. Strategische Forts wurden gebaut; der Opposition von Seiten der Afrikaner begegnete man mit Gewalt, wobei Stämme, die versuchten, den Eisenbahnbau zu stoppen, mit Maschinengewehren niedergemäht wurden. Zehntausende Afrikaner wurden massakriert und noch viele mehr von ihrem Land vertrieben. Aus dem europäischen „Gedrängel um Afrika“, das den Kontinent in Einflusssphären unterteilte, entstand Kenia. Auf der Berliner Konferenz 1884/85 und in weiteren kolonialen Vereinbarungen und Regulierungen danach wurde über Grenzen entschieden, die dann von der Kolonialbürokratie gezogen wurden – und sich nicht aus einer Interaktion der einheimischen Bevölkerung entwickelten.

Die meisten kenianischen Völker – einschließlich der Kikuyu, Akamba, Maasai, Luo, Meru und Embu waren gegen die fremden Herrscher. Wie auch in anderen Kolonien wurden deshalb Anstrengungen unternommen, um einige Teile der einheimischen Bevölkerung auf die Seite der Kolonisatoren zu ziehen. Gewöhnlich geschah dies durch Vereinbarungen mit kollaborierenden Stammesführern bzw. deren Einsetzung. Ihre Aufgabe war es, koloniale Herrschaft zu ermöglichen und Steuern einzutreiben. Der Stamm der Kikuyu erklärte, dass sie keine Häuptlinge hätten, sondern nach Altersgruppen organisiert seien. Die Kolonialverwaltung ignorierte diese Tradition der Stammesältesten und ersetzte sie durch bezahlte und von den Briten kontrollierte Häuptlinge.

Kenia hatte keine großen natürlichen Ressourcen, aber es hatte strategische Bedeutung und Teile des Landes, speziell das Hochland, waren für die Landwirtschaft geeignet. Alles Land wurde zum „Kronland“ erklärt und dann in Stammesreservate parzelliert – wobei große Teile des besten Landes britischen Kolonisatoren vorbehalten blieben. Die Einheimischen, darunter viele Kikuyu, wurden von dem fruchtbaren Land vertrieben, um Platz für Siedler zu machen:

Die ersten von der britischen Regierung ermutigten Siedler, die ab 1902 in größerer Zahl eintrafen, kämpften im „Weißen Hochland“ des Rift-Tales jahrelang in großer Mühsal und Gefahr um den Aufbau prosperierender Farmen. Bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs war es ihnen gelungen, eine ganze Region voller großer Güter und schöner Häuser zu schaffen.

Da sie in der Lage waren, ganze Trupps afrikanischer Arbeiter und Bedienstete zu befehligen, hielten sie sich für Staatsbürger in einer verbesserten Version von England am Äquator und rühmten sich ihres schönen Lebens und ihres energischen Sportsgeistes. Polo florierte, fünf Hundemeuten standen für die Jagdenthusiasten in ihren scharlachrotten Jacketts zur Verfügung. Die Siedler erwarben einige Reputation für ihre harten Trinkgewohnheiten ….man erzählte auch von ziemlich lockeren Sitten ….. Eine Gegend des Weißen Hochlandes wurde gar Glückliches Tal genannt, da sie den Ruf hatte, dass dort unbeschwert Ehebruch und Frauentausch möglich seien. 1)

Während des Ersten Weltkriegs wurde einigen Afrikanern vor allem vom Volk der Kikuyu erlaubt, in die Gebiete der Weißen zurückzukehren, aber man bezeichnete sie als Squatter (illegale Siedler, d. Ü.) und zwang sie zusammen mit anderen Afrikanern aus der „Stammesreserve“ zu Lohnarbeit auf dem Land der neuen Herren. Um sicherzustellen, dass die Afrikaner keine andere Möglichkeit hatten, Geld zu verdienen, verbot man ihnen verkäufliche Agrargüter wie Kaffee anzubauen. Mit neuen Passgesetzen wurde dann die Kontrolle über die Afrikaner verbessert und so die fast feudalen Bedingungen, unter denen sie arbeiteten, noch verschärft: „Die Kolonialbehörden verhängten Hütten- und Kopfsteuern, die die Schwarzen nur bezahlen konnten, wenn sie auf den Farmen des weißen Mannes arbeiteten. Die Siedler selbst verlangten die Legalisierung von Zwangsmethoden und das Recht, ihre schwarzen Arbeiter auszupeitschen.“ 2)

1) The British Empire, Bd. 6, Ferndale Editions, London 1981

2) Ebenda, The Britisch Empire, Bd. 6

Oliver's Armee - Kapitel 6 Bild 1

Bildunterschrift: Kenias Kolonialgouverneur Sir Evelyn Baring inspiziert 1959 die für ihn gehaltene Abschiedsparade

Repression und Widerstand

Kenia glich in vielerlei Hinsicht England nach der normannischen Invasion; die weißen „Siedlerbarone“ behandelten die Afrikaner wie Leibeigene, trieben sie durch Gesetze und Steuern zu Zwangsarbeit. Es ist nicht verwunderlich, dass es zur Revolte kam. In den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg gründete Harry Thuku, ein schlecht bezahlter Telefonist, die Young Kikuyu Association, die sich gegen die steigenden Hüttensteuern wandte und für die Abschaffung der Passgesetze eintrat. Er verlor seine Arbeit, dann wurde er verhaftet und in die Wüstengegend im Norden des Landes deportiert. Bei einer Protestversammlung in der Hauptstadt Nairobi, wurden einige Afrikaner niedergeschossen, während jubelnde weiße Siedler zuschauten – dies geschah gerade etwas mehr als drei Jahre nach dem Massaker von Amritsar in Indien.

Mehr als 100.000 Afrikaner aus Kenia dienten während des Zweiten Weltkriegs in den britischen Streitkräften, und kämpften dabei oft zusammen mit den britischen Soldaten. Aber als sie danach nach Hause kamen, bot man ihnen nur niedrige Tätigkeiten unter Weißen an, die sie „Boys“ nannten und wie Sklaven behandelten. Afrikaner hatten immer noch keine nennenswerte Repräsentation in der Regierung und in der Hauptstadt Nairobi. Schwarze Arbeiter, die für höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen kämpften, organisierten sich in Gewerkschaften. Die ostafrikanische TUC, die von mehreren dieser Gewerkschaften gebildet wurde, forderte die afrikanische Unabhängigkeit und eine Mehrheitsregierung in Kenia . Im Mai 1950 wurden die Anführer verhaftet und viele der Gewerkschaften verboten, auch der ostafrikanische TUC. Ein Generalstreik, der zu einem Arbeitsausstand in großen Teilen des Landes führte, wurde ausgerufen, aber der Streik wurde mit Massenverhaftungen und Einschüchterung in großem Maßstab durch britische Soldaten und Polizei, die Panzerwagen und tief fliegende Kriegsflugzeuge einsetzten, gebrochen. Als sie durch repressive Gesetze eingeengt und mit ständig sich verschlechternden ökonomischen Bedingungen konfrontiert waren, mussten die Afrikaner feststellen, die ihre friedlichen politischen Proteste für das Recht auf Bodenbesitz auf dem Land und das Recht der Arbeiter auf Organisationsfreiheit in den Städten von bewaffneten Kräften unterdrückt wurden.

Da sie mit dem Umfang der repressiven Maßnahmen noch nicht zufrieden waren, riefen die Kolonialbehörden am 20. Oktober 1952 den „Notstand“ aus, erließen noch mehr repressive Gesetze, schufen lokale Polizei- und Milizeineiten und ersuchten um die Verstärkung der britischen Truppen. Da so alle Wege zu konstitutionellen Reformen blockiert waren, begannen die Afrikaner in zunehmendem Maße die aufstrebende revolutionäre Untergrundbewegung zu unterstützen, das für sie zuerst „die Bewegung“ oder „der Vereiniger“ hieß und später während der Zeit des Kampfes „Armee für Land und Freiheit“ genannt wurde.

Die britische Kolonialverwaltung benutzte ihren Einfluss auf die Medien und sorgte dafür, dass die Untergrundbewegung der Afrikaner mit dem Namen „Mau Mau“ bekannt wurde. Dies war Teil der Counterinsurgency-Kampagne gegen die Opposition gegen die Kolonialherrschaft. Die Worte „Mau Mau“ hatten in keiner afrikanischen Sprache eine Bedeutung, und wurden vermutlich zum ersten Mal benutzt, als Weiße einen afrikanischen Dialekt falsch verstanden. Mau Mau beschwor in anfälligen westlichen Hirnen Bilder eines afrikanischen „Herzens der Finsternis“, und gewann schnell weite Verbreitung sowohl innerhalb als auch außerhalb Kenias. Regierungsstellen halfen die Bezeichnung zu verbreiten und diese erfolgreiche Operation psychologischer Kriegführung vereinfachte die Entmenschlichung der Organisation in den kommenden Jahren.

Moderate Nationalisten, von denen viele an die Kolonialverwaltung appelliert hatten, zur Vermeidung des Konflikts einige Konzessionen zu machen, wurden zum Schweigen gebracht oder verhaftet. Der führende nationalistische Politiker Jomo Kenyatta, der den Einsatz von Gewalt auf Seiten der Militanten verurteilte, wurde verhaftet und in einem Schauprozess beschuldigt, der Mau Mau-Anführer zu sein. Er wurde zu sieben Jahren Gefängnis verurteilt. Josiah M. Kariuki, der zwischen 1953 und 1960 ebenfalls in Gefangenenlagern gewesen war, sagte später:

Nach dem Krieg von 1939-45 änderten sich die Dinge. Die sozialen und ökonomischen Missstände wurden für andere offensichtlicher und es gab viel mehr gebildete Afrikaner, die anfingen zu verstehen, dass das gesellschaftliche System nicht unveränderlich war. Das meiste davon geschah in meinem eigenen Stamm, bei den Kikuyu … Normale politische Methoden …. schienen nirgendwo hinzuführen. Die jungen Männer sahen eine Krise auf sich zukommen und möglicherweise viel Leiden, wenn sie erreichen wollten, an was sie glaubten ….

Die Situation war gefährlich, jedoch nicht so gefährlich, dass sie nicht durch einige politische Konzessionen hätte zurechtgerückt werden können … Aber die Regierung entschloss sich zu den härtesten und brutalsten Maßnahmen, die jemals gegen ein Volk im 20. Jahrhundert im britischen Empire ergriffen wurden. So entwickelte sich die Bewegung durch Aktion und Reaktion zu einer Rebellion in großem Maßstab, die auch die Seele meines Volkes erfasste…  3)

Viele linksgerichtete Afrikaner wurden zunehmend militanter. Die Aktivisten der Land and Freedom-Bewegung waren zu Untergrundarbeit gezwungen oder operierten aus Bergen und Dschungel heraus. Kariuki sagte später über die Land and Freedom Army: „Die Welt kennt sie mit einem Schimpf- und Spottnamen [Mau Mau], der ihr von ihren erbittertsten Gegnern gegeben wurde.“

3) The Dissolution of the Colonial Empires, Franz Ansprenger, Routledge 1989

Oliver's Armee - Kapitel 6 Bild 2

Bildunterschrift: Britische Soldaten „stoppen und durchsuchen“ afrikanische „Verdächtige“ in Kenia

Schießbefehle

Die Siedler waren schon lange wegen des wachsenden „Ungehorsams“ unter den „Kukes“ (Kikuyu) verärgert, deren Gegnerschaft zur britischen Herrschaft eine lange Geschichte hatte. Viele Kikuyu hatten sich den Versuchen der Missionare widersetzt, ihre Sitten und Traditionen zu ändern. Manche weigerten sich auch, ihre Kinder in die Missionsschulen zu schicken, die sie als Fortsetzung des Kolonialsystems sahen, und organisierten stattdessen ihre eigenen unabhängigen Schulen. Der Hass der Siedler wurde stärker, vor allem nachdem einige isoliert gelegenen Farmen überfallen und einige Weiße getötet worden waren. Die Siedler übten auf die britischen Behörden beträchtlichen Druck aus und man ging zu einer Politik des „shoot to kill“ über.

In „verbotenen Zonen“ konnte jeder Afrikaner erschossen werden, in anderen konnten sie erschossen werden, falls sie nach Aufforderung nicht stehenblieben. Die Siedler waren über diese Schießbefehle begeistert; in der Vergangenheit hatten sie davon gesprochen, „die Kukes auszulöschen“. Auf einer öffentlichen Versammlung in Nakuru war ernsthaft vorgeschlagen worden, 50.000 Kukes als abschreckendes Beispiel zu töten. Nachdem das Morden nun offiziell erlaubt war, engagierten einige Weiße Kopfgeldjäger, die die „Vernichtung“ für sie erledigen sollten.

Einige Siedler heuerten Afrikaner an, die das Morden für sie übernehmen sollten. Die Praxis, Jägern der Wanderobo 20 Schilling für jeden angeblichen getöteten Mau Mau-Angehörigen zu zahlen, war so bekannt, dass sogar die Presse in den Vereinigten Staaten davon berichtete. Andere Weiße betrieben ihre eigene „Vernichtungspolitik“. Einige professionelle Jäger begannen, Kikuyu zu jagen, so als wäre es ein besonders gefährliches Spiel. Ein Jäger, der normalerweise kein Angeber war, sagte, dass er mehr als 100 Kikuyu getötet habe, von denen er dachte, dass sie Mau Mau-Leute seien, obwohl er zugab, dass seine Vorgehensweise, „zuerst zu schießen, und danach zu fragen“, keine Gewissheit darüber sicherte. 4)

Die Siedler selbst gingen mit drastischen Mitteln gegen jeden verdächtigen Afrikaner vor, insbesondere gegen „Kukes“. Brutalität und Mord wurden alltäglich. Für sein Buch Mau Mau: An African Crucible (Mau Mau: Eine afrikanische Hexenjagd, d. Ü.) interviewte Robert B. Edgerton einen Australier, der während des Zweiten Weltkriegs mit den Chindits in Burma gekämpft hatte. Als er während des „Notstands“ in Kenia lebte, wurde er anlässlich eines Besuches bei einem Siedler namens Bill Zeuge des Mordes an Afrikanern. Nachdem telefonisch mitgeteilt worden war, dass einige „Mickeys“ (Mau Mau) in der Gegend seien, bewaffneten sie sich und gingen los, um sich der Jagd anzuschließen:

Zwei von Bills Kameraden schlossen sich uns in einem weiteren Landrover an und gegen Abend sahen wir zwei Afrikaner die Straße vor uns überqueren. Bill feuerte einen ersten Schuss über ihren Kopf ab und sie hielten die Hände hoch. Ich versuchte Bill klarzumachen, dass diese Jungs, sie waren kaum mehr als Kinder, für mich nicht wie Mickeys aussahen, aber er sagte: „Sie sind Kukes und das reicht mir.“ Er mischte sie etwas auf, aber sie sagten, sie wüssten nicht, wo die Mickey-Bande hingegangen sei. So holte er ein Seil und band einen der beiden an den Fußknöcheln an die hintere Stoßstange seines Landrover. Er fährt ein Stückchen, nicht zu weit, und der arme schwarze Bastard versucht seine Nase über dem Boden zu halten. Die anderen Typen lachen und sagen: „Nimm einen höheren Gang, Bill“! Bill steigt aus und sagte: „Dies ist deine letzte Chance, Nugu (Trottel), wo ist die Bande?“ Der afrikanische Junge sagt immer noch, dass er kein Mau Mau sei. Aber Bill benimmt sich wie von der Tarantel gestochen. Als er zurückkam, war der Nigger nur noch Brei. Er hatte überhaupt kein Gesicht mehr. Dann binden Bill und seine Kameraden den anderen an die Stoßstange und stellen die gleiche Frage. Er bittet sie, ihn gehen zu lassen, aber der alte Bill packt ihn wieder und kommt nach einer Weile mit einem zweiten toten Mickey zurück. Sie ließen die beiden einfach auf der Straße liegen. 5)

Danach gingen sie zum Mittagessen in eine Bar.: „Bill bestellte für alle Bier. Ich fühlte mich ein wenig zittrig, aber ich trank mein Bier. Die anderen Kerle lachten und fühlten sich, soweit ich sehen konnte, gut. Bill sagte: ‚Was glaubt Ihr, wie hätte einer von denen ausgesehen, wenn ich ihn ausgestopft und ausgestellt hätte?‘ Einer seiner Kumpanen meinte: ‚Meinst Du, als er noch ein Gesicht hatte oder später?‘ Sie lachten sehr über diesen Witz. Ich war während des Krieges bei Wingate (britischer Generalleutnant) in Burma und ich habe dabei einige raue Kerle getroffen, aber ich habe niemals Männer gesehen, die so eiskalt wie Bill und seine Kumpane waren.“

4) Mau Mau: An African Crucible, von Robert B. Edgerton, The Free Press, Collier Macmillan London 1989

5) Ebenda, Mau Mau: An African Crucible, Robert B. Edgerton

Oliver's Armee - Kapitel 6 Bild 3

Bildunterschrift: Ein weißer Polizist nimmt einem Guerillero, der bei einem Angriff auf einen befestigten Polizeiposten getötet wurde, die Fingerabdrücke ab

Staatliche Brutalität

Karigo Muchai war ein Afrikaner, der als Mitglied der britischen Armee in Burma gegen die Japaner gekämpft hatte. Nach seiner Rückkehr nach Kenia nahm er am Freiheitskampf teil. Er erzählt, was geschah, nachdem er verhaftet und zu einer Polizeistation gebracht worden war, in der etwa 400 Gefangene festgehalten wurden und die von einem brutalen Europäer mit dem Spitznamen „Kihara“ geleitet wurde:

Ich verbrachte einen Monat in dieser Polizeistation, tagsüber musste ich Zwangsarbeit verrichten und nachts wusste ich nie, ob es meine letzte Nacht sein würde. „Kihara“ spielte täglich ein seltsames und furchterregendes Spiel. Jederzeit konnte er in eine der Zellen kommen und ein oder zwei Namen aus dem Polizeiregister nennen. Niemand wusste, wann sein Name genannt werden würde und wir lebten alle in ständiger Angst. Die, die ausgerufen wurden, fesselte man und warf sie in einen Landrover. „Kihara“ pflegte dann zum Haus eines der Gefangenen zu fahren, seine Familie herauszurufen und den hilflosen Gefangenen dann vor aller Augen zu erschießen. Er ließ der Familie die Leiche zur Beerdigung liegen und fuhr zum nächsten Haus, wo sich das Ganze wiederholte. 6)

Viele der Siedler waren Mitglieder der örtlichen Sicherheitskräfte, auch der Kenya Police Reserve und des Kenya Regiment. In diesen Einheiten, in denen Weiße die Offiziere stellten und Einheimische die niederen Ränge, wurde das Töten und die Misshandlung von schwarzen Zivilisten alltäglich. Die King’s African Rifles (KAR), die aus ganz Ostafrika einheimische Soldaten rekrutierte, war bald für die Brutalität bekannt, mit der sie den Krieg führte: „Die KAR wurde als erstes beschuldigt, Gräueltaten zu begehen. Die Soldaten der KAR, z.B. aus dem Kenya Regiment, brannten die Häuser von Kikuyu nieder, die im Verdacht standen, der Mau Mau-Bewegung anzugehören, und es waren Soldaten der KAR unter dem direkten Kommando weißer Offiziere, von denen angenommen wird, dass sie 90 Gefangene kaltblütig bei einem Massaker erschossen, das bei den Mau Mau als das Kagahwe River-Massaker bekannt wurde. 7)

Der Ugander Idi Amin diente als Soldat bei der KAR in Kenia. Ein Zeitgenosse, Dr. Atieno Adhiambo, beschrieb Amin als genau die Art Afrikaner, die die Briten liebten, Afrikaner, die sie gerne „kriegerisch“ nannten: schwarz, groß, grob, ungebildet und gewillt, zu gehorchen. 8) Ein britischer Offizier sagte über Amin: „Nicht besonders helle, aber großartig, einen solchen Kerl zu haben.“

In Kenia lernte Amin viele der brutalen Praktiken, die er viele Jahre später gegen sein eigenes ugandisches Volk einsetzte: „Ob mit oder ohne Befehl von weißen Offizieren erschossen, erschossen KAR-Soldaten verwundete Mau Mau oft „zufällig“ oder erstachen sie mit Bajonetten. Oder man warf sie mit toten Mau Mau zusammen auf einen Lastwagen und ging mit ihnen auf eine lange Fahrt, während der sie entweder von selbst starben oder man half dabei nach.“  9)

6) The Hardcore, the Story of Karigo Muchai, LSM Press – Canada 1973

7) Mau Mau: Eine afrikanische Hexenjagd, Robert B. Edgerton, The Free Press, Collier Macmillan London 1989

8) Lust to Kill – The Rise and Fall of Idi Amin, Joseph Kamau, Andrew Cameron, Corgi 1979

9) Mau Mau: An African Crucible, Robert B. Edgerton, The Free Press, Collier Macmillan London 1989

Oliver's Armee - Kapitel 6 Bild 4

Bildunterschrift: Das von Stacheldraht umzäunte „geschützte Dorf“ Kamiritho, in dem Ausgangssperre herrschte, unterschied sich nur wenig von einem Konzentrationslager

Ist Ihr Sohn ein Mörder?

In dieser Situation wurden 1952 die britischen Truppen verstärkt, viele der neuen Soldaten waren Wehrpflichtige, die ihren Wehrdienst ableisteten. Offiziere stellten oft bei sich eine natürliche Affinität zu den weißen Kenianern fest und verbrachten einen großen Teil ihrer Freizeit in den Häusern und Clubs der Siedler. Die meisten gewöhnlichen Soldaten wussten nichts über Kenia oder warum der „Notstand“ ausgerufen worden war, aber viele hatten ähnlich rassistische Ansichten wie die Siedler:

Viele dieser Offiziere und Männer hatten Britannien mit festen Überzeugungen über die die rassische Überlegenheit der Weißen (vor allem derjenigen auf den Britischen Inseln) verlassen und ihr Dienst in Übersee, in Ägypten, Zypern, Palästina und Malaysia hatte sie darin bestärkt, dass „Kameltreiber“ und „Nigger“ eine niedrigere Form von Lebewesen darstellten. Diese Haltung war auch in einem britischen Armeehandbuch zu finden, das an alle Offiziere verteilt wurde. In einem Abschnitt, in dem es um den Umgang mit afrikanischen Fährtensuchern in britischen Armeeeinheiten geht, heißt es: „Der Afrikaner ist einfach, nicht sehr intelligent, aber sehr willig, wenn man ihn richtig behandelt. Betrachten Sie ihn weder als Sklaven noch als ebenbürtig. Sie werden sehen, dass die meisten Afrikaner einen angeborenen Respekt für den weißen Mann haben.“ 10)

Diese rassistische Einstellung, kombiniert mit Indoktrinierung und den Bedingungen des „Notstandes“, kam sich auch in den Handlungen der Soldaten zum Ausdruck: „Britische Soldaten zeigten ihre Abneigung gegenüber den Mau Mau in den Straßen von Nairobi. Manche Soldaten, hielten, nachdem sie getrunken hatten, willkürlich Afrikaner an, schlugen sie und stahlen ihnen was immer Kostbares sie auch besessen haben mochten.“ 11) Armeebataillone, die in der Nähe von „Verbotszonen“ stationiert waren, wozu die vom Dschungel überzogenen Berge und der Busch im Vorbergland gehörten, wo sich viele Afrikaner nach ihrer Vertreibung aus den fruchtbaren Gebieten niedergelassen hatten, versuchten ihre Effizienz durch möglichst viele Tötungen zu beweisen. Afrikaner, die in einer „verbotenen Zone“ entdeckt wurden, galten als feindselig und konnten erschossen werden – genauso wie in den „Free Fire Zones“ der USA in Vietnam.

Viele Offiziere hielten ihre Einheiten für professioneller als die der lokalen Sicherheitskräfte und machten sich daran, ihre Überlegenheit zu beweisen:

Einheiten hängten „Trefferlisten“ aus und Offiziere boten Kopfgeld für die erste Tötung einer Kompanie, gewöhnlich 5 Pfd. Sterling. Die Tötungen mussten natürlich belegt werden und eine Leiche mitzuschleppen zur Identifizierung war ganz bestimmt keine angenehme Aufgabe, so wurden Hände abgeschnitten zum Beweis, dass ein Mau Mau-Rebell – bzw. zumindest irgendjemand – getötet worden war. Im Prinzip konnten diese Hände toter Mau Mau-Leute benutzt werden, um sie über Fingerabdrücke zu identifizieren. Aber da nur wenige Fingerabdrücke von Mau Mau-Leuten in den Polizeiakten waren, war es schwierig zu behaupten, dass diese Hände nur als Beweismittel abgeschnitten wurden. 12)

Anfang 1954 veröffentlichte der Daily Herald in Britannien einen Artikel über Soldaten, die für Tötungen bezahlt wurden, der den Titel hatte: „IS YOUR SON A MURDERER?“ Die Regimentszeitung der Devons hatte die beschriebene Praxis erwähnt woraufhin im Unterhaus Fragen gestellt wurden. Schnell stellte man einen Untersuchungsausschuss zusammen, der alle britischen Soldaten von jeglicher Verfehlung freisprach.

In Kenia äußerte General Erskine Bedenken wegen des Ansehens der Armee und warnte die Soldaten offiziell: „Es muss klar sein, dass die Sicherheitskräfte unter meinem Kommando diszipliniert sind, dass sie wissen, wie man sich auch unter Umständen benimmt, die widerlich sind.“ Erskine fuhr fort:

Ich werde keine Verletzung der Disziplin dulden, wenn jemand unfair behandelt wird. Wir haben eine sehr schwierige Aufgabe und es ist nicht meine Absicht, den Sicherheitskräfte mit Anweisungen und Regeln die Hände zu binden, die ihnen die Ausübung ihrer Pflicht unmöglich machen – ich habe als Soldat genügend praktische Erfahrung, um zu wissen, dass Fehler vorkommen. Niemand muss fürchten, von mir nicht unterstützten zu werden, wenn er ohne böse Absicht einen Fehler begangen hat. Aber ich bin ganz und gar dagegen, die Einwohner dieses Landes zusammenzuschlagen, nur weil sie hier wohnen. Ich hoffe, dass dies in der Vergangenheit nicht geschehen ist und zukünftig auch nicht geschehen wird… 13)

Diese Warnung führte kaum zu einer Verringerung der Zahl von Exzessen und viele Praktiken wurden im Geheimen weiter betrieben; so führten Armeeeinheiten auch weiterhin ihre „Trefferlisten“ – aber heimlich. Der Haltung, die Erskine in der Öffentlichkeit zeigte, widersprachen die Ansichten, die er in seinen Briefen in die Heimat äußerte: „Obwohl sich Erskine auf das Zusammenschlagens von Afrikanern bezog, gab er privat zu, dass viel Schlimmeres passiert war. So schrieb er seiner Frau, dass es vor seiner Ankunft viele wahllose Erschießungen gegeben habe.“ Die Korrespondenz mit seinem Vorgesetzten, Feldmarschall Sir John Harding, dem Befehlshaber in Nahost, war ebenfalls aufschlussreich:

Seine [Erskines] grundsätzliche Einstellung zeigte sich in der Aufforderung an Harding, dem ganzen liberalen Geschrei nicht nachzugeben. „Seid zu den Mau Mau nicht zu grausam.“ Auf der einen Seite behauptete er, dass die Mau Mau-Anhänger einfach zu erkennen seien, da sie lange Haare und lange Bärte hätten und dreckig seien und dass die Einheimischen völlig zufrieden seien, wenn man diese Typen umbrächte – und sprach sich so für eine „differenzierte“ Tötungspolitik in den „verbotenen Zonen“ aus. Auf der anderen Seite rechtfertigte er in diesen Zonen Flächenbombardements – trotz der willkürlichen Tötungen, die dies bedeutete – mit der Begründung, falls man diese Zonen zu Bombenabwurfgebiete machen würde, es niemand versuchte, Zeit und Mitgefühl an Menschen zu verschwenden, die absichtlich in einer solchen Gegend lebten. 14)

Während des „Notstandes“ warfen britische Flugzeuge 50.000 Tonnen an Bomben auf die „verbotenen Zonen“. Sie feuerten auch mehr als zwei Millionen Maschinengewehrsalven. Es war unvermeidlich, dass viele Zivilisten und Aufständische getötet und verwundet wurden. RAF-Einheiten wie auch Armeeregimenter, registrierten die Tötungen: „Während manche britische Soldaten Hände und zuweilen Ohren als Kriegstrophäe abschnitten, dekorierten britische Piloten der Royal Air Force ihre Flugzeuge mit ihren eigenen Beutesymbolen. Statt Bildern von Flugzeugen, die in früheren Kriegen abgeschossene feindliche Maschinen symbolisierten, zeigten ihre Beutesymbole speertragende Afrikaner. 15)

10) Mau Mau: An African Crucible, Robert B. Edgerton, The Pree Press, Collier Macmillan London 1989

11) Ebenda, Mau Mau – An African Crucible, Robert B. Edgerton

12) Ebenda, Mau Mau – An African Crucible, Robert B. Edgerton

13) Counter Insurgency in Kenya 1952-60, Anthony Clayton, Transafrica Publishers 1976

14) Winning Hearts and Minds, Susan L. Carruthers, Leicester University Press 1995

15) Mau Mau: An African Crucible, Robert B. Edgerton, The Pree Press, Collier Macmillan London 1989

Oliver's Armee - Kapitel 6 Bild 5

Bildunterschrift: Oben links: Ein Lincoln-Bomber der RAF bei einem Angriff über den Aberdare-Bergen.
Oben rechts: Rumpf eines RAF-Flugzeuges mit einem speerschwingenden Afrikaner als Beutesymbol

Der Krieg kehrt nach Hause zurück

In den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg bestand die britische Armee aus Berufssoldaten und Wehrpflichtigen. Die meisten Soldaten in den Kolonialkriegen befolgten die Befehle und taten, was sie für ihre Pflicht hielten. Einige, mitgerissen in einer Welle von Indoktrination und Hurrapatriotismus, glaubten leidenschaftlich an das, was sie taten. 1977 schrieb ein versehrter ehemaliger Soldat, der sich gleich nach dem Zweiten Weltkrieg als Berufssoldat gemeldet hatte, über seine Erfahrungen in einigen dieser kleinen Kriege folgendes:

Es sind jetzt fast 30 Jahre her, dass ich Berufssoldat wurde. Ich war arbeitslos und hatte Ärger mit der Polizei. Die Armee war damals viel größer. Nachdem ich einmal dabei war, war ich überzeugt, dass mich nichts dazu bewegen könnte, in die Slums von Glasgow zurückzukehren. Mein eigenes Bett und mein eigener Spind. Gute saubere Kleidung. Viel gutes Essen. Eine große Kameradschaft zwischen den Männern in meiner Kaserne. Was wollte ein junger Mann mehr? Während meiner ganzen Kindheit hatte ich Hunger und Armut gekannt. Die Armee bot mir ein großartiges Leben. Es ist für junge Männer aus der Arbeiterklasse schwierig zu erkennen, wie attraktiv so ein Leben ist, wenn sie nicht ähnliche Armut und solchen Hunger gekannt haben wie ich.

Damals bekämpfte die Armee die „dreckigen Kommunisten“. Wir erschossen die „schlitzäugigen Bastarde“ in den Hügeln von Korea und jagten sie zurück zum Fluss Yalu, wo uns dann einige „Bastarde von Politikern“ davon abhielten, überzusetzen und sie endgültig fertig zu machen. Wir gingen in den Dschungel von Malaysia und „rotteten sie aus“. Es traf uns schwer zu sehen, dass dieser „verdammte Bastard“ Ching Peng so viel Geld für seine Kapitulation erhielt. Er und seine Irrlichter hatten uns viel Ärger bereitet und uns schwitzen lassen. Jetzt gab ihm die Regierung eine Menge Geld. Es war verrückt. Wenn sie ihn uns überlassen hätten, hätten wir ihn in Stücke gehauen und an die Hunde, die in Kuala Lumpur in Rudeln herumrannten, verfüttert.

In Kenia hassten wir diesen „schwarzen Kannibalen“ Jomo Kenyatta. Der Geheimdienstoffizier, der uns politischen Unterricht erteilte (wussten Sie, dass es in der britischen Armee so etwas gibt?) erzählte uns, Jomo schreibe für dieses Kommunistenblatt, den Daily Worker. Hätten wir ihn in den Wäldern der Aberdares erwischt, wir hätten ihn erschlagen.

Auf Zypern bekämpften wir den „kleinen mörderischen Bastard“ Grivas. Es war schon seltsam, dass niemand diesen „kleinen Bastard“ verraten wollte, egal wie sehr wir sie auch schlugen und traten. Die griechischen Zyprioten gaben sein Versteck nie preis.

Es kam der Tag, an dem es mich erwischte. Es war nicht angenehm. Sie legten mich auf eine Bahre und banden mich fest, so wurde ich zur medizinischen Behandlung geflogen. Ich war von der Hüfte ab gelähmt. Jede kleine Erschütterung verursachte heftige Schmerzen, die durch meinen Körper strömten. Neben mir lag ein junger schottischer Kerl. Er kam aus meiner Geburtsstadt, Glasgow. Ich vermute, sie legten ihn neben mich, weil wir beide „Glasca“ sprachen. Vielleicht glaubten sie, dass der Klang des vertrauten Dialekts ihn beruhigen würde. Er war völlig verrückt. Wenn er mich mit seinen wahnsinnigen Augen ansah, schreckte ich zurück. Schließlich war ich nur eine Armlänge weit von ihm entfernt und teilweise gelähmt. Ich wurde in den Krankenhäusern verschiedener Länder von Experten untersucht. Diese Leute verursachten mir viele Schmerzen. Aber noch Monate später hatte ich bei plötzlichen Bewegungen fürchterliche Schmerzen. Ich wurde wieder Zivilist und war wie ein alter Mann. Es geschah im Union Jack Club gegenüber der Waterloo Station, dass mir meine Situation klar wurde. Ein junger Soldat wie ich lag da und war sturzbesoffen. Seine Dokumente waren ihm aus der Jacke gefallen. Ich sah, dass er an den gleichen Orten im Fernen Osten gewesen war wie ich. Er war wie ich entlassen. Aber er konnte keine Arbeit finden.

Eine Welle der Verzweiflung überkam mich. Wie sollte ich überleben? Zurück in Glasgow ging ich zum Arbeitsamt. Dort hatte man für Exkiller keine Arbeit. „Was sollen wir mit Ihren militärischen Auszeichnungen anfangen? Wir benötigen Männer, die jeden Tag von morgens bis abends hindurch arbeiten können. Sie können ja kaum gehen!“ Diese Leute bedeuteten alle einen Rückschritt zu den Tagen der Bedürftigkeitsprüfung. Es gelang ihnen nicht einmal, einen Blick des Mitgefühls auf einen bleichen jungen Mann mit dunklen Augenringen zu werfen, und sei es nur um des Effektes willen.

Wie ich die Menschheit hasste! Hier war ich. ……. Keiner interessierte sich für mich …… Auch die Vereinigung ehemaliger Berufssoldaten machte keinen Versuch, für mich einen Job zu finden. Der fette ehemalige Oberstabsfeldwebel hatte die Arbeit, die ich hätte ausüben können. Niemand half mir. Ich musste mir selbst helfen.

Ich habe es geschafft. Aber nicht mit Hilfe der Bastarde, die das Land regieren. Sie stahlen meine Jugend und meine junge Männlichkeit. Aber meine Muskeln sind jetzt viel härter geworden. Sie können mich aufrecht halten. Aber was wird passieren, wenn ich alt bin und sie weniger stark sind? Ich kann mich einfach nicht mit der Idee anfreunden, den Rest meiner Tage in einer Einrichtung für versehrte Soldaten zu verbringen, und von den Tagen, als wir jung waren, zu schwärmen.

O, ich habe vergessen zu sagen, dass ich keine Frau finden konnte. Ich bin jetzt nämlich impotent. Yip Ming war meine letzte Bettgenossin. Sie war eine chinesische Prostituierte, mit der ich im Fernen Osten gelebt habe. Sie hat mir zwei Söhne geboren. Aber ich konnte sie nicht heiraten, die Armee wollte es nicht genehmigen. Sie ging nach China zurück und ich habe den Kontakt mit ihr verloren. Meine Söhne müssen jetzt in ihren Zwanziger sein. Wahrscheinlich lesen sie die Worte des Vorsitzenden Mao und verfluchen ihren weißhäutigen Vater. 16)

Viele frühere Soldaten litten nach dem Verlassen der Armee an körperlichen bzw. psychologischen Wunden. Einige brachten die Gewalt mit nach Hause, die man ihnen in den Kolonialkriegen beigebracht hatte. Harry Roberts, der wegen der Ermordung dreier Polizisten 1966 im Westen Londons verurteilt wurde, und Donald Neilson – auch „Schwarzer Panther“ genannt –, der wegen vier Morden, Raub und Entführung inhaftiert wurde, waren beide ehemalige Soldaten. Neilson hatte in Kenia und Zypern gedient. Roberts, ein ehemaliger Scharfschütze, war ein Malaysia- und Zypern-Veteran.

Eine junger britischer Offizier, der an den Kämpfen in Malaysia beteiligt gewesen war, sagte: „Wir waren da, um zu schießen. Wir töteten sie …. Dies war ein grober, grausamer Erfolg. Es war Hinschlachten. Es war ein einziges Grauen.“. Ein Soldat, der in Kenia gedient hatte, meinte: „Im Wald von Aberdare durfte man jeden schwarzen Mann erschießen – wenn er schwarz ist, erschießt man ihn, weil er ein Mau Mau ist …. es war eine Sperrzone.“ Im Gefängnis erzählte Roberts anderen dort inhaftierten ehemaligen Soldaten, dass er einmal in Kenia Ärger bekommen habe wegen der Weigerung, einen Afrikaner zu erschießen. Er sprach auch mit einem Journalisten, der ihn fragte, warum die Polizisten erschossen worden waren. Roberts antwortete: „Es sind Fremde, sie sind der Feind …. Sie sind wie die Leute, die ich in Malaysia tötete, als ich in der Armee war. 17)

16) Socialist Worker, 12. November 1977

17) Hidden Wounds – the problems of Northern Ireland veterans in Civvy Street, Aly Renwick, Barbed Wire 1999

Oliver's Armee - Kapitel 6 Bild 6

Bildunterschrift: Auf der Suche nach Mau Mau-Mitgliedern überprüfen britische Soldaten Afrikaner mit vorgehaltenen Waffen auf einer Straße in Nairobi

Teile und herrsche

In Kenia hatten die britischen Kolonialbehörden Probleme, den Aufstand einzudämmen. Während das Ausmaß der gegen Schwarze ausgeübten Brutalität und Unterdrückung einige Afrikaner einschüchterte, erzeugte es jedoch bei noch viel mehr Menschen Wut und Widerstandsgeist. Die Einheiten der Land and Freedom Army wurden oft von früheren Soldaten angeführt, die während des Zweiten Weltkriegs in der britischen Armee gedient hatten. Tief in den Wäldern operierten sie mit einer Disziplin, die der in der britischen Armee ähnlich war. Sie brauchten viel Zeit für Training und Attacken, aber in der Nacht saßen sie ums Lagerfeuer und sangen patriotische Lieder.

No African can sleep
Because of lack of adequate food.
We shall be happy
When we get our land back.

In great unity
The Kenyan people truly united
Let us now throw this colonial yoke off our backs
So we can find open fields in which to work and play.

We shall be very happy
When our oppressors are forced to agree
That we are masters of this land.
Today they call us “boys”
Because they pretend not to know who we are!

Our fertile land was taken from us
We were forced into desert land
And still they continue to treat us
As if an African has no blood in his veins.
18)

Einige Mitglieder der Land and Freedom Army verglichen sich selbst mit den von Wat Tyler geführten Bauern, die gegen feudale Gesetze und Steuern revoltiert hatten. Sie sprachen in Kenia auch von „gleichmachen“, ähnlich wie es die Levellers in England getan hatten, bevor sie nach dem Bürgerkrieg von Cromwell unterdrückt wurden. Neue Kämpfer und Nachschub wurden von afrikanischen Unterstützern außerhalb zu den Einheiten der Land and Freedom Army in die Wälder geschmuggelt. In den Städten und auf dem Land war die Unterstützung stark und standhaft. Schwarze Prostituierte verlangten zuweilen von ihren Kunden aus den Sicherheitskräften, Soldaten und Polizisten, Munition als Bezahlung. Diese Kugeln wurden dann an die Kämpfer im Dschungel weitergeschmuggelt.

Die Behörden benutzten die Taktik des Teile und Herrsche, womit es ihnen gelang die afrikanische Gesellschaft zu spalten. Und obwohl sich Militante der Völker der Akamba, Maasai, Lui, Meru und Embu der Land and Freedom Army anschlossen, bestand die Bewegung doch vorwiegend aus Kikuyu. Diese waren nun selbst gespalten in Nationalisten einerseits, zu denen auch die Mitglieder der Land and Freedom Army und Unterstützer gehörten, die eine Landreform forderten sowie das Ende der weißen Herrschaft und der Besteuerung, und loyalistischen Kräften auf der anderen Seite, zu denen vor allem die eingesetzten Häuptlinge und ihre Unterstützer gehörten, die sich auf die Seite der Weißen stellten. Während man Land und Ernten bei vielen Nationalisten beschlagnahmte, wurden Restriktionen bezüglich Landbesitz und Ackerbau für Loyalisten aufgehoben – was viele von ihnen erlaubte, vergleichsweise wohlhabend zu werden.

Counterinsurgency-Strategen hielten es für am allerwichtigsten, das System der Unterstützung für die Land and Freedom Army zu zerstören und diese zu isolieren. Um diese Ziele zu erreichen, wurden die Kikuyu in Reservate und „geschützte Dörfer“ getrieben, die, nach dem Modell ihrer Vorgänger in Malaysia, wie Massengefangenenlager waren. Drinnen waren die Afrikaner der Kontrolle loyalistischer Kräfte, organisiert in Bürgerwehren, unterworfen, draußen der Kontrolle durch Soldaten und Polizei.

Die Bürgerwehr der Kikuyu, initiiert und geschützt durch die weiße Kolonialverwaltung und kontrolliert von loyalen Häuptlingen, gewann rasch den Ruf, rücksichtslos und korrupt zu sein. Sie stand im Verdacht von Erpressungen und ihre Vorgehensweise war so skandalös, dass sogar einer der weißen Richter, A.L. Cram, die Bürgerwehr während einer Anhörung kritisierte: „Es gibt ein System von Wachtürmen, die mit Dorfvorstehern und Häuptlingen besetzt sind, und dabei handelt es sich um Verhörzentren und Gefängnisse, in die die Untertanen der Königin, egal ob schuldig oder unschuldig, ohne Haftbefehl eingesperrt werden – und anscheinend auch dort gefoltert werden, bis sie ihre angeblichen Taten gestehen und danach nur aufgrund dieser Geständnisse vor Gericht gestellt werden … vor eine ihnen feindselig gesonnene Richterbank, die mit Lügen vollgesogen ist, und vor Schatten von Zellen, Peitschen und Drohungen ….. 19)

Die Feindschaft zwischen Loyalisten und Nationalisten verstärkte sich und eskalierte zu einem blutigen Bruderkrieg, was für die Briten sehr nützlich war. Nun waren Zeit und Energie der Land and Freedom Army vor allem in der Bekämpfung der Loyalisten gebunden. Die Hauptlast des Krieges wurde jetzt für das britische Empire von Afrikanern getragen, die für die Weißen waren, und man konnte den Krieg zu propagandistischen Zwecken als „Bürgerkrieg“ bezeichnen.

18) Thunder from the Mountains – Mau Mau Patriotic Songs, herausgegeben von Maina wa Kinyatti, Zed Press 1980

19) Counter Insurgency in Kenya 1952-60, Anthony Clayton, Transafrica Publishers, 1976

Oliver's Armee - Kapitel 6 Bild 7

Bildunterschrift: Ein befestigter Wachturm der Bürgerwehr, inhaftierte Verdächtige warten hinter dem Stacheldraht auf das Verhör

Eide und Propaganda

Die Offensive gegen den afrikanischen Widerstand war begleitet von einer Propagandakampagne, die auf die Entmenschlichung der „Mau Mau“ in den Augen der Welt abzielte. Während der Kämpfe kam es zu einem Massaker bei Lari, einem Dorf, in dem ein wohlhabender prokolonialistischer Häuptling über viele vertriebene Leute bestimmte, die als landlose Pächter lebten. Einige Mitglieder der Land and Freedom Army attackierten und töteten den loyalistischen Häuptling und einige seiner Familienmitglieder. Auch Anhänger von ihm starben, nachdem ihre Hütten in Brand gesteckt worden waren. In Wut darüber drang die Home Guard zusammen mit Polizei und Soldaten in das Dorf und seine Umgebung ein und rächten sich durch die Ermordung von Hunderten von armen landlosen Pächtern und das Abbrennen einer großen Anzahl Hütten. Danach war in Pressemitteilungen der Regierung nur von Angriffen der „bestialischen Mau Mau“ die Rede und man schrieb alle Morde „blutrünstigen Terroristen“ zu. Die Tote von Lari galten in der Folge in den westlichen Medien als Opfer der Grausamkeit der Mau Mau.

Während des ganzen Konflikts brachte die Regierung in Pressemitteilungen reißerische Berichte von den Schwüren, die Freiwillige der Land and Freedom Army beim Eintritt in die Organisation ablegten. Der Schwur war eine Tradition innerhalb des Altersgruppensystems der Gesellschaft der Kikuyu, und sein Gebrauch für die Untergrundbewegung knüpfte einfach an diese Tradition an. Josiah M. Kariuki schrieb: „Es ist für jeden, der mein Volk kennt, leicht zu verstehen, dass spontan beschlossen wurde, dass sie sich durch einen einfachen Schwur zu einer Einheit zusammenschlossen. Soweit ich weiß, begann man damit in den Kikuyu-Gebieten, ausgehend von Kiambu. Es gab keine Anweisung oder Kontrolle von oben. Der Schwur war nicht ausgeklügelt oder kompliziert und war anfangs völlig unbedenklich……“ 20)

Das Ablegen eines Schwurs war von der weißen Verwaltung toleriert worden und wurde oft auch von loyalistischen Häuptlingen zur Kontrolle der Bevölkerung eingesetzt. In vielen Gesellschaften gibt es Eide, auch in Britannien, wo Mitglieder der Streitkräfte, der Polizei und andere ihre Treue zum regierenden Monarchen beschwören. Die Schwüre werden abgelegt, um durch Bindung, Ehre und Furcht Loyalität zu schaffen. Die Kikuyu waren vor allem Bauern und ihre Schwüre reflektieren diese Tatsache. Bei der Initiation hielt man manchmal einen feuchten Erdklumpen an den Bauch, und eine flüssige Mischung, die aus zerstoßenem Korn, Erde und Tierblut bestand, wurde in der Form eines Kreuzes auf die Stirn der Anwärter geschmiert. Die Schwüre klangen oft militant, waren aber normalerweise einfach und ehrlich:

Unsere afrikanische Quelle bestätigt, dass er Ende 1953 zwei Eide ablegte; zunächst schwor er in einem politischen Eid Treue, dann legte er den stärkeren Eid als Kämpfer ab, der gelobt zu töten und sein eigenes Blut zu vergießen. Er zitiert den ersten Eid wie folgt:

Ich spreche die Wahrheit und gelobe vor Gott
und vor dieser Bewegung,
der Bewegung der Einheit;
der Einheit, die auf die Probe gestellt wird,
der Einheit, die mit dem Namen „Mau Mau“ verspottet wird,
dass ich für das Land kämpfen werde,
für die Länder von Kirinyaga, die wir kultivierten,
für die Länder, die von den Europäern weggenommen wurden,
und wenn mir dies nicht gelingt, soll dieser Schwur mich töten……

Dann zitiert er den zweiten Eid:

Ich spreche die Wahrheit und schwöre vor Gott:
Wenn ich gerufen werde, um gegen den Feind zu kämpfen
oder um den Feind zu töten, so werde ich gehen,
selbst wenn der Feind mein Vater oder meine Mutter sind,
mein Bruder oder meine Schwester
und wenn ich mich weigere,
soll dieser Schwur mich töten…..
21)

Der zweite Eid wurde während des bitteren Kampfes zwischen militanten und loyalistischen Kikuyu abgelegt. Er sollte furchteinflößend erscheinen, aber die Schwüre der Land and Freedom Army waren in der Gesellschaft der Kikuyu keineswegs extremer als die Schwüre der Freimaurer in unserer, die ebenfalls in einer gewalttätigen Sprache abgefasst sind und in seltsamen Ritualen abgelegt werden.

Indem man die Aufmerksamkeit auf die Schwüre der „Mau Mau“ lenkte, wurde die politische Natur der afrikanischen Gegnerschaft zur britischen Herrschaft verschleiert. Man spielte mit westlichen Vorurteilen über „Hexendoktoren“ und rief damit Phantasiebilder von fürchterlichen und erschreckenden Praktiken von „Wilden“ im dunklen Dschungel hervor. Die Propaganda der Regierung war fixiert auf dieses Thema und porträtierte dabei die „Mau Mau“ als „Bande bestialischer Untermenschen“.

20) The Dissolution of Colonial Empires, von Franz Ansprenger, Routledge 1989

21) Ebenda – The Dissolution of Colonial Empires, Franz Ansprenger

Oliver's Armee - Kapitel 6 Bild 8

Bildunterschrift: Der Tory-Kolonialsekretär Alan Lennos-Boyd (mit Filzhut) inspiziert eine Einheit der Miliz loyalistischer Kikuyu

„Mau Mau“ austreiben

Die ersten Früchte trug die Propaganda-Kampagne zur Entmenschlichung der „Mau Mau“ in der zunehmend brutalen Vorgehensweise der Sicherheitskräfte. Das „Screening“, mit dem alle Aktivisten und Unterstützer der Land and Freedom Army enttarnt werden sollten, degenerierte schnell zur harten Folter, da die Vernehmer die Internierten zum Geständnis, sie hätten einen Schwur geleistet, zwingen wollten. In allen Lagern wurden die Gefangenen brutal behandelt: „Sie [die Weißen] hassten die Mau Mau-Bewegung prinzipiell, und sie hassten die verbissene und sture Weigerung der Gefangenen zu gestehen. Tag für Tag gaben sie ihrem wahnsinnigen Hass mit Faustschlägen, Tritten und Schlägen mit Knüppeln, Peitschen und Gummischläuchen Ausdruck.“ 22)

Die Kolonialverwaltung war der Ansicht, dieser Prozess des „Screening“, d.h. der Zwang zum Geständnis, einen Eid abgelegt zu haben, und die nachfolgende Internierung, würde die „Mau-Mau“-Bewegung brechen und „säubern“. Während des „Screening“ schrieen manche Gefangene vor Schmerz, viele weigerten sich zu schreien oder zu gestehen. Oft wurden Gefangene bewusstlos geschlagen. In einem der Lager wurde ein loyalistischer Kikuyu eingesetzt, um diejenigen zu kastrieren, die nicht gestehen wollten. Andere brutale Praktiken waren Verbrennen mit Zigaretten, das Abschneiden von Fingern und Ohren und das Durchtränken von Opfern mit Petroleum, um sie dann anzuzünden.

Diese Vorgehensweise brutalisierte eher die Vernehmer, als dass sie zur „Austreibung“ von „Mau Mau“ führte. Einige begannen die Folgen ihrer Handlungen zu begreifen, wie z.B. dieser kenianische Polizeioffizier, der mehrere Monate lang ein „Screening“ -Team geleitet hatte:

Zunächst waren sie für mich keine Menschen; sie waren schwarze Tiere, die Frauen und Kindern unmenschliche Dinge angetan hatten. Ich würde ihnen das Mau Mau-Gift aus dem Leib prügeln. Am Ende des Tages waren meine Hände geschwollen und die Arme schmerzten vom Zusammenschlagen der schwarzen Bastarde. Ich hasste sie und wollte sie manchmal töten. Ein paarmal tat ich es oder wir taten es alle zusammen. Ich arbeitete nie alleine, wir waren immer mehrere, die sich auf einen Gefangenen stürzten. Ich überprüfte diese Bastarde vier oder fast fünf Monate lang und erhielt nur eine Handvoll Geständnisse. Eine Zeitlang hatte ich zu viel getrunken, bevor es in Manyani geschah. Am nächsten Morgen erkannte ich, dass sie gewonnen hatten. Ich hasste mich für das, was ich tat, mehr als ich sie hasste. Schließlich musste ich zugeben, dass es sich um tapfere Menschen handelte, die mehr an das glaubten, was sie taten, als ich. Ich kündigte und verließ Kenia so schnell ich konnte. 23)

Gefangene, die zusammenbrachen und gestanden, mussten häufig feststellen, dass ein einfaches Geständnis nicht ausreichte. In Szenen, die an Hexenprozesse aus dem 16. und 17. Jahrhundert erinnerten, ging die Misshandlung der Afrikaner weiter, bis sie reißerische Berichte über das Ablegen des Schwurs lieferten, die zu den Stereotypen in den Köpfen ihrer Häscher passten. Diese Geständnisse über „bestialische Schwur-Rituale“ wurden dann in der Propaganda gegen die „Mau Mau“-Bewegung benutzt:

Material über die Schwüre in der „Mau Mau“-Bewegung lieferten ein Gegengift zu der Kritik, diese Bewegung entspringe tatsächlichen politischen und sozialen Misständen und dass die britische Repression des „Terrorismus“ die falsche Antwort sei. Zum Beispiel hatte die britische Kolonialverwaltung die Idee, in Indien reißerische Details über die Schwüre zu verbreiten, da dies das geeignetste Mittel sei, der „falschen Wahrnehmung“ in diesem Land zu begegnen: So schrieb H.T. Bourdillon:

„Ich halte dies für die passende Gelegenheit, der Annahme in Indien entgegenzutreten, die Mau Mau-Bewegung sei eine populäre und letztlich progressive Befreiungsbewegung, der man seitens der Regierung Ihrer Majestät Konzessionen machten müsse. So kann man der indischen Regierung die berüchtigten Schwüre und Zeremonien der Mau Mau zur Kenntnis bringen, deren Details sie bereits vom Hochkommissar des Vereinigten Königreichs erhielten oder gleichzeitig erhalten werden.“ 24)

Die Informationen für britische Soldaten, die neu nach Kenia kamen, enthielten auch Details der Schwurrituale von „Mau Mau“. Einige Gefangene wurden gezwungen, zu ihrer „Rehabilitierung“ Gegenschwüre abzulegen. Diese Eide wurden vor „respektablen“ Afrikanern geleistet, die von Weißen spöttisch „Hexenmeister Ihrer Majestät“ genannt wurden.

22) Mau Mau: An African Crucible, Robert B. Edgerton, The Free Press, Collier Macmillan London 1989

23) Ebenda, Mau Mau: An African Crucible, Robert B. Edgerton

24) Winning Hearts and Minds, Susan L. Carruthers, Leicester University Press 1955

Oliver's Armee - Kapitel 6 Bild 9

Bildunterschrift: Britische Soldaten nehmen im kenianischen Dschungel einen „Mau Mau-Verdächtigen“ fest

Internierung und Exekutionen

Manchmal mussten sich britische Soldaten zum Schießen bereit am Rande vom Dschungel aufstellen, während sich loyalistische afrikanische „Treiber“ ihren Weg zu ihnen durch das Gestrüpp bahnten. „Mau Mau“, die vor den „Treibern“ flohen, wurden von den wartenden Soldaten niedergeschossen. Die Offiziere nannten dies „Moorhuhnjagd“. Viele der Repressionsmaßnahmen erinnerten an Irland 1798 zur Zeit der United Irishmen. Wie in Irland wurden auch in Kenia mobile Galgen eingesetzt, um „Rebellen“ schnell hinrichten zu können. Sogar im Tod noch verweigerte man den Afrikanern die Menschenwürde:

Der weiße Hass endete nicht, wenn Mau Mau-Rebellen im Kampf gegen Sicherheitskräfte getötet wurden. Üblicherweise wurden die Toten mit äußerster Verachtung behandelt. Wenn Mau Mau-Mitglieder in den Reservaten getötet wurden, stellte man ihre Leichen aneinandergereiht öffentlich aus. Manchmal fotografierte man sie und ihre toten Augen starrten in die Kamera. Oft wurden die Toten danach getreten, man spuckte und urinierte auf sie und verstümmelte ihre Körper. Wenn ein bekannter Mau Mau-Offizier getötet wurde, stellte man ihn tagelang öffentlich aus. Weiße kenianische Offiziere der Polizeireserve brachten den Leichnam von General Nyoro zurück ins Reservat und ließen die Einwohner ihn sehen. Um kein Zweifel daran zu lassen, dass sein Tod eine Schmach war, ließen sie den Körper 48 Stunden lang liegen, während er in der Hitze anschwoll und Hunde daran nagten. Manchmal zeigte man schwer verwundete Mau Mau einer Menge von Kikuyu, die gezwungen wurden, die leidenden Rebellen anzusehen. Nachdem General Kogo 1954 in einer der längsten Schlachten der Konflikts verwundet und gefangen genommen worden war, brachte man ihn ins Reservat, wo er auf einem Scheiterhaufen mit Benzin übergossen und verbrannt wurde, während entsetzte Kikuyu-Bauern Zuschauen mussten. 25)

Während Parlamentsmitglieder in London darüber debattierten, die Todesstrafe in Britannien abzuschaffen, verurteilten Gerichte ohne Geschworene Tausende von Afrikanern zum Tod durch Erhängen. „Die Abnahme oder das Ablegen von Schwüren der Mau Mau-Bewegung wurde zum Verbrechen, das mit Erhängen bestraft wurde, wie auch der Besitz von Waffen und Munition, und sogar der Umgang mit Leuten, der möglicherweise zu Vergehen gegen die öffentliche Ordnung führen konnte.“  26) In gerade etwas mehr als zwei Jahren, zwischen Oktober 1952 und Ende 1954, wurden 896 Gefangene hingerichtet. Viele wurden in Massenprozessen mit bis zu 50 Angeklagten verurteilt, oft nach unter Folter abgelegten Geständnissen. In anderen Fällen hatte man Verdächtigen Munition untergeschoben, um ihre Verurteilung sicherzustellen.

Im April 1954 startete die britische Armee eine große Razzia und Verhaftungsaktion. Die Hauptstadt Nairobi war voller Truppen und Polizei und fast die gesamte schwarze Bevölkerung wurde eingekesselt und überprüft („screened“). Viele wurden aus der Stadt in die neuen „Reservate“ und „geschützten Dörfer“ verbracht, aber über 15.000 Menschen wurden ohne Gerichtsprozess interniert. Jeder, bei dem man einen Gewerkschaftsausweis fand, wurde interniert oder deportiert. Der Prozess des „Screening“ wurde in allen Unruheregionen durchgeführt, bis über 80.000 Afrikaner in Lagern interniert waren.

Manche Lager waren besser als andere, aber das Leben der meisten Internierten war hart und brutal. Gewöhnlich warteten Wachen auf die ankommenden Gefangenen: „Mit nur wenigen Ausnahmen mussten die Menschen, wenn ein neuer Gefangenentransport ankam, Spießruten laufen, wobei afrikanische Wächter – immer unter dem Kommando von Weißen – sie peitschten und mit Gewehrkolben und Knüppeln schlugen, bis sie innerhalb des Stacheldrahtzauns waren.“ Die Essensmenge reichte nicht ganz zum Verhungern, aber Gefangene mussten lange Stunden unter brennender Sonne arbeiten. Man erwartete von ihnen auch, dass sie sich gegenüber den weißen Herren unterwürfig verhielten: „Nicht nur, dass man sie zwang zwölf Stunden am Tag zu arbeiten, man verlangte von ihnen auch eine untertänige Haltung. Es reichte nicht, weiße Männer mit „Bwana“ („Sir“) anzusprechen; man musste sie „Effendi“ nennen, ein türkisches Wort für Vorgesetzte, das in einigen Polizeieinheiten und KAR-Bataillonen benutzt wurde.“ 27)

25) Mau Mau: An African Crucible, Robert B. Edgerton, The Free Press, Collier Macmillan London 1989

26) Guardian, 1. Dezember 1999, Artikel von Stephen Cook

27) Mau Mau: An African Crucible, Robert B. Edgerton, The Free Press, Collier Macmillan London 1989

Oliver's Armee - Kapitel 6 Bild 10

Bildunterschrift: Ein Massenprozess gegen Afrikaner – sie wurden oft in Gruppen von bis zu 50 Leuten verurteilt und häufig später hingerichtet

Gefangene Frauen

Afrikanische Frauen, die in Haushalten unter dem Existenzminimum lebten, hatten in Kenia eine schwere Last zu tragen und viele schlossen sich dem Untergrundkampf gegen das Kolonialsystem an oder unterstützten ihn zumindest. In der Land and Freedom Army gab es Frauen, die in den Wäldern lebten und kämpften. Noch viel mehr Frauen halfen, das Untergrundnetzwerk zu betreiben und aufrecht zu erhalten, indem sie die Kämpfer belieferten, wie sich diese Frau später erinnerte:

Wir mussten Munition von einem Dorf zum nächsten transportieren, bis sie die Guerillas im Wald erreichte. Wir benutzten schlaue Methoden: Wir legten sie in einen Kiondo (traditioneller Korb) und bedeckten sie mit Mehl. Sollten wir zufällig dem Feind begegnen – der Miliz –, würden wir vorgeben, von der Maismühle zu kommen und wären so kaum verdächtig; wie Sie wissen, war die Miliz dumm und doof. Tatsächlich hatten wir vor den Verrätern bei der Miliz und ihren britischen Herren keine Angst; wir wussten, dass wir zu clever für sie waren, obwohl sie böse waren und unsere revolutionäre Arbeit erschweren konnten; außerdem waren wir überzeugt, dass wir schließlich triumphieren würden, trotz ihrer Rücksichtslosigkeit und Brutalität…… 28)

Frauen, die im Verdacht standen, am Kampf teilzunehmen, wurden von den Männer in den Sicherheitskräften oft sexuell angegriffen: „Frauen waren besonders verletzlich und viele beklagten sich über sexuellen Missbrauch und Vergewaltigungen durch die Loyalisten in der Miliz….“ Ein früherer Bezirkskommissar, der Zeuge vieler Polizeiverhöre war, beschrieb, wie Flaschen benutzt wurden, um weibliche Verdächtige zu vergewaltigen. „Einige der jungen Polizisten hielten dies für einen Spaß“, sagte er. 29) Kikuyu-Frauen beschuldigten auch britische Soldaten der Vergewaltigung. 30)

Eine Frau aus der militanten Bewegung erinnerte sich an die Misshandlungen, die sie beobachtet hatte: „Die Grausamkeiten und Gräuel, die sie uns antaten, werden nie vergessen werden – sie schlugen uns, vergewaltigten unsere Töchter vor den Augen der Eltern, steckten Flaschen in unsere Vagina und kastrierten Männer – sie fügten uns unsägliches Leid zu. Außerdem töteten sie aberhunderte unserer Landsleute.“ 31) Mehr als 30.000 Frauen wurden in Gefangenenlagern interniert, wovon fast 8.000 für lange Zeit eingesperrt blieben, meistens in einem Speziallager in der Nähe Nairobis. Manche waren jung, noch Teenager, aber sie wurden nicht besser behandelt – oft sogar schlechter – als Männer:

Von Frauen wurde verlangt, dass sie ebenso schwere Zwangsarbeit verrichteten wie die Männer. Sie mussten Straßen bauen sowie Baumstümpfe und Steinbrocken entfernen, wobei sie die ganze Zeit von Männern bewacht und manchmal auch gepeitscht wurden. Von Zeit zu Zeit wurde jemand von den Wachen ausgesucht und vergewaltigt, so wurden Geschlechtskrankheiten unter den Internierten zur Epidemie. Wenn Frauen in der Haft niederkamen, erhielten sie selten medizinische Hilfe. Dass es überhaupt zu Geburten kam, ist erstaunlich, da die meisten Frauen durch die schlechte Ernährung mit Wasser und Bohnen unternährt waren und an Pellagra litten….. Die Frauen wurden auch geschlagen, getreten, gepeitscht und auf sadistische Weise gezwungen, mit bloßem Gesäß auf Maschendraht zu sitzen, der vorher bis zur Rotglut erhitzt worden waren. 32)

Manche der gefangenen Frauen starben bei der Geburt ihres Kindes. Viele andere Gefangene, Männer wie Frauen, starben nach Schlägen oder durch Krankheiten, die Folge von Misshandlungen waren.

28) Kenya’s Freedom Struggle – The Dedan Kimathi Papers, Maina wa Kinyatti, Zed Books Ltd 1987

29) Daily Mail, 11. Dezember 1999, Artikel von David Anderson, der Vorsitzender des Centre of African Studies an der Universität London ist

30) Mau Mau: An African Crucible, Robert B. Edgerton. The Free Press, Collier Macmillan London 1989

31) Kenya’s Freiheitskampf – The Dedan Kimathi Papers, Maina wa Kinyatti, Zed Books Ltd. 1987

32) Mau Mau: An African Crucible, Robert B. Edgerton. The Free Press, Collier Macmillan London 1989

Oliver's Armee - Kapitel 6 Bild 11

Bildunterschrift: Eine Frau wird von der kenianischen Polizei verhaftet. Weibliche afrikanische "Verdächtige" in Haft waren oft Opfer sexueller Übergriffe

Das Massaker von Hola

Zwangsläufig kamen Berichte über brutale Vorkommnisse in den Lagern an die Öffentlichkeit, aber erst am Ende des Konfliktes erregte ein Vorfall in Britannien Besorgnis. Am Dienstag, den 3. März 1959, mussten 85 afrikanische Gefangene in der Küstenprovinz von Kenia aus dem Internierungslager Hola marschieren. Die Gefangenen gehörten zum „harten Kern“ der Land and Freedom Army und betrachteten sich selbst als politische Gefangene. Sie waren zwar bereit, gewisse Pflichten innerhalb des Lagers zu übernehmen, wie z.B. das Sammeln von Brennholz, weigerten sich aber, für die britische Kolonialverwaltung zu arbeiten.

Bald darauf wurden elf Gefangene erschlagen und 60 schwer verletzt, als Gefangenenwärter versuchten, sie mit Knüppeln zur Arbeit zu zwingen. Die Wärter wollten den „Cowan-Plan“ umsetzen, der Zwangsarbeit als Teil des „Rehabilitationsprozesses“ für Gefangene befürwortete. Am Tag nach den Morden gab Nelson Lindsay, der Presseoffizier der kenianischen Regierung, folgende Mitteilung heraus:

Es wird eine Untersuchung über den Tod von zehn Mau Mau-Gefangenen geben, die gestern (3. März) im Lager Hola am Fluss Tana in der Küstenprovinz von Kenia starben. Die Männer gehörten zu einer Gruppe von 100 Leuten, die an den Gräben für den Hola-Bewässerungsplan arbeiteten. Die Gefangenen starben nach dem Genuss von Wasser, das von allen Mitgliedern der Arbeitsgruppe und auch von den Wachen getrunken wurde.

Zwei der Männer brachen zusammen und starben noch auf der Baustelle. Der verantwortliche europäische Offizier beendete sofort alle Arbeiten und ließ die Gefangenen ins Lager zurückkehren. Alle, die Krankheitsanzeichen zeigten, wurden dabei auf einem Lastwagen transportiert. Weitere acht Gefangene starben entweder auf dem Lastwagen auf dem Weg zum Hospital oder kurz nach der Ankunft dort. 33)

Diese Lügen wurden aufgedeckt und die Wahrheit kam heraus. Einige Labour-Abgeordnete, darunter auch Barbara Castle, griffen die Tory-Regierung wegen des Vertuschungsversuchs an. Nur einen Monat zuvor hatte Labour eine umfassende Untersuchung in allen kenianischen Gefangenenlagern verlangt. Castle hatte Kenia 1955 besucht und war zum Schluss gekommen, dass sich die Behörden in der Behandlung von Afrikanern oft wie „Nazis“ benähmen.

Die Tory-Regierung versuchte weiterhin, die Morde zu entschuldigen. Der Kolonialminister, Alan Lennox-Boyd, rechtfertigte den Cowan-Plan gegenüber dem Parlament: „Die Erfahrung hat immer wieder gezeigt, dass die Rehabilitation von Gefangenen des harten Kerns unmöglich ist, wenn man sie nicht dazu bringt zu arbeiten. Sobald sie mit der Arbeit angefangen haben, kommt es zu einem psychologischen Durchbruch und man kann erstaunliche Resultate erzielen.“ Sydney Silverman unterbrach ihn mit der Frage: ‚Von wem hat das ehrenwerte Parlamentsmitglied das? Stalin?‘ “ 34)

Der Abgeordnete der Tories John Peel tat den Tod der Gefangenen als ein Risiko ab, das man halt im Umgang mit verzweifelten und untermenschlichen Individuen eingehe, die Mau Mau-Eide abgelegt hätten. Lady Higgins, Vizevorsitzende des Conservative Commonwealth Council, sagte vor Studenten an der Universität von Nottingham: „Es wird zu viel Theater um den Tod von Mau Mau-Gefangenen im Lager Hola gemacht. Mit Sicherheit wurden diese Männer totgeschlagen, aber sie gehörten im Grunde selbst zur übelsten Sorte von Kriminellen, deren Rückkehr in ihre Heimatorte man nicht akzeptiert hätte.“ 35)

Mr. J.B.T. Cowan, amtierender Assistant Commissioner für kenianische Gefängnisse und der Autor des Cowan-Plans, wurde in der Geburtstagsliste der Königin zum M.B.E. (fünfte Stufe des britischen Ritterordens - Order of the British Empire, d. Ü.) ernannt. Dann änderte man den Namen des Lagers, das fortan Galole hieß, um die Ereignisse in Hola vergessen zu machen.

33) Gangrene, John Calder Ltd. 1959

34) The Guineapigs, John McGuffin, A Penguin Special 1974

35) Ebenda, The Guineapigs, John McGuffin

Oliver's Armee - Kapitel 6 Bild 12

Bildunterschrift: Eine Karikatur von Vicky in New Statesman & Nation, nachdem John Black Cowan seinen Orden erhalten hatte

Stimmen des Mitgefühls

Mancher in Kenia hinterfragte die Gefangenenmisshandlungen in den Lagern. Aber Stimmen des Mitgefühls wurden von den Behörden nicht ermutigt, sondern ebenfalls oft hart bekämpft: „Als die leitende Krankenschwester im medizinischen Dienst Kenias die Bedingungen im Lager MacKinnon Road kritisierte, ließ der wütenden Lagerkommandant sie einsperren.“ 36)

Hin und wieder beschwerten sich Ärzte darüber, dass sie nach der Ermordung von Gefangenen falsche Totenscheine ausstellen mussten. Normalerweise konnte man sie durch Schmeicheleien oder Drohungen trotzdem dazu kriegen zu unterschreiben, wobei dann Krankheiten als Todesursache angegeben wurden. Bis zum Juni 1954 wurden allein 402 Gefangene registriert, die an Tuberkulose und Malaria gestorben waren (die Lebensbedingungen in den Lagern waren so schlecht, dass Gefangene tatsächlich häufig an diesen Krankheiten starben).

Duncan MacPherson, stellvertretender für die Kriminalpolizei verantwortliche Polizeipräsident, führte in einem Brief an den Polizeipräsidenten 16 typische Fälle von Mord, Schlägen, Folter und Vergewaltigung durch die Miliz (Home Guard) und des „Screening“-Personals auf. Er sagte, dass viele dieser Vorfälle sich mit Kenntnis und unter Mittäterschaft von Regierungsbeamten ereignet hatten und dass seine Versuche, sie zu untersuchen und zu verfolgen oft behindert wurden.

MacPherson hatte persönliche Erfahrungen mit Gefangenenlagern gemacht, da er lange Zeit von den Japanern interniert gewesen war. Am Ende gab er sein Amt bei der kenianischen Polizei angewidert auf legte seine Ansichten über Gefangene und Lager dar: „Hunderte dieser Männer und Frauen wurden je nach Lust und Laune von Beamten ohne jegliche Befugnis einfach registriert und eingesperrt….alles schien gut, vorausgesetzt eine Quote von 10 % war erreicht. …. Ich würde sagen, dass die Bedingungen, die ich in einigen Lagern in Kenia vorgefunden habe, schlimmer, viel schlimmer waren als alles, was ich in meinen viereinhalb Jahren als Gefangener der Japaner erleben musste [Hervorhebung der Verf.].“ 37)

36) Mau Mau: An African Crucible, Robert B. Edgerton, The Free Press, Collier Macmillan London 1989

37) Gangrene, John Calder Ltd. 1959

Oliver's Armee - Kapitel 6 Bild 13

Bildunterschrift: Afrikanische Gefangene hinter Stacheldraht in einem Internierungslager – sie waren oft Folter und brutaler Behandlung durch ihre Peiniger ausgesetzt

Neokolonialismus

Unter den dauernden Attacken und getrennt von Unterstützern mit Hilfe von „geschützten Dörfern“, durch Einsatz von Miliz, Armee und Polizei, spaltete sich die Land and Freedom Army in zunehmend isolierte Gruppen. Die Moral der Bewegung schwand und sie wurde von internen Disputen und Fraktionsstreitereien zerrissen Gegen Ende des Jahres 1956 wurde der wichtigste Führer der Land and Freedom Army, Dedan Kimathi, gefasst und kurz darauf exekutiert. Zu dieser Zeit war der Krieg gegen „Mau Mau“ fast vorbei, die Bewegung zerschlagen – vor allem durch die heftigen Bombardements der RAF.

Später meinte ein Polizeioffizier, der in einem der „Screening“-Teams gearbeitet hatte: „Die Mickeys waren harte Männer und nur harte Methoden konnten gegen sie etwas bewirken. Der Krieg sollte die weiße Zivilisation in Kenia retten und in einem Krieg werden Menschen getötet.“ 38) Sobald die „Rettung der weißen Zivilisation“ vollbracht war, änderte die britische Regierung in Kenia ihre Politik. Konservative Politiker wie Harold Macmillan sprachen von einem neuen Wind in Afrika – was bedeutete, dass Länder wie Kenia unabhängig wurden. Obwohl geschlagen, hatte der Kampf der Land and Freedom Army gezeigt, dass die Unruhen zweifellos weitergehen würden, falls Britannien die direkte Kontrolle in Kenia behielt.

Am Ende des „Notstands“ in Kenia wurde Jomo Kenyatta nach sieben Jahren Haft freigelassen. Obwohl er ein moderater Nationalist war, hatten die britischen Medien ihn „Terrorist“ genannt und ihn als „afrikanischer Führer zu Dunkelheit und Tod“ verteufelt. Bei seiner Freilassung war er dazu ausersehen, der Führer eines „unabhängigen“ Kenia zu werden. Bei späteren Besuchen in London begegnete Kenyatta dem britischen Premierminister in 10 Downing Street und dinierte mit Königin Elisabeth in Buckingham.

Die weißen Siedler waren zunächst außer sich, beruhigten sich dann aber bald, als sie feststellten, dass die schwarze Regierung, welche die Briten zu installieren beabsichtigten, ihren und den britischen Interessen gegenüber freundlich gesinnt sein würde. Nachdem Kenyattas Regierung eine Zeitlang an der Macht gewesen war, äußerte ein früherer weißer Kritiker gegenüber einem Besucher: „Ich weiß nicht, was wir ohne ihn machen würden. Und wenn ich daran denke, dass wir vor nur 18 Monaten darüber nachdachten, wie wir den Bastard erschießen könnten .“ 39)

Fast die gesamten afrikanischen Abteilungen der Sicherheitskräfte behielten nach der kenianischen Unabhängigkeit ihre Stellen und britische Soldaten waren bis 1965 im Land. Die kenianische Regierung unter Kenyatta erwies sich als eine der repressivsten und korruptesten in Afrika. Sie und nachfolgende Regierungen hielten ihr eigenes Volk unten, während sie für westliche ökonomische Interessen und eine kenianische neokoloniale Elite arbeiteten:

…. Koloniale Methoden wurden zu neokolonialen. Britische Sicherheits- und Notstandsgesetze wurden zu Gesetzen zur Wahrung der öffentlichen Ordnung in Kenia; Unschuld muss bewiesen werden, nicht Schuld; Meinungen und Absichten können kriminell sein. Kenyatta hat seine früheren Kameraden inhaftieren und töten lassen. Lukrative Direktorenposten, wenn auch ohne Machtbefugnisse, und Firmenanteile wurden unter der kenianischen Oberschicht verteilt, um zu garantieren, dass ausländische Interessen völlig ungehindert nachgegangen werden kann und die Versorgung mit billigen Arbeitskräften klappt. Das übliche neokoloniale Muster der Kollaboration ist etabliert worden. 40)

In Nyeri, der „Hauptstadt von Kikuyuland“, wurde die Hauptstraße in Kimathi Way umbenannt und ein Mahnmal trägt die Widmung: „Zum Gedenken an die Mitglieder des Stammes der Kikuyu, die im Kampf um die Freiheit 1951-1957 starben.“ Aber im neuen „unabhängigen“ Kenia wurde der Geist des Freiheitskampfes begraben und diejenigen, die die Erinnerung daran aufrecht erhalten wollten, unterdrückt. Historiker und Schriftsteller wie Maina wa Kinyatti und Ngugi wa Thiongo wurden eingesperrt oder ins Exil getrieben.

Der ehemalige Häftling Josiah M. Kariuki war Parlamentsabgeordneter und arbeitete als Privatsekretär für Kenyatta. Nach einiger Zeit war er desillusioniert, da eine neue Elite reich wurde und die Armen ständig ärmer. Nachdem er 1975 dies öffentlich gesagt hatte, wurde er von zwei Polizeioffizieren außerhalb des Hilton Hotels in Nairobi entführt und kurz darauf ermordet. Vor seinem Tod hatte Kariuki prophetisch davor gewarnt, dass Kenia zu einem Land von „zehn Millionären und zehn Millionen Bettlern“ würde.

38) Mau Mau: An African Crucible, Robert B. Edgerton, The Free Press, Collier Macmillan London 1989

39) The British Empire, Volume 6, Ferndale Editions, London 1981

40) The Politics of Cruelty, Kate Millett, Viking 1994

Oliver's Armee - Kapitel 6 Bild 14

Bildunterschrift: The Herzog von Edinburgh (links) neben Jomo Kenyatta, als Kenya 1963 „unabhängig“ wird

Tödlicher Dialog

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs waren viele westliche Länder in Kolonialkriege verwickelt. Frankreich wurde aus Vietnam, später aus Algerien vertrieben, Holland aus Indonesien, Portugal aus Mosambik und Angola und die USA aus Vietnam. Eines der Hauptkennzeichen dieser Kriege war die große Überlegenheit der imperialen Kräfte, was die militärischen Möglichkeiten betraf, Waffen, Technologie, Anzahl der Soldaten usw. Trotz dieser Überlegenheit erlitten die westlichen Armeen zahlreiche demütigende Niederlagen. Robert Taber fasst in seinem Buch The War of the Flea die Charakteristika dieser Konflikte zusammen:

Bomben und Gewehrkugeln sind die physischen Waffen der ländlichen Guerilla und entsprechend auch des städtischen Terroristen, aber das eigentliche Werkzeug von beiden ist Politik. Divisionen können zerstört werden, wie in Vietnam, aber das ist nicht das tatsächliche Ziel, Städte können wie auf Zypern mit Terror überzogen werden, aber auch darum geht es nicht. Der Zweck des Krieges für nationale Befreiung, dieses Ausspielens der schwachen Ressourcen einer kleinen Nation mit primitiven Mitteln gegen die Stärke einer großen Industriemacht ist nicht die Eroberung oder der Terror, sondern es geht darum, für die Besatzungsmacht bzw. ihre Statthalter eine intolerabele Situation zu schaffen……

Zum Schluss gibt die repressive Macht nach, nicht weil ihre Armeen geschlagen wurden (obwohl dies auch passieren kann…..), sondern weil der Satellit, die rebellische Kolonie, durch Terrorismus bzw. Guerillakrieg erstens zu einer politischen Peinlichkeit wurde und entweder innenpolitisch oder in der Weltpolitik nicht mehr tragbar ist oder zweitens unprofitabel, zu teuer und nicht mehr prestigeträchtig ist. 41)

In seinem Buch On Revolt beschrieb J. Bowyer Bell die Art und Weise, in der britische Regierungen auf Unruhen in verschiedenen Kolonien reagierten: „Indem sie den imperialen Dialog fortsetzten, redeten die Briten oft ohne zuzuhören, betrachteten Ereignisse, ohne etwas zu sehen. Mit den Jahren gingen potentielle Rebellen zu einem tödlicheren Dialog über. Gewaltlosigkeit der Massen, Politik der Konfrontation und direkte Aktionen, zuerst in Asien, dann in Afrika, überraschten die Briten nicht nur, sondern ließen sie auch aufmerksam werden.“ 42) Bell beschrieb auch die britische Reaktion, wenn aus Unruhe Revolte wurde:

Der Überraschung über den tödlichen Dialog folgte der Schock darüber, dass Rebellen sich gewaltsamer Mittel bedienten, wo doch so viele andere Möglichkeiten der Einigung existierten, wo Beschwerden nicht legitim waren, wo die Masse der anständigen Leute die Rebellen ablehnten. Ausnahmslos lautete die erste Analyse vor Ort und dann in London, dass es sich bei der Revolte um das Werk einer winzigen unzufriedenen Minderheit handele, die nur durch Zwang, Einschüchterung oder Gewalt Unterstützer rekrutieren könne……

Die Briten mussten allerdings mehr repräsentieren als gerade mal gegen Sünde zu sein. Die frühere einfache Legitimation der Macht ist unzureichend, sobald der alte Dialog abgebrochen ist und die Gewalt begonnen hat. Hinter den Bannern des Imperialismus und dem Vorrang britischer Interessen zu stehen, war keine ausreichende Position. So traten die Briten für Ordnung, Anstand, Fair Play, verantwortungsbewusste Regierungsführung, Zivilisation, Recht und Gerechtigkeit und, falls es passte, auch für den christlichen Glauben ein.  43)

Die britische Antwort auf Unruhen in den Kolonien sollte auch kritische Stimmen bekämpfen, wie Bell schreibt: „Die politischen Taktiken der Briten……, auch mitten in der offenen Revolte, waren sehr unterschiedlich und konnten recht flexibel sein. Grundsätzlich ging es darum, die Rebellen zu isolieren und, falls möglich, zu ignorieren. Dies bedeutete, internationale Untersuchungen außen vor zu halten, Resolutionen der Vereinten Nationen zu ignorieren und ………“ 44)

Der hauptsächliche Plan Britanniens in den Kolonialkriegen war fast genau der gleiche wie der gegen die United Irishmen 1798. Es ging darum, die Militanten zu vorzeitigen Kämpfen zu verleiten, in denen sie dann mit überlegenen militärischen Mitteln vernichtet werden konnten – verbunden mit der Strategie des Teile und Herrsche, repressiven Gesetzen, Internierung, Folter usw. Danach versuchte Britannien, „moderate“ Führer zu fördern, die sich der pro-kolonialen Linie anpassen und britische Interessen schützen würden.

41) The War of the Flea, Robert Taber, Paladin 1970

42) On Revolt – Strategies of National Liberation, J. Bowyer Bell, Harvard University Press 1976

43) Ebenda, On Revolt – Strategies of National Liberation, J. Bowyer Bell

44) Ebenda, On Revolt – Strategies of National Liberation, J. Bowyer Bell

Oliver's Armee - Kapitel 6 Bild 15

Bildunterschrift: Von bewaffneten Wächtern festgehaltene Afrikaner bei der großen Razzia in Nairobi – die meisten wurden entweder interniert oder in neue „Reservate“ und „geschützte Dörfer“ deportiert

Ein pathologischer Krieg

Am Ende des Zweiten Weltkriegs war der britische Kapitalismus beinahe bankrott und bei der neuen Führungsmacht des westlichen Imperialismus, den USA, schwer verschuldet. Die herrschende Klasse Britanniens widersetzte sich dem Druck, das Empire für US-Interessen zu öffnen und beschloss stattdessen die koloniale Ausbeutung deutlich zu erhöhen. Während dies half, den britischen Kapitalismus zu retten und die Arbeiter in Britannien vor den ärgsten Krisenauswirkungen zu schützen, wurde dadurch die Ausbeutung der einheimischen Völker in den Kolonien dramatisch verschlimmert. Jeder Widerstand wurde rücksichtslos niedergeschlagen, vor allem wenn es sich um den Widerstand von Gewerkschaftern handelte bzw. wenn er mit Bewegungen zur nationalen Befreiung verbunden war.

Seit 1945 waren Regierungen sowohl der Konservativen als auch von Labour im Amt und bestimmten die britische Politik während der zahlreichen Kolonialkonflikte. Die Konservativen tendierten offener zu kriegerischem Vorgehen, in der Praxis waren die Unterschiede aber eher gering. Während ein paar Labour-Abgeordnete auf ehrenwerte Weise gegen die ungerechte Behandlung und die von den britischen Streitkräften angewandten Praktiken in diesen Kriegen opponierten, wurden sowohl in Malaysia als auch in Kenia unter Labour-Regierungen die Gewerkschaften unterdrückt. Einige Bürokraten aus der britischen Arbeiterbewegung halfen dann auch bei der Gründung „moderater“ Gewerkschaften, die gewillt waren, mit den Kolonialbehörden einvernehmliche Lösungen zu finden.

Am Ende des „Notstandes“ bezifferte der offizielle Bericht der britischen Regierung die Kosten des Krieges auf 55.000.000 £. 45) Die Verluste der „Terroristen“ wurden mit 11.503 Toten und 1.035 Verwundeten angegeben. Wenn auch einige der Verwundeten eventuell entkamen und andere sich in den Dschungel schleppten und dort starben, zeigen diese Zahlen einen sehr hohen Anteil von Getöteten gegenüber Verwundeten. Dies ist auf den rassistischen Abscheu zurückzuführen, der die „Mau Mau“ in den Augen der Weißen zu Untermenschen degradierte – und in der Folge zur Haltung des „shoot to kill“ bei Sicherheitskräften und Siedlern führte.

Kenianische Quellen gaben viel höhere Zahlen für die gegen den Kolonialismus kämpfenden Afrikaner an, die während des Konflikts getötet wurden, man rechnete mit wahrscheinlich 50.000. Und wenn man hier die Zahl der Einheimischen hinzuaddiert, die an Hunger, Krankheit und durch Deportationen und Misshandlungen traumatisiert starben, könnte man wohl auf eine Zahl von 100.000 kommen. Andererseits hatte die Land and Freedom Army 1.819 loyalistische Afrikaner getötet und 916 verwundet. 1.582 Mitglieder der Sicherheitskräfte waren verwundet worden und 167 getötet, darunter 63 Weiße. Die vielleicht größte Überraschung war die Zahl der getöteten weißen Zivilisten:

Viele Leute hatte man in Britannien durch Sensationsberichterstattung glauben gemacht, die Rebellen hätten tausende von weißen Kenianern getötet. Aber während der gesamten Dauer des „Notstands“ starben insgesamt nur 32 weiße Zivilisten durch die Hand von Rebellen. In dieser Zeit kamen mehr weiße Kenianer in Verkehrsunfällen allein in Nairobi ums Leben, als von den Rebellen getötet wurden. 46)

Politiker und Historiker des Establishments haben behauptet, dass der britische Abzug aus den Kolonien relativ unblutig vonstatten gegangen sei. Diese Fiktion eines gütigen Westminster, das nach und nach seinen dankbaren Kolonien die Unabhängigkeit gewährte, konnte nur mit Hilfe der Propaganda aufrecht erhalten werden, die diese Konflikte begleitete. In Kenia betrug die Anzahl toter Weißer, sowohl von Zivilisten als auch von Militärs, weniger als hundert. Darauf wäre man bei der Lektüre der britischen Zeitungen damals nie gekommen: „Britische Boulevardzeitungen schrieben ausnahmslos von ‚unschuldigen‘, ‚hilflosen‘ oder ‚heroischen‘ Weißen, die von ‚fanatischen‘, ‚bestialischen‘, ‚teuflischen‘, ‚wilden‘, ‚barbarischen‘, ‚degenerierten‘ oder ‚mitleidlosen‘ Mau Mau-Gangstern bzw. -Terroristen hingeschlachtet wurden. Während die kenianische Regierungspresse die Welt mit Nachrichten über angebliche Gräueltaten der Mau Mau bombardierte, versäumte sie es mitzuteilen, was ihre eigenen Truppen taten…“ 47)

Heute gibt es im Imperial War Museum in London eine Ausstellung erbeuteter Waffen der „Mau Mau“. Es handelt sich vor allem um selbstgemachte, aus Holzstücken und Metallteilen zusammengebastelte Schusswaffen, häufig mit einfachen Nägeln als Zündstiften. Ausgestattet mit solch armseligen Waffen nahm es eine unerschrockene Armee von Bauern mit dem mächtigen britischen Empire auf, in einer, wie es die prokoloniale Schriftstellerin Margery Perham beschrieb, "pathologischen Atmosphäre". Jedoch lag das eigentliche "Herz der Finsternis" nicht in irgendeiner "afrikanischen Wildheit", sondern im Rassismus im Kopf der Weißen, wo er sich mit der Fremdenfeindlichkeit von Siedlern verband (und dadurch noch gesteigert wurde). So entstand eine antiafrikanische Tyrannei, in welcher der Krieg stattfand. Ohne Hilfe – und sie hatten keine – war die Niederlage der Land and Freedom Army unausweichlich. Die britische Kolonialverwaltung ging jedoch viel weiter – sie verteufelte und zerstörte die Bewegung mit einer Politik der Folter, der Internierung und mit Massenmord, begangen an der einheimischen Bevölkerung Kenias.

45) Historical Survey of the Origins and Growth of Mau Mau, F.D. Corfield, Her Majesty’s Stationery Office, London 1960

46) Mau Mau: An African Crucible, Robert B. Edgerton, The Free Press, Collier Macmillan London 1989

47) Ebenda, Mau Mau: An African Crucible, Robert B. Edgerton

Oliver's Armee - Kapitel 6 Bild 16

Bildunterschrift: Der Land and Freedom Army-Führer Dedan Kimathi wurde 1956 verwundet und verhaftet. Er wurde vor Gericht gestellt und kurz darauf gehängt. Mit diesen selbstgebauten Waffen (oben rechts) nahm ein furchtloses Bauernheer es mit der Macht des britischen Empires auf

Übersetzung: (sib) Irlandinitiative Heidelberg, 15. Mai 2010,
Anmerkungen in Klammern dienen der Erläuterung
Zur Kapitelübersicht

Copyright © 2004 Aly Renwick / TOM (Troops Out Movement)
Englisches Original - English Language Version

Weiter zu Kapitel 7: Spontane Implosion - Von der Bürgerrechtsbewegung zum bewaffneten Kampf


Zurück/Back