Olivers Armee - eine Geschichte von britischen Soldaten in Irland und in anderen Kolonialkonflikten
Deutsche Übersetzung
Kapitel 5 - Widerstand gegen das Empire - Britanniens Kolonialkriege nach 1945
Oh, britische Mutter, hattest Du
einen Sohn dort?
Keine Anschuldigung wegen des getanen Unrechts
oder weil ein trauerndes zypriotisches Paar
damals einen geliebten Sohn verlor,
als er 18 Jahre alt war, im Kampf um Freiheit,
Peetrakis Yiallouris verschwand in der Finsternis,
geschossen durchs Herz von einem Wehrpflichtigen,
den Ruf „Zypern, Zypern!“ auf den Lippen.
Aus Cypriot Question
von Helen Fullerton
Zwischen 1914 und 1918 hatte Britannien zum Schutz seiner weltweiten Interessen und um zu verhindern, dass Deutschland Europa beherrschte, alle Ressourcen des Landes und des Empires im Ersten Weltkrieg eingesetzt. Britannien triumphierte, war aber finanziell und militärisch geschwächt und verlor Einfluss und Märkte an die USA, die allmählich Britannien als stärkste westliche Macht verdrängten. Britanniens Armee war in der Periode zwischen den zwei Weltkriegen hauptsächlich mit ihrer traditionellen Rolle als Polizist des Empire beschäftigt. Neue Methoden der Kriegführung wurden eingesetzt, um die britische Herrschaft aufrecht zu erhalten. Flugzeuge galten als billige und effektive Waffen, um Rebellen mit Maschinengewehren niederzumähen oder mit Gas zu töten und um mit Bomben auf Städte und Dörfern den „Eingeborenen eine Lektion zu erteilen“.
Gerade etwas mehr als zwei Jahrzehnte nach dem Ende des „Großen Krieges“ war das britische Empire erneut in einen globalen Konflikt gegen den Expansionismus der deutschen Nationalsozialisten und ihrer japanischen Verbündeten in Fernost verstrickt. Im Zweiten Weltkrieg setzten die imperialistischen Staaten erneut ihre moderne Kriegstechnologie gegeneinander mit verheerender Wirkung ein. Es war der erste konventionelle moderne Krieg, in dem mehr Zivilisten als Kombattanten getötet wurden.
Vor dem Zweiten Weltkrieg waren viele in der herrschenden Klasse Großbritanniens äußerst antikommunistisch und profaschistisch eingestellt gewesen und hatten sogar den Sturz der gewählten republikanischen Regierung in Spanien ignoriert. Die Meinung änderte sich aber – und der Krieg wurde zur Gewissheit, als klar wurde, dass der Faschismus ungehindert Teile des Empire wie auch die alte Ordnung in Europa bedrohen würde. Um gegen den Krieg gegen den Faschismus Unterstützung zu gewinnen, kündigte Britannien damals an, dass man für Gleichheit und Selbstbestimmung aller Nationen eintreten werde. Aus allen Teilen des Empire kamen Freiwillige bzw. Rekruten, um sich Britanniens Armee anzuschließen. Als Folge kehrten viele dieser Soldaten, Matrosen und Piloten mit der Absicht nach Hause zurück, jene Prinzipien dort auch in die Praxis umzusetzen.
Während des Zweiten Weltkriegs wurden viele Gebiete im britischen Empire von feindlichen Truppen bedroht und einige auch besetzt. Der Kampf gegen die Invasoren wurde von den Einheimischen geführt, bei denen häufig Nationalisten und/oder Kommunisten das Sagen hatten. Danach war klar, dass der Krieg dazu beigetragen hatte, eine Haltung zu schaffen, die die Befreiung von kolonialen Fesseln wollte. Man verfügte über Waffen und verstand auch, sie zu bedienen. Als Unabhängigkeitsbewegungen entstanden, wurde klar, dass viele Leute in weit entfernten Ländern nicht länger bereit waren, unter dem Union Jack zu leben. Die führenden Leute in Großbritannien aber waren entschlossen, das Empire zu erhalten und beeilten sich, wieder die Oberhand zu gewinnen.

Bildunterschrift: In den 1930er Jahren ermöglichte es das Fliegen, sich im ganzen Empire schneller zu bewegen. Flugzeuge der RAF wurden eingesetzt, um Rebellen zu attackieren und Dörfer zu bombardieren, um den ‚Eingeborenen eine Lektion zu lehren‘
Anfang 1942 geriet General Arthur Ernest Percival durch einen japanischen Angriff unter Druck und ordnete den Rückzug seiner Truppen aus Malaysia an, um eine letzte Verteidigungsbastion bei Singapur zu errichten. Percival war ein bewährter Soldat und britisches imperialistisches Prestige würde an ihm haften bleiben, egal ob er dieses „Kronjuwel“ des Empire verteidigen konnte oder nicht. Zwanzig Jahre zuvor, am 16. April 1921, während des anglo-irischen Krieges, hatte Major Percival eine Einheit seines Essex-Regiments nach Woodfield geführt, der Heimat der Collins-Familie in West Cork. Michael Collins war damals der meistgesuchte „Terrorist“ in Irland, bevor er dann „Staatsmann“ wurde und den britischen Premierminister Lloyd George in Downing Street traf, um den Vertrag zu unterzeichnen.
Die Soldaten waren gekommen, um die offizielle Bestrafungspolitik in den Gebieten unter Kriegsrecht zu exekutieren, die darin bestand, die Häuser der Familien von Rebellen zu zerstören. Eigentlich sollten die Bewohner davon zuvor benachrichtigt werden, um ihnen die Möglichkeit zu geben, einiges zu retten. Aber im Falle der Familie Collins gab es keine Warnung. Die beiden Frauen und acht Kinder wurden brutal aus dem Haus gezwungen und konnten nur entsetzt zusehen, als Woodfield angezündet und zerstört wurde. Einige der Soldaten mochten ihre Aufgabe nicht und retteten einige Besitztümer der Familie, wenn die Offiziere nicht hinschauten.
Bei einem anderen Vorfall waren zwei IRA-Männer, Tom Hales and Pat Harte, von Major Percival und seinen Soldaten gefangen genommen worden. Die Gefangenen wurden von den Soldaten mit Gewehrkolben schwer geschlagen. Später wurden Hales und Harte in der Kaserne in einen Raum gebracht, wo sechs Offiziere, darunter Percival, warteten, um sie zu verhören:
Zwei der Offiziere … schlugen ihn [Hales] von zwei Seiten mit Stöcken so lange, bis das Blut aus ihm schoss. Dann wurden mit Zangen seine Fingernägel herausgezogen, so dass Hales sagt: ‚Meine Finger wurden so verletzt, dass ich bewusstlos wurde.“
Als er wieder zu sich kam, wurde er über führende Leute, darunter Michael Collins, befragt. Er gab keine Informationen. Zwei Offiziere zogen daraufhin ihren Uniformrock aus und schlugen ihn, bis er zu Boden fiel und einige seine Zähne verlor. Schließlich wurde er zur Treppe geschleppt und hinuntergeworfen. Dann wurde er nochmals geschlagen, bevor man ihn in eine Zelle schleppte. Hales erholte sich. Harte jedoch erlitt einen Hirnschaden und starb, irrsinnig geworden, im Krankenhaus. 1)
Einundzwanzig Jahre später kommandierte Percival, nun als General, die Truppen Großbritanniens und des Commonwealth, die in Malaysia und Singapur gegen die Japaner kämpften. Winston Churchill sandte folgendes Telegramm an seine Behelfshaber:
„Die Schlacht muss bis zum
bitteren Ende geschlagen werden.
Kommandeure und führende Offiziere sollten mit ihren Soldaten sterben.
Die Ehre des Britischen Empire steht auf dem Spiel.“
Vor allem die RAF war nicht stark genug und die Japaner erlangten schnell die entscheidende Lufthoheit. Als der Fall der Stadt bevorstand, war Churchill gezwungen, den Soldaten die Erlaubnis zur Aufgabe des Widerstands zu geben. Am 15. Februar 1942 ergab sich Percival General Tomoyuki Yamashita, der den japanischen Angriff kommandierte. Churchill bezeichnete den Fall von Singapur als das „größte Desaster und die schlimmste Kapitulation unserer Geschichte“:
In einer brilliant geplanten wirbelwindartigen Kampagne, unter Inkaufnahme von ein paar tausend Opfern besiegte Yamashita eine Armee, die in allen Bereichen außer bei der Luftwaffe…….., überlegen war. Percival gab nicht nur 130.000 Mann und das Kronjuwel des Empire preis, sondern auch das britische Prestige in Asien. Die Festung war uneinnehmbar gewesen, die britische Besatzung stark, das Ergebnis gewiss – und niemand glaubte dies mehr als die Briten. Aber Yamashita hatte das blasierte Gesicht der britischen Überlegenheit Lügen gestraft und den müden und schlaffen Körper eines untergehenden Empires enthüllt. Spätere Siege kompensierten das Debakel von Singapur nie mehr und es konnte kein Prestige mehr aufgebaut werden. 2)
Während höhere Offiziere von den Japanern relativ gut behandelt wurden, sollten viele einfache Soldaten aus Percivals Armee, von den Japanern zu Sklavenarbeit in Projekten wie dem burmesischen Eisenbahnbau gezwungen, leiden und sterben.
1) Michael Collins, Tim Pat Coogan, Arrow Books 1991
2) On Revolt – Strategies of National Liberation, J. Bowyer Bell, Harvard University Press 1976

Bildunterschrift: Die westliche Presse über den Fall von Singapur
Auch nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurden britische Soldaten eingesetzt, um den vor dem Krieg herrschenden Status quo wieder auch an so weit voneinander entfernten Orten wie Griechenland und Vietnam zu sichern. Nachdem die Deutschen aus Griechenland vertrieben worden waren, kam es dort zum Kampf zwischen rechten königstreuen Kräften und der linken Nationalen Befreiungsarmee (ELAS), die die Hauptlast des Kampfes gegen die Deutschen getragen hatte. Britische Truppen griffen auf der royalistischen Seite ein und verlängerten so den Konflikt, der zu einem alle erfassenden Bürgerkrieg wurde. Die ELAS wurde schließlich besiegt.
Während sich die siegreichen Alliierten daran machten, eine neue Weltordnung zu etablieren, die von ihnen manipuliert und kontrolliert werden konnte, kam es oft zu Spannungen unter ihnen. Im Fernen Osten war Britannien den USA gegenüber misstrauisch, da man dort in verschiedenen Gebieten um die europäische Dominanz fürchtete. Anfang 1945 wurde diese Frage von den Alliierten auf Jalta verhandelt. Danach sagte Präsident Roosevelt: „Ich schlug vor, Indochina unter Treuhänderschaft zu stellen … Stalin gefiel die Idee, China gefiel die Idee. Die Briten mochten sie nicht. Sie gefährdete möglicherweise ihr Empire, denn falls Indochina zusammenarbeiten und schließlich seine Unabhängigkeit gewinnen würde, könnten die Burmesen vielleicht das auch tun.“ 3)
Auch andere europäische Länder wie Frankreich und die Niederlande sahen sich mit dem Verlust von Teilen ihres Kolonialreiches konfrontiert, denn es würde einige Zeit dauern, ihr Militär nach Indochina zu schicken. Um seine eigenen kolonialen Interessen in der Gegend zu stabilisieren, war Britannien entschlossen, dafür zu sorgen, dass Holland wieder Indonesien beherrschen und Frankreich Vietnam (Indochina) kontrollieren konnte:
Während des ganzen Krieges tat Churchill alles, um in Asien den Status quo der Vorkriegszeit zu sichern. Amerikanische Ideen für die politische Emanzipation früherer französischer Kolonien mochte er nicht. Er wusste sehr wohl, dass Unabhängigkeit ansteckend ist, und, falls in Vietnam erlaubt, auch nach Burma und Indien selbst sich ausbreiten konnte. Indem er jede Waffe seines beachtlichen Arsenals nutzte, arbeitete er daran, Roosevelts liberale Ideen zu versenken, vor allem die über das französische Indochina. 4)
Sowohl in Vietnam wie auch in Indonesien waren nationale Bewegungen, die zusammen mit den Alliierten die Japaner bekämpft hatten, dabei an die Macht zu kommen. Anfang September 1945 erklärten die Vietnamesen ihre Unabhängigkeit: „Wir sind davon überzeugt, dass die alliierten Nationen, die in Teheran und San Francisco die Prinzipien der Selbstbestimmung und Gleichheit aller Nationen anerkannt haben, sich nicht weigern werden, die Unabhängigkeit Vietnams anzuerkennen.“ Die Vietnamesen erklärten weiterhin, dass sie als ein Volk, das in den vergangenen Jahren Seite an Seite mit den Alliierten gegen die Faschisten gekämpft habe, frei und unabhängig sein müssten …. " Wir, Mitglieder der Provisorischen Regierung der Demokratischen Republik Vietnam, erklären gegenüber der Welt feierlich, dass Vietnam das Recht hat, frei und unabhängig zu sein…“ 5)
Einer der Führer des Kampfes um Unabhängigkeit war Ho Chi Minh. 25 Jahre zuvor war er für kurze Zeit in London gewesen:
Am 25 Oktober 1920 starb der Sinn Féin-Bürgermeister von Cork, Terence MacSwiney, der Lehrer, Poet, Dramatiker und Wissenschaftler gewesen war am 74. Tag seines Hungerstreiks im Brixton-Gefängnis in London. Ein junger vietnamesischer Tellerwäscher im Londoner Carlton Hotel brach zusammen und weinte, als er die Nachricht hörte. „Eine Nation, die solche Bürger hat, wird niemals aufgeben.“ Sein Name war Hgyuen Ai Quoc und er änderte ihn 1941 in Ho Chi Minh, als er die Erfahrungen aus dem irischen antiimperialistischen Kampf in seinem eigenen Land anwandte. 6)
Als 1945 die britischen Truppen zum ersten Mal nach Saigon kamen, wurden sie von den Leuten willkommen geheißen. Sie waren zu einer Zeit gekommen, als Ho Chi Minh und die Viet-Minh im Land weitverbreitete Unterstützung genossen. Der britische Kommandeur, General Gracey, schrieb später: „Ich wurde bei der Ankunft von den Viet-Minh willkommen geheißen …. prompt schmiss ich sie raus.“ 7)
3) The Bitter Heritage: Vietnam and American Democracy 1941-1946, Arthur M. Schlesinger Jr., Houghton, Mifflin, New York 1967
4) British in Vietnam – How the twenty-five year war began, George Rosie, Panther Books 1970
5) Ebenda – The British in Vietnam – How the twenty-five year war began
6) A History of the Irish Working Class, Peter Berresford Ellis, Pluto Press 1985
7) Journal of the Royal Asian Society, Juli-Oktober 1953

Bildunterschrift: 1944: General Giap hält eine Ansprache vor einer lokalen Guerillaeinheit der Viet-Minh
Die Wiederbewaffnung der Japaner
Zwanzig Jahre später erzählte einer von Graceys Offizieren, Robert Denton-Williams, wie er mit einem Voraustrupp der Briten ankam: „Als Offizier der indischen Armee gehörte ich zu ersten Einheit der Alliierten, die 1945 Indochina erreichten. Die 20. Division war in Burma stationiert. Der größte Teil der Truppen landete per Schiff, aber ein Vorausbataillon von Gurkhas (900 Mann, befehligt von britischen Offizieren) flog über Bangkok nach Saigon. Ich war als Munitions- und Transportoffizier dabei…“ Denton-Williams berichtete dann, was passierte:
„Die britischen Truppen wurden mit Freude willkommen geheißen … vom Flughafen bis zur Rue Catinat (im Zentrum von Saigon) hingen Plakate mit der Aufschrift: „Willkommen sind die Alliierten, die Briten und die Amerikaner – aber für die Franzosen haben wir keinen Platz“. Alles schien gut zu gehen. Die Regierung des Landes war in den Händen des Komitees des Südens, einer Vereinigung von Viet Minh und verschiedenen buddhistischen bzw. anderen Gruppen. Das Bild von Ho hing überall in Saigon.
… Dann passierte etwas Schreckliches. Etwa 80 Angehörige der französischen Armee (von Charles de Gaulles, nicht von Vichy, d.Ü.) beschlossen, die französische Herrschaft in Indochina wieder herzustellen… sie besetzten eine Anzahl wichtiger öffentlicher Gebäude in Saigon, hissten die Trikolore und erklärten die Rückkehr Indochinas unter französische Souveränität. Dann verlangten sie von den Briten, sie zu bewaffnen und ihnen gegen ‚les jaunes‘ (die ‚Gelben‘) zu helfen.“ 8)
Die Menschen in der Heimat wurden über das Geschehen absichtlich falsch informiert. Robert Denton-Williams erklärte: „In einem Kommandopapier (R 2817; 25. März 1954) und auch in anderen Dokumenten davor und danach hatte das Central Office of Information die Nachricht verbreitet, dass General Gracey aufgrund von „Unruhen und Terrorismus“ den Befehl gegeben hätte, die Franzosen zu bewaffnen. Beide Teile der Verlautbarung sind völlig unwahr. Es gab zu dieser Zeit keine Unruhen und auch keinen Terrorismus, General Gracey gab auch nicht den Befehl zur Bewaffnung der Franzosen. Dieser Befehl kam vom (britischen) Außenministerium und wurde über einen Außenamtsbeamten in Saigon dem britischen Kommandeur vor Ort, Brigadier-General Taunton, übergeben.“ 9)
Um die Welle zunehmender nationaler Wut einzudämmen, suchten die Briten Hilfe beim besiegten Feind. Während die Alliierten dabei waren, einige japanische Soldaten als Kriegsverbrecher zu verurteilen und hinzurichten, wurden andere ironischerweise wieder bewaffnet und auf den Dienst an der Front vorbereitet. George Rosie schrieb in seinem Buch The British in Vietnam: „Eine weitere Ironie lag in der nicht beneidenswerten Rolle der Japaner, die, besiegt und gedemütigt, gezwungen wurden, die Waffen für den früheren Feind wieder aufzunehmen und die Hauptlast der ‚alliierten‘ Opfer zu bringen.“ 10)
An diesem Vorgehen war auch Robert Denton-Williams beteiligt, der sich später erinnerte: „Da es um Saigon herum weniger als 7.000 alliierte Soldaten gab und etwa 79.000 Japaner, wurden die japanischen Verbände (die zuvor unter dem Kommando von Feldmarschall Count Terauchi gestanden hatten) nun unter britisches Kommando gestellt, um Saigon zu verteidigen.“ Denton-Williams half auch dabei, die Japaner wieder zu bewaffnen: „Sie wurden mit Minenwerfern und Bomben ausgestattet, die sie selbst den Briten 1942 in Singapur abgenommen hatten. Ich zusammen war mit Oberst Endo und Oberleutnant Murate von der japanischen Armee für die Waffenausgabe und den Transport zuständig.“ 11)
Neben den britischen Soldaten wurden diese japanischen Truppen jetzt als Polizeikräfte in Vietnam eingesetzt, bis die französische Armee zurückkommen und übernehmen konnte. Die Opposition wurde militärisch unterdrückt, als Vietnam zum kolonialen Schlachtfeld zuerst für die Briten, dann die Franzosen und schließlich die USA wurde:
Wir denken gewöhnlich, dass Kriege in Vietnam nur zunächst von den Franzosen und später von den Amerikanern geführt wurden. Aber Ende 1945 waren es britische Kugeln, die durch die Reisfelder rund um Saigon zischten, britische Minenwerfer, die die fragilen Dörfer im Mekong-Delta zerstörten (und britische Soldaten, die von den Vorläufern des Vietcong brutal überfallen wurden). Die Geschichte der britischen Besetzung Südvietnams ist keine glückliche. Wie die meisten kolonialen Intermezzos der Nachkriegszeit ist es eine Geschichte von politischer Komplexität und beladen mit Intrigen, mit internen Kämpfen, mit Terrorismus und repressiven Gegenmaßnahmen… 12)
8) Angaben von Robert Denton-Williams, in: Ho Chi Minh und der Kampf um ein unabhängiges Vietnam, William Warbey, Merlin Press 1972
9) Ebenda – Angaben von Robert Denton-Williams
10) The British in Vietnam – How the twenty-five year war began, George Rosie, Panther Books 1970
11) Angaben von Robert Denton-Williams, in: Ho Chi Minh and the Struggle for an Independent Vietnam, William Warbey, Merlin Press 1972
12) The British in Vietnam – How the twenty-five year war began, George Rosie, Panther Books 1970

Bildunterschrift: Die Japaner ergaben sich – anschließend wurden sie wieder bewaffnet und benutzt, um zusammen mit den britischen Truppen die Viet Minh zu bekämpfen
Die Briten, die nun zusammen mit den Japanern kämpften, gingen bei der Unterdrückung der vietnamesischen Unabhängigkeit so hart und rigide vor wie die Amerikaner und Franzosen, die ihnen folgten. George Rosie schrieb: „Ganz klar war der Krieg keine Bagatelle und einige der Operationsbefehle, die der britischen Division erteilt wurden, implizierten Rücksichtslosigkeit. Die Direktheit war alarmierend, mit der die britischen Truppen handelten, eine Direktheit, die Tausenden von Vietnamesen das Leben kostete.“ Rosie führte dazu zwei beispielhafte Befehle an, die darauf schließen lassen, in welcher Weise der Krieg geführt wurde. Beide haben sie verstörende Implikationen. Sie wurden der 100 Indian Infantry Brigade erteilt, die nördlich von Saigon (im schlimmsten Gebiet) unter dem Kommando von Brigadegeneral Rodham operierte.
Die erste dieser Instruktionen zur Vorgehensweise, Nr. 222 vom 27. Oktober 1945, besagte: „Wir halten es möglicherweise für schwierig, zwischen Freund und Feind zu unterscheiden …. Es ist immer die äußerste Gewalt anzuwenden, um sicherzustellen, dass alles Feindselige, dem wir begegnen, ausgelöscht wird. Falls man zuviel [Gewalt] anwendet, ist das kein Fehler.“ Hier werden also die britischen Truppen ermahnt, „äußerste Gewalt“ anzuwenden, während gleichzeitig zugegeben wird, dass es oft unmöglich sei, zwischen Kombattanten und Zivilbevölkerung zu unterscheiden. Das bedeutete in einem so dicht besiedelten Gebiet, dass jeder feindselige Akt mit Minenwerfern, …… und mit den Gewehren der gepanzerten Wagen der 16th Light Cavalry beantwortet werden konnte. Wie sollten unter diesen Bedingungen, bei einer solchen großen Feuerkraft hohe zivile Verluste vermieden werden (wenn Zivilisten "schwer zu erkennen“ waren)? In ähnlicher Weise wird bei der zweiten Instruktion, Nr. 63 vom 31. Dezember 1945, ganz kategorisch festgestellt, dass es völlig legitim sei, dort, wo ein Schuss gefallen sei, alle Einwohner als Feinde zu betrachten – mehr noch, als heimtückisch – und sie entsprechend zu behandeln… 13)
Im Oktober 1945 zählten die britischen Truppen in Vietnam fast 26.000 Mann, die von Spitfires und Mosquito-Kriegsflugzeugen der RAF unterstützt wurden. Viele Soldaten waren aus Indien, wo sich kritische Stimmen erhoben. Widerspruch wurde auch von Führern der indischen Unabhängigkeitsbewegung wie Pandit Nehru artikuliert: „Wir haben der britischen Intervention dort [in Vietnam] mit wachsendem Zorn, mit Scham und Hilflosigkeit zugesehen, weil indische Soldaten dafür benutzt werden sollten, Britanniens schmutzige Arbeit gegen unsere Freunde, die den gleichen Kampf wie wir führen, zu tun. 14)
Zu Hause in England war die von Churchill geführte Koalitionsregierung der Kriegszeit zurückgetreten und Labour hatte Ende Juli in den allgemeinen Wahlen von 1945 einen erdrutschartigen Sieg erzielt. Wegen ihres Wahlprogramms der „radikalen Reformen“ erwarteten viele von der Regierung Atlee auch Änderungen in der Politik in Übersee. Stattdessen wurde aber nach und nach klar, dass Labour die Kolonialpolitik Churchills fortführte. Am 11. Dezember hinterfragte der Labour-Abgeordnete Tom Driberg im Unterhaus den Einsatz britischer Truppen in Vietnam:
Er behauptete, dass das britische Volk mit Bestürzung erfahren habe, dass vier Monate nach dem Ende des Krieges im Fernen Osten britische und indische Truppen in einen Krieg in Französisch-Indochina verwickelt seien und dabei große Verluste erlitten …. wobei das Ziel die Wiederherstellung der französischen Kolonialherrschaft zu sein scheine. Er verwies auf die Tatsache, dass Terauchis Soldaten gegen die Vietnamesen eingesetzt wurden: … „…. ihre [der britischen Bevölkerung] Bestürzung wurde nicht geringer, als sie erfuhr, dass wir auch japanische Truppen einsetzen."
Noch Ende Januar drängte Driberg darauf, Informationen über die Aktivitäten der britischen Besatzungstruppen zu erhalten. Am 28. Januar verlangte er eine Erklärung zum britischen Rückzug, detaillierte Informationen über Verluste und eine Garantie dafür, dass die Franzosen zukünftig Vietnam Unabhängigkeit gewähren würden. Ihm wurde folgendes mitgeteilt: „Von Mitte Oktober bis 13. Januar wurden 126 alliierte Soldaten getötet und 424 verwundet. Von den Getöteten waren drei britisch und 37 indisch.“ Die Regierung schätzte auch, dass 2.700 Vietnamesen getötet worden waren, zu den Verwundeten auf vietnamesischer Seite wurden keine Angaben gemacht. 15)
Schließlich setzte sich das Militär durch und die Vietnamesen wurden zurückgedrängt. Wie Robert Denton-Williams erklärte: „Im Oktober und November 1945 gab es einige heftige Gefechte und die Viet Minh erlitten schwere Verluste. Schließlich war der Brückenkopf Saigon gesichert und General Leclerc und seine Fremdenlegion aus Madagaskar konnten kommen.“ Der britische Beitrag zur Wiedererrichtung der französischen Herrschaft und zur Unterdrückung der vietnamesischen Selbstbestimmung führte zu drei Jahrzehnten blutiger kolonialer Kriegführung, bevor die Vietnamesen endgültig ihre Unabhängigkeit errangen.
Viele in den britischen Streitkräften, die in Indochina kämpften, glaubten, dass die Politik der Regierung das Ergebnis eines „geheimen Deals“ zwischen Frankreich und der Labour-Regierung gewesen war:
Nach Auffassung vieler britischer und indischer Offiziere in Saigon war es zwischen Ernest Bevin, dem britischen Außenminister, und Massigli aus Frankreich zu einem Deal gekommen. Gemäß dieser geheimen Vereinbarung sollte es den Franzosen unter der Bedingung, dass sie nicht versuchten, nach Syrien und in den Libanon zurückzukehren, erlaubt sein, ihre Herrschaft in Indochina wieder zu errichten. Angesichts dieser perfiden Haltung des Westens beschloss das „Komitee des Südens“ zu kämpfen und nächtliche Angriffe auf Saigon begannen. 16)
13) The British in Vietnam – How the twenty-five year war began, George Rosie, Panther Books 1970
14) New York Times, 1. Januar 1946
15) The British in Vietnam – How the twenty-five year war began, George Rosie, Panther Books 1970
16) Statement von Robert Denton-Williams, in: Ho Chi Minh und der Kampf für ein unabhängiges Vietnam, William Warbey, Merlin Press 1972

Bildunterschrift: Kämpferinnen der Viet Minh
In Indonesien wurden ebenfalls britische Truppen zur Besetzung des Landes eingesetzt und so den Holländern ermöglicht zurückzukehren und die Kontrolle zu übernehmen. Hier waren die Kämpfe sogar noch härter, wobei britische und indische Truppen fast 1000 Tote verzeichneten und noch viel mehr Verwundete. Die japanischen Truppen, die mit ihnen kämpften, beklagten ebenfalls 1000 tote Soldaten. Die 23. Indische Division, die in etwas mehr als einem Jahr in Indonesien mehr Verluste hatte als bei den vierjährigen Kämpfen mit den Japanern in Burma, hielten in ihrer offiziellen Geschichte ihre Gefühle über den gemeinsamen Kampf mit dem früheren Feind fest: „Es war so bemerkenswert wie unerwünscht … für eine gewisse Zeit mussten wir den Japanern befehlen, mit uns zu kämpfen, was zu Hause verschwiegen wurde.“ 17)
Zehntausende Indonesier starben, als Städte und Dörfer aus der Luft bombardiert oder von der Artillerie und von Schiffen aus mit Granaten beschossen wurden. Da der überwiegende Teil der Bevölkerung auf ihrer Seite stand, gaben die nationalen Kräfte nicht auf. Der britische Kommandeur, Mountbatten, gab London verzweifelt zur Kenntnis, dass in Indonesien eine ähnliche Situation drohte wie nach dem ersten Weltkrieg in Irland, aber noch viel umfänglicher. 18) Viele britische Soldaten, die nach Ende des Zweiten Weltkriegs eine schnelle Heimkehr erwartet hatten, waren darüber aufgebracht, dass sie den Holländern Indonesien retten sollten:
Als die Seaforth Highlanders im November 1946 zum Hafen von Jakarta aufbrachen, nachdem sie sich im Auftrag der Holländer monatelang mit der indonesischen Befreiungsbewegung herumgeschlagen hatten, passierten sie gerade aus Holland angekommene Soldaten, Zusammen erhoben sie die geballten Fäuste und riefen: „Merdeka!“ („Freiheit!“). Dieser Slogan der Befreiungsbewegung war mehr als ein Witz auf Kosten der Holländer. Es war das Eingeständnis von Männern in einer immer noch imperialistischen Armee, dass das Empire in dieser Weltgegend nicht mehr lange überleben würde – etwas, was die jungen Holländer auf den Lastwagen, die in die entgegengesetzte Richtung fuhren, noch nicht verstanden. 19)
Die Rolle, die die Briten in Vietnam und Indonesien spielten, führte geradewegs zu großen Kolonialkriegen, die zum Abzug der Holländer aus Indonesien und der Franzosen aus Vietnam führten. Mehr als 3.000.000 US Soldaten waren letztendlich insgesamt nach dem französischen Rückzug aus Vietnam dort stationiert. Die Amerikaner verloren in dem Konflikt 58.000 Soldaten, aber die Vietnamesen schätzten, über drei Millionen Menschen verloren zu haben.
17) A forgotten war: British intervention in Indonesia 1945-46, John Newsinger, in: Race and Class, Bd. 30, Nr. 4, April/Juni 1989
18) Troubled days of Peace, Peter Dennis, Manchester 1969
19) Guardian, 10.09.2009. Artikel von Martin Woollacott über Indonesien und Osttimor

Bildunterschrift: Von Britannien anfänglich verursacht, ging die Tragödie in Vietnam weiter
Gerade mal drei Jahre nach der Niederlage der Japaner waren britische Truppen in einen bitteren „Notstand“ in Malaysia verwickelt. Während des Zweiten Weltkriegs hatte man den Malaien wegen ihres Kampfes gegen die Besatzungsmacht Japan eine eigene Regierung versprochen. Dieses Versprechen wurde im Oktober 1945 von der Labour-Regierung erneut gegeben, und die Volksarmee der Malaien gegen die japanische Okkupation legte die Waffen nieder. In den folgenden drei Jahren versuchte eine malaiische Unabhängigkeitsbewegung mit friedlichen Mitteln ihre Ziele durchzusetzen. Aber das britische Establishment wollte die Kontrolle über die Gummiproduktion und die Zinnvorräte des Landes behalten: „Im Jahr 1950 produzierte Malaysia im Weltmaßstab 37 Prozent des natürlichen Gummis (und 25 Prozent der gesamten Weltproduktion an Gummi, einschließlich synthetischen Gummis). Im gleichen Jahr machte Gummi (61 Prozent) und Zinn (12 %) zusammen 73 Prozent der Exporte aus der Kolonie aus.“ 20)
Der britischen Kolonialelite war es in Malaysia sehr gut gegangen. Man hatte die Ressourcen des Landes ausgebeutet und die Einheimischen als billige Arbeitskräfte benutzt. In ihrer Mai-Ausgabe erklärte British Malaya 1926 die Rolle der Weißen in Fernost: Die Funktion des weißen Mannes in einem tropischen Land sei es nicht, mit den Händen zu arbeiten, sondern ein massenhaftes und effizientes Reservoir an dortiger Arbeitskraft zu kontrollieren und zu leiten, der Regierung des Landes beizustehen oder vom Schreibtisch in einer Bank oder Handelsfirma aus die Gelegenheit für Handel und Geschäfte zu nutzen.
Es ist eine bittere Ironie, dass dann, als es den Arbeiter in Britannien allmählich gelang, bessere Löhne und Arbeitsbedingungen zu bekommen, die herrschende Klasse in Übersee rücksichtslos die Ausbeutung der Arbeiter dort verstärkte, um ihre Profitraten aufrechtzuerhalten. Während in Malaysia mit Gummi viel Geld verdient wurde, lebten die einheimischen Arbeiter in großer Armut. Im Jahr 1948 schrieb Patrick O’Donovan über ihre Lebensbedingungen im Oberserver:
Mehrmals wurden mir stolz Unterkünfte von Lastenträgern auf Plantagen gezeigt, die kein Hundehalter in England für seine Hunde akzeptiert hätte… Es gibt kaum ein Bewusstsein [unter den Plantagenbesitzern] über die Armut und das Analphabetentum, das in diesem Land existiert. Und allzu oft ist es eine faule, herabwürdigende, nach Urin stinkende Armut, mit alten grauen Lumpen und Resten von Reis, eine Armut, die nur die Sonne erträglich macht. 21)
Im ganzen Land verlangten Gewerkschaften Lohnerhöhungen und bessere Lebensbedingungen. Erbitterte Auseinandersetzungen fanden statt, oft wurden in Gefangenschaft gehaltene Japaner freigelassen, um streikende Arbeiter zu ersetzen. Die Weißen Malaysias, die die Produktion von Gummi und Zinn kontrollierten, verlangten, dass die britische Verwaltung die Kontrolle behalten und die Unabhängigkeitsbewegung unterdrücken solle. Die Labour-Regierung gab nach, Mitte 1948 wurde der Notstand ausgerufen.
20) Malaya – The Making of a Neo-Colony, herausgegeben von Mohamed Amin und Malcolm Caldwell, Spokesman Books 1977
21) Oberserver, 10. Oktober 1948

Bildunterschrift: Plantagenbesitzer lebten gut in Malaysia – während die einheimischen Arbeiter arm waren
Eine der ersten Maßnahmen war es, die Panmalayische Förderation der Gewerkschaften für illegal zu erklären und ihre Auflösung zu erzwingen. Alle konstitutionellen Reformen und legalen Protesten wurden abgeblockt, so dass die Situation bald eskalierte und Gewalt angewandt wurde. Britische Militär- und Counterinsurgency-Experten übernahmen die Kontrolle, womit ein kompromisslos geführter Kampf in Gang gesetzt wurde. Die Malayan Races Liberation Army (MRLA) griff mit Guerilla-Aktionen die Regierung an. Diese Armee wurde von Chin Peng angeführt, einem Kommunisten, der, als er für die Alliierten gegen Japan gekämpft hatte, einen Orden erhalten hatte.
Es entwickelte sich ein Szenario, das in der Folge „vertraut“ werden sollte, als lokale „loyale“ Kräfte in großem Maß verstärkt und weitere britischen Truppen schnell in das Gebiet verlegt wurden. General Sir Harold Briggs übernahm die Verantwortung für die militärischen Operationen, und „verdächtige“ Mitglieder der einheimischen Bevölkerung wurden in befestigte kleine Dörfer umgesiedelt, die mit ihren Wachen, dem Stacheldraht und den Suchscheinwerfern bei Nacht wenig anderes als Massengefangenenlager waren. Die Idee war, die Guerilla ihrer Nahrungsquellen, ihrem Schutz und ihre Rekrutierungsmöglichkeiten zu berauben:
Der Krieg hätte ohne die rücksichtslose Kontrolle der Regierung über die Gesamtheit der Bevölkerung nicht gewonnen werden können…. Die allerkonservativsten und probritischen Beobachter sind sich darin einig …. die ganze Operation war darauf ausgerichtet, die Kombattanten von den nicht kämpfenden Teilen der malaiischen Massen zu trennen – oder in der Verwaltungsterminologie – das Volk von den ‚kommunistischen Terroristen‘ zu separieren. 22)
Über 500.000 Einheimische wurden in Lager umgesiedelt, die beschönigend ‚neue Dörfer‘ genannt wurden. Dort zwang man sie, zu kaum die Existenz sichernden Löhnen auf Plantagen zu arbeiten. Sie wurden oft mit Inhaftierung und Essensentzug bestraft und ständiger Kontrolle ausgesetzt, wozu auch Ausgangssperren und Razzien gehörten.
Es gab so viele Sicherheitskräfte, dass die British Survey im Juni 1952 feststellte, dass in einigen Gegenden auf zwei Bewohner ein Bewaffneter komme und 65 Sicherheitskräfte jeweils einem bekannten Terroristen gegenüberstünden …. Der britische Hochkommissar, General Sir Gerald Templer, hielt in seinem Bericht für 1953 fest, dass während der vergangenen vier Jahre die Hauptwaffe die Verstärkung der Polizei um das Siebenfache, die Aushebung von 240.000 Heimatwächtern und weiterer vier Bataillone des Malaiischen Regiments gewesen sei.
Zwischen 1948 und 1957 wurden etwa 34.000 Menschen bei einer Bevölkerung von fünf Millionen ohne Gerichtsverfahren eingesperrt, weitere 20.000 wurden deportiert. Die Polizei war eine typische Kolonialtruppe, nach dem Vorbild der Royal Irish Constabulary aufgestellt, die in erster Linie mit Angst und Einschüchterung arbeitete. Victor Purcel, ein früherer Kolonialbeamter, beobachtete:
Es gab von der Wiege bis zur Bahre keine menschliche Aktivität, die die Polizei nicht überwachte. Die wahren Herrscher von Malaysia waren nicht General Templer und seine Soldaten, sondern die Special Branch der malaiischen Polizei. Was General Templer befohlen hatte, war eigentlich eine Levée en masse, bei der es keine Zivilisten mehr gab und die ganze Bevölkerung bestand entweder aus Soldaten oder Banditen. Die Mittel wurden wichtiger als der Zweck. Gewalt herrschte und triumphierte. 23)
Trotz dieser erdrückenden Übermacht von Sicherheitskräften war die britische Verwaltung nicht sicher. Templers Vorgänger als Hochkommissar, Sir Henry Gurney, war 1951 bei einem Überfall getötet worden und es gab wenige Gegenden, die für die Vertreter der Kolonialverwaltung ungefährlich waren.
22) Malaya – The Making of a Neo-Colony, herausgegeben von Mohamed Amin und Malcolm Caldwell, Spokesman Books 1977
23) Malaysia – kommunistisch oder frei?, V. Purcel, Gollancz 1954

Bildunterschrift: General Sir Harold Briggs vor einem seiner Umsiedlungslager – die später auch in Kenia und von den USA in Vietnam errichtet wurden
Besorgte Stimmen erhoben sich wegen Malaysia in Britannien, darunter in der The Times, wo es in einem Kommentar hieß: „Der Verlust an Menschenleben ist beträchtlich; die finanziellen Kosten gehen in die Millionen …. Einige fähige und findige Männer haben versucht, das Problem zu lösen, aber nichts in den gegenwärtigen Nachrichten lässt auf eine zukünftige Verbesserung der Lage hoffen.“ 24)
Einige Wochen später berichtete The Times über die Malaysia-Reise von Oliver Lyttelton, dem Minister für Kolonialfragen in Churchills gerade neu gewählter konservativer Regierung: „Nie waren weniger als 1000 Soldaten oder Polizisten zur Bewachung da und als Penang besucht wurde, waren 2000 Männer unmittelbar mit der Bewachung befasst. Außerhalb von Kuala Lumpur war Mr. Lyttelton gezwungen, in einem geschlossenen, gepanzerten Wagen zu fahren, wozu ein Beobachter bemerkte, dass seine Fortbewegung eher der Reise eines Naziführers durch das besetzte Europa glich. 25) Lyttelton war in Eton und Cambridge ausgebildet worden und hatte in der Brigade of Guards gedient. 1937 war er der Vorsitzende der Londoner Tin Company, die ein großes Interesse an den Minen in Malaysia hatte.
Im Gegensatz dazu starteten Kommunisten in Britannien, wie z.B. Harry Pollitt, Kampagnen zur Unterstützung der malaysischen Unabhängigkeit. Pollitt schrieb die Streitschrift Malaya – Stop the War!, in der er seine unverblümte Sicht der Dinge darlegte. Er umriss die Anzahl der Sicherheitskräfte und deren Einsatz durch die Kolonialverwaltung zur Unterdrückung der malaiischen Bevölkerung. Dann fuhr Pollitt fort: „Und all das, so wird uns gesagt ‚gegen eine Handvoll Banditen‘! Es muss sich dabei sicher um die größte und beharrlichste Handvoll handeln, die je in der menschlichen Geschichte existiert hat.“ Pollitt fuhr fort:
Die britischen Jungs, die in das Tausende von Meilen entfernte Malaysia gesandt werden, verteidigen weder Britannien noch die Demokratie. Sie sind dort, um das korrupte Kolonialsystem zu verteidigen, in dem zwei Drittel der Kinder keine Schulbildung erhalten, die Gewerkschaften der Arbeiter unterdrückt worden sind und die Reallöhne nur ein Drittel des Hungerlohns von vor dem Krieg betragen. Trotz aller offizieller Propaganda, die Malaysia als die blühendste der britischen Kolonien darstellt, sind die Bedingungen für die Bevölkerung erschreckend.
… Dies ist ein zerfallender Polizeistaat, für den die Tories noch mehr britische Soldaten opfern wollen. Schon haben Hunderte von britischen Jungs ihr Leben in Malaysia verloren. Es ist an der Zeit, dass die britische Bevölkerung diesem grausamen und entsetzlichen Krieg ein Ende setzt …. Für die Tory-Klientel der Profiteure aus der Gummi- und Zinnbranche gibt es viel zu gewinnen, aber für die britische Bevölkerung heißt die einzige Dividende Tod, mehr Steuern, Einschnitte bei den sozialen Leistungen und Angriffe auf Löhne und Arbeitsbedingungen.
Mr. Churchill hat bereits zugegeben, dass die britische Regierung 50 Millionen Pfund pro Jahr für den Krieg in Malaysia ausgibt … Nun kommen weitere Belastungen hinzu. Es ist kein Zufall, dass Lytteltons Reise durch Malaysia und die Ankündigung seines Sechspunkteplans für die Ausweitung des Krieges zur gleichen Zeit kamen wie die Ablehnung der Forderungen von Hafen-, Minen- und anderen britischen Arbeitern durch die Arbeitgeber ….. die Ankündigung der Regierung über die Einsparung von 15 Millionen Pfund bei der Erziehung, weitere Kürzungen bei der Verpflegung und die Erhöhung von Preisen.
Der britische Verteidigungsminister gab dann eine Verordnung heraus, nach der die bisher „Banditen“ genannten zukünftig als „kommunistische Terroristen" (CTs) bezeichnet werden sollten. Aber die Kampagne Pollitts zur Beendigung des Kriegs hatte mehr positive Effekte, wie sogar die Times in der Ausgabe vom 30. November 1931 feststellte: „Zum üblichen Kolonialismusverdacht kommt der wachsende Glaube, der von Äußerungen der Gummierzeuger verstärkt wird, dass Malaysia zuallererst als Gebiet gesehen wird, das für britische Kapitalinvestitionen sicher gemacht werden soll.“ Wie Pollitt angedeutet hatte, wurde dieses Kapital von jungen britischen Soldaten bewacht, die oft gerade ihren Wehrdienst leisteten und dabei einen bitteren Dschungelkrieg führen mussten.
24) The Times, 13.11.1951
25) The Times, 9.12.1951

Bildunterschrift: Die Menschen in Umsiedlungslagern hatten Razzien und Ausgangssperren zu erdulden – und mussten auf den Plantagen arbeiten
1960 wurde Anthony Short, der seinen Wehrdienst in Malaysia abgeleistet hatte, von der malaiischen Regierung beauftragt, die offizielle Geschichte des „Notstandes“ zu schreiben. Sie saßen drei Jahre lang über seiner Arbeit, dann verwarfen sie sie. Short ließ einige umstrittene Passagen weg, aber das Buch wurde immer wieder abgelehnt. Schließlich, sieben Jahre nach seiner Fertigstellung, wurde das Buch in London veröffentlicht. Wie der Schriftsteller Malcolm Caldwell feststellte, hatte Short versucht, mit dem Problem zurechtzukommen, wie man einen Counterinsurgency-Krieg gegen eine feindselige Bevölkerung führt, die für „freundlich“ gehalten werden soll:
Im Anfangsstadium der Kampagne und in der Tat, wann immer es zu Kontakten kam …., wie sollte man in ein paar Minuten der Verwirrung entscheiden, ob man auf die Figuren, die aus den Hütten in den Dschungel liefen, schießen sollte?... wenn sie nicht uniformiert oder ganz offensichtlich bewaffnet sind, gibt es keine Garantie dafür, ob die rennenden Leute Guerilleros oder gesuchte Kriminelle sind, oder eher doch nur verängstigte Männer und Frauen, die vielleicht oder vielleicht auch nicht freiwillige und unfreiwillige Unterstützer der Guerilla sind.
Fast jeder zweite Situationsbericht am Beginn der Kampagne verzeichnete die Erschießung von Menschen, die aus ihren Hütten rannten, und nach Warnung nicht stehenblieben. Zu oft wurden weder Munition, Waffen oder ähnliches, nicht der geringste Beweis gefunden, weder Indizien noch Zeugenaussagen gab es… der CPO (Chief Police Officer – Polizeichef) Johore war besonders besorgt über diese Lage, in der Verdächtige erschossen wurden, während sie versucht hatten zu entkommen: ‚Ich kann keine gesetzliche Rechtfertigung für die Erschießungen finden, weder unter normalem Recht noch unter Notstandsrecht, außer der Vorfall hat sich an einem speziell zu schützenden Ort oder während der Ausgangssperre ereignet.‘ Bisher hatten die Richter auf rechtfertigbaren Totschlag erkannt; aber der CPO ging davon aus, dass dies nicht immer der Fall sein würde und so ein größerer Skandal entstehen könnte. 26)
Short berichtete auch, dass im britischen Parlament ernsthaft vorgeschlagen wurde, eine Einheit wie die Black and Tans zu rekrutieren und nach Malaysia zu senden, aber britische Soldaten sollten bald beweisen, dass sie keine neue Einheit brauchten, um terroristische Akte im Auftrag des Staates zu begehen. Am 11. Dezember 1948 drang eine Einheit des Zweiten Bataillons der Scots Guards in Batang Kali, einem kleinen Dorf in Selangor, einer Region in Malaysia, ein. Die Soldaten trieben 25 chinesische Dorfbewohner zusammen, massakrierten sie und verbrannten viele der Behausungen. Als dies bekannt wurde, versuchten die Behörden, die Morde zu rechtfertigen, indem sie sagten, dass die Opfer Häftlinge gewesen seien, die versucht hätten zu fliehen:
Die Sache ruhte, bis 20 Jahre später The People, eine Londoner Zeitung, ein Statement von George Brown, einem führenden Labour-Politiker, hinterfragte, in der es um Enthüllungen über das Massaker von My Lai (von den Amerikanern in Vietnam begangen) ging, und das enthielt, dass …. ‚es auch in unserem Keller furchtbar viele Leichen gibt.‘
Unter denen, die dies lasen, war auch ein Mitglied der besagten Patrouille der Scots Guards. Schließlich bezeugten er und drei andere Männer der Patrouille unter Eid, dass die 25 Chinesen massakriert worden waren und nicht versucht hatten zu fliehen. Außerdem waren die Opfer alle Zivilisten und ‚dies ist nur eines der vielen britischen My Lais in Malaysia‘. 27)
Die Erklärung der Soldaten erregte erneut öffentliches Interesse, und unter diesem Druck wies die Regierung Scotland Yard an, eine offizielle Untersuchung vorzunehmen. Aber diese wurde später, als das Interesse nachließ, in aller Stille unter den Teppich gekehrt, so dass die Details dieses Kolonialverbrechens immer noch nicht voll aufgeklärt sind.
1952 hatte General Templer, kurz nachdem er zum Hochkommissar ernannt worden war, gesagt, dass der harte Kern der Kommunisten aus Fanatikern bestünde, die ausgelöscht werden müssten und würden. Im gleichen Jahr veröffentlichte der Daily Worker das Foto eines lächelnden Kommandos der Royal Marines in Malaysia, die den abgetrennten Kopf eines toten Guerilleros hielten. Kurze Zeit später erschien ein zweites Foto mit einem Marine, der zwei abgetrennte Köpfe hielt. Die Behörden behaupteten, dass Köpfe und Hände zu Identifikationszwecken von den Körpern der ‚Terroristen‘ abgetrennt worden seien. Aber viele Soldaten betrachteten sie als Trophäen, die die Durchschlagskraft ihrer Einheit belegten. „Andere Fotos, die in britischen Zeitungen veröffentlicht wurden, zeigten abgetrennte Hände, die in einem simulierten Salut an abgetrennte Köpfe gestützt waren, und tote Guerilleros, die wie Tigerfelle vor die Einheiten gelegt wurden, die sie ‚erlegt‘ hatten.“ 28) Dies erinnerte auf unheimliche Weise an die ausgestellten Köpfe von Iren während der Eroberungszüge zu Zeiten von Elisabeth I. vor 400 Jahren.
Der „Notstand“ endete offiziell erst 1960, aber schon in der Mitte der fünfziger Jahre war die Zahl der Guerilleros zurückgegangen und diejenigen, die immer noch aktiv waren, konnten nur im tiefsten Dschungel operieren. Die MPLA hatte ihre Kampagne vom chinesischen Bevölkerungsteil aus geführt, der zwar den größten Teil der Arbeiterschaft stellte, aber mit 45 Prozent in Malaysia in der Minderheit war. Dieser Sachverhalt erwies sich als fatal, denn, obwohl die Guerilla ihre Basis zu erweitern suchte, bedienten sich die Briten ethnischer und religiöser Taktiken des Teile und Herrsche, um die Chinesen von der malaysischen und muslimischen Bevölkerungsmehrheit getrennt zu halten.
Jahrelang hatte man auch die einheimische politische und wirtschaftliche Elite ausgebildet, vor allem die United Malay National Organisation und die Malayan Chinese Association – und die englischen Geschäftsleute davon überzeugt, dass es sicherer war, über eine Neokolonie wirtschaftliche Kontrolle auszuüben als weiterhin auf Direktherrschaft zu bestehen. Im August 1957 wurde die „Unabhängigkeit“ erklärt und britische Firmen konnten mit dem Ergebnis zufrieden sein: „Bei der Unabhängigkeit waren 75 Prozent der gesamten Kautschukanbaufläche in europäischer (meist britischer) Hand, außerdem 61 Prozent der Zinnproduktion und 75 Prozent des Handels und aller Dienstleistungen.“ 29) Für sie hatten sich die Kosten und die Grausamkeit des „Notstands“ ausgezahlt.
26) The Communist Insurrection in Malaya – 1948-60, A. Short, Frederick Muller, London 1975
27) Malaya – The Making of a Neo-Colony, herausgegeben von Mohamed Amin und Malcolm Caldwell, Spokesman Books 1977
28) British Counterinsurgency, 1919-60, Thomas R. Mockaitis, Macmillan Press Ltd 1990
29) Malaya – The Making of a Neo-Colony, edited by Mohamed Amin und Malcolm Caldwell, Spokesman Books 1977

Bildunterschrift: Ein Bild für das Familienalbum – ein lachender Soldat der königlichen Marine hält die abgetrennten Köpfe zweier Guerilleros
Noch während britische Soldaten in Malaysia „Terroristen“ bekämpften, begann in Kenia ein neuer Kolonialkrieg (darüber wird im nächsten Kapitel „Der Mau Mau-Mythos“ noch ausführlich berichtet). Auf dem Höhepunkt des Konfliktes in Kenia wurde auf der Insel Zypern, einer britischen Kolonie im Mittelmeer, auch der Notstand ausgerufen. Die britischen Interessen an Zypern waren vor allem strategischer Natur; während des „Notstands“ wurde die Suez-Invasion von Zypern aus gestartet und danach wurde die Insel zur Basis für auf Russland gerichtete Raketen. Die Bevölkerung, die sich im Verhältnis 5:1 aus Griechen und Türken zusammensetzte, war für die britische Taktik des Teile und Herrsche anfällig.
Der politische Führer der Griechen war Erzbischof Makarios, der „Enosis“ (Vereinigung mit Griechenland) forderte. Es gab auch eine militärische Untergrundorganisation, bekannt als EOKA (National Organisation of Cypriot Fighters), die von einem rechtsgerichteten Ex-Obersten der griechischen Armee mit Namen George Grivas geleitet wurde, der am Ende des Zweiten Weltkriegs in Griechenland mit dem britischen Militär bei der Zerschlagung der linksgerichteten ELAS kollaboriert hatte.
Am 25. September 1955 wurde der bisherige Gouverneur Sir Robert Armitage von Feldmarschall Sir John Harding KCB, DSO und MC ersetzt:
Harding startete sofort eine Kampagne gegen die EOKA und begann gleichzeitig Gespräche mit Erzbischof Makarios. Das strategische Ziel war offensichtlich: Würde die EOKA allmählich unterworfen, wäre Makarios Verhandlungsposition geschwächt, und er müsste die Bedingungen der Regierung akzeptieren. Harding kümmerte sich persönlich um die Sicherheitspolitik und schweißte die Polizei, deren Ränge mit türkischen Zyprioten gefüllt wurden, und die Armee, die nun 12.000 Mann stark war, zusammen. Was bei dieser Heirat herauskam, waren die ‚Sicherheitskräfte‘, eine Bezeichnung unter der jeder geführt wurde, angefangen vom Eisverkäufer in der Hilfspolizei bis hin zu Sandhurst-Offizieren.
Man folgte der alten, schon in anderen Kolonien erprobten Routine. Der Notstand wurde ausgerufen, Tag und Nacht Ausgangssperren in Dörfern und Städten verhängt; es gab kollektive Geldstrafen, ein mit Fingerabdrücken versehener Personalausweis wurde ausgegeben …auch war bereits ein Gesetz für die Internierung von Personen erlassen worden, das es ermöglichte, Menschen ohne Gerichtsprozess festzusetzen, und es gab Beweise für den Missbrauch dieses Gesetzes. 30)
Die Lage eskalierte schnell und wurde zum offenen Konflikt, in dem die EOKA mit Guerillamethoden gegen die britische Armee kämpfte. Der Propagandakrieg wurde ebenfalls verstärkt, in dem die britischen Medien Makarios, den griechischen Kopf des Widerstands, verteufelten. 1956 besuchte Peter Benenson, der später Amnesty International mit ins Leben rufen sollte, Zypern und schrieb darüber später: „Obwohl er oft dazu aufgefordert wurde, weigerte sich Erzbischof Makarios, die Methoden der EOKA zu verurteilen … die britische Regierung benutzte diese Weigerung, um ihn in ganz Britannien zu einer verabscheuungswürden Person zu machen, um über seine Bekleidung zu spotten, seinen Bischofsstab zu verhöhnen und seinen Bart ‚abzusengen‘“. Benenson fuhr fort:
Wiederholt betonten Sprecher der Regierung im Parlament die besondere Boshaftigkeit des Erzbischofs und verwiesen auf die bestialischen Taten der EOKA. Das gleiche wurde jedem Journalisten bzw. Besucher, der nach Zypern ging, erzählt. Nach einem Jahr zeigte diese systematische Verteufelung Wirkung. Im Sommer 1956 wurden auf Zypern die ersten Proteste gegen Gewalt und Folter laut. Die 30.000 Mann starke Armee hatte ein Jahr lang unter der Führung eines Feldmarschalls ohne Erfolg nach einem flüchtigen Guerilla-Oberst von kleiner Gestalt und mit großem Bart gesucht. Die ganze Zeit über hatten ihnen die Minister zu Hause und ihre Kommandeure erzählt, dass sie einen barbarischen Feind bekämpften, der von einem geistlichen Schurken, gezeichnet in den Zügen des Anti-Christ, geführt wurde. Da war es nicht unnatürlich, dass einige der Männer begannen, die Zyprioten, oder die ‚Cyps‘, wie sie damals genannt wurden, mit Verachtung zu betrachten. 31)
30) Legacy of Strife – Cyprus from rebellion to civil war, Charles Foley, Penguin Special 1964
31) Gangrene, John Calder Ltd. 1959

Bildunterschrift: Eine Borschüre mit Gesuchten, die an britische Soldaten auf Zypern ausgegeben wurde. Sie enthielt Fotos und eine Liste von EOKA-Guerilleros
Als immer mehr Menschen verhaftet wurden, verbreiteten sich auch Berichte von Misshandlungen. Die meisten Berichte betrafen die Verhörmethoden, denen alle Gefangene unterworfen wurden. In seinem Buch Legacy of Strife (Erbe des Konflikts) umriss Charles Foley dieses Vorgehen: „Am Anfang ging es gewöhnlich ruhig zu. Einem Mann wurde eventuell ein Foto gezeigt und er wurde gefragt, ob er den Abgebildeten erkennen würde; er wurde vielleicht gefragt, ob er eine bestimmte Person kennen würde oder über die EOKA allgemeine Informationen hätte. Später nahm die Befragung dann eine bedrohliche Wendung oder ein Geldbündel wurde herausgezogen. Bei der Weigerung zu antworten, wurde man dann eventuell in ein anderes Zimmer auf der gegenüberliegenden Seite des Korridors gebracht, in dem ein eisernes Bettgestell stand, auf das man an Hand- und Fußgelenken gefesselt wurde.“ Foley beschrieb, was dann folgte:
Die Vorgehensweise war sehr unterschiedlich und hing vom Einfallsreichtum der Verhörpersonen ab, die von der ausländischen Presse scherzhaft als „HTMs“ (Her Majesty’s Torturers – die Folterknechte Ihrer Majestät) bezeichnet wurden; es gab auch ganz offensichtlich keine zeitliche Begrenzung. Möglicherweise wurde man von verschiedenen Männern eine Stunde lang oder auch vier Stunden oder 24 Stunden lang abwechselnd misshandelt und befragt. Sie konnten mit einem flachen Brett auf den Bauch schlagen, die Hoden einklemmen, man konnte mit einem nassen Tuch, das einen zwang, mit jedem Atemzug zu trinken, halb erstickt werden, es konnte ein Stahlband um den Kopf gebunden werden. Die Techniken waren für das 20. Jahrhundert rückständig; es gab z.B. keine Beweise für Elektroschocks. Nicht mehr als sechs Personen starben während Verhören zur Zeit des Ausnahmezustands [Hervorhebung von A. Renwick]. 32)
Die Proteste betroffener Zyprioten nahmen zu und wurden lauter, wie Peter Benenson feststellte: „Als ich zum ersten Mal im Oktober 1956 auf Zypern ankam, war die gesamte griechisch-zypriotische Anwaltschaft mit Beschwerden gegen die Behörden überhäuft. Ich habe eine Schlange ängstlicher Eltern vor den Räumen des Justizministers gesehen, die so lang war, dass sie bis vor die Eingangstür reichte.“ Benenson erklärte, wie die britische Verwaltung die Beschwerden ignorierte oder Ausweichmanöver ersann:
Man beharrte darauf, dass die griechischen Anwälte auf boshafte Weise Anschuldigungen über Gewaltanwendung erfanden. Um sie daran zu hindern, mit ihren verhafteten Klienten zu sprechen, verweigerte man ihnen die Auskunft über deren Aufenthaltsort. Unabhängigen griechischen Ärzten wurde der Zugang zu Gefängnissen oder Gefängniskrankenhäusern verwehrt. Anordnungen wurden erlassen, die es der Regierung ermöglichten, verhaftete Personen ohne Anklage 16 Tage lang in strenger Haft festzuhalten. Nachfragen, Beschwerden und Protestbriefe seitens griechischer Rechtsanwälte wurden nicht beantwortet. Eine weitere Anordnung machte es Anwälten unmöglich, gegen Mitglieder der Sicherheitskräfte ohne Genehmigung des Generalstaatsanwaltes strafrechtlich vorzugehen 33)
Bis 1957 wurde Britannien vor dem Europäischen Rat der Folter auf Zypern in 49 Fällen beschuldigt. Aber es kam zwischen Britannien und Griechenland zu einem politischen Deal, worauf die griechische Seite die Anklagen zurückzog.
32) Cyprus from rebellion to civil war, Charles Foley, Penguin Special 1964
33) Gangrene, John Calder Ltd. 1959

Bildunterschrift: Britische Soldaten verhaften auf Zypern einen Demonstranten, der aus einer Schlagstockwunde am Kopf blutet
Wehrpflichtige Soldaten sterben und töten
Mit dem Fortgang des Konflikts befanden sich die britischen Soldaten in einer zunehmend feindlichen Umgebung. Viele Mitglieder der Sicherheitskräfte wurden getötet oder verwundet – häufig bei Überfällen auf der Straße. Charles Foley beschreibt, wie die Soldaten von der zypriotischen Bevölkerung isoliert und unter schlechten Lebensbedingungen zusammengepfercht wurden: „Viele der Soldaten lebten in Zelten, von Fliegen und Staub geplagt. Wenn es regnete, stellte sich oft heraus, dass die Zelte Lecks hatten; die Schlafstellen waren durchnässt, die Elektrizität fiel aus, das Heizmaterial für den Ofen ging aus und der Untergrund wurde morastig. Die Männer waren mehr oder weniger ständig kaserniert. Falls sie Ausgang hatten, mussten sie sich bewaffnet und in Uniform in Vierergruppen bewegen und gab es nur ein paar Bars, die sie mit offizieller Erlaubnis besuchen konnten. Frustration und Unbehagen suchten ein Ventil. Als die Unzufriedenheit der Soldaten zunahm, wurden sie mit Hasspropaganda gefüttert und die Sicherheitschefs entschuldigten alles, was nach Vergeltung aussah, mit ‚nicht zu tolerierender Provokation‘. ….“ Viele dieser jungen Soldaten wurden zornig und aggressiv und es kam zu „Vorfällen“.
Ein solcher Vorfall fand in Kathykas statt, einem der Dörfer, das von den Argyll and Sutherland Highlanders durchsucht wurde, nachdem einer ihrer Männer bei einem Überfall getötet und ein anderer verwundet worden war. Die Behörden sprachen von „leichten Verwundungen“, nachdem ein griechischer Bürgermeister geschlagen und mit einem Bajonett erstochen und eine 19jährige Frau vergewaltigt worden waren. Ein Zypriote wurde erschossen, nachdem er zwei Soldaten mit dem Messer angegriffen hatte, die in der Dunkelheit in sein Haus eingebrochen waren. Von einem Dorfpriester hieß es, sein Bart sei in Brand gesetzt und sein Kopf mit Schlamm eingeschmiert worden. 34)
Die Behörden starteten eine „offizielle Untersuchung“, die eindeutig nicht unparteiisch war, denn sie rechtfertigte die Misshandlungen mit den Worten: „Nicht nur suchten die Soldaten nach den Mördern ihrer Kameraden, die Dorfbewohner waren auch in einer Weise unkooperativ, die in einem Fall bis zu schwerem Widerstand reichte.
Barbara Castle besuchte als stellvertretende Vorsitzende von Labour Zypern und ging auch nach Kathykas. Sie traf eine Anzahl der von den Argylls verletzten Menschen. Nach ihrer Rückkehr nach Britannien sagte sie, dass sie glaube, nach einer Schießerei seien den Soldaten unnötig harte Methoden mit der Begründung erlaubt worden, dass sie eine heiße Spur verfolgten:
Sofort brach ein Sturm der Empörung über Mrs. Castle in der britischen Presse herein, und das trotz eines Statement des Gouverneurs des Inhalts, dass „wenn Kameraden getötet werden, Soldaten natürlicherweise wütend sind und es zu harten Reaktionen kommen kann und kommen wird“. Labour-Parteichef Gaitskell beeilte sich, sich von Mrs. Castle zu distanzieren, indem er von den nicht zu tolerierenden Provokationen sprach, denen unsere Soldaten durch brutale Morde, die er mit Entsetzen verabscheue, ausgesetzt seien. Da die Wahlen alarmierend nahe waren, konnten die Labour-Führer nicht riskieren, die öffentliche Meinung gegen sich aufzubringen, indem sie sich scheinbar gegen die Soldaten stellten. 35)
Gaitskells Angriff gegen Castle war umsonst, da Labour die Wahlen sowieso verlor.
34) Legacy of Strife – Cyprus from rebellion to civil war, Charles Foley, Pinguin Special 1964
35) Ebenda, Legacy of Strife, Cyprus from rebellion to civil war

Bildunterschrift: Britische Soldaten durchsuchen Zivilisten auf Zyperns Straßen
Im Juli 1958 besuchte Premierminister Harold Macmillan Zypern, der Nachfolger von Anthony Eden nach dem Debakel von Suez. Auf seiner Reise kam es auch zu Treffen mit Soldaten:
Er stattete auch dem Dorf Lyssi einen Besuch ab, das einer zehntägigen Ausgangssperre unterlag, aber er sprach zu niemandem außer zu Soldaten und Polizisten, Als er ging, nahm er 10 Ausgaben von The Grenadier mit, einer Zeitschrift für Wachpersonal. In Versen wurde darin erklärt:
Sergeant Clerk is the Acorn’s clerk But is prone to get in rages: If the Wogs give any trouble He puts them into cages. (Sergeant Clerk neigt zu Wutausbrüchen, wenn die „Wogs“ Ärger machen, sperrt er sie in Käfige.)
Die Käfige waren die mit Stacheldraht umgegebenen Pferche, in denen Menschen auf ihr Verhör warteten – ein anderer Ausdruck dafür war ‚Laufställe‘; die ‚Wogs‘ waren natürlich die Zyprioten. Der Besucher schrieb auf eines der Magazine als Souvenir: ‚Mit den besten Wünschen von einem alten Grenadier – Harold Macmillan, Premierminister‘. 36)
Helen Fullerton gab einer anderen Meinung über die Taten der britischen Soldaten in ihrem Gedicht Cypriot Question Ausdruck. Im Februar 1956 hatten Soldaten in Famagusta das Feuer auf Studenten und Schüler eröffnet, wobei der 18jährige Petrakis Yiallouris durch eine Kugel aus dem Gewehr eines Soldaten getötet wurde. In dem Gedicht führt eine zypriotische Mutter ein imaginäres Gespräch mit der Mutter eines britischen Wehrpflichtigen:
In Famagusta, one February
morning
The market place and the streets were full
When crowds of children marched protesting
That General Harding had closed their school:
Then the British Army went into action
With baton charges and tear gas drill
And the children’s stones were met with bullets
For the troops had orders to ‘shoot to kill’.
Ah, British Mother, had you a boy
there?
No blame to him for the evil done
Or that a sorrowing Cypriot couple
Lost that day a beloved son
When at eighteen years, in the cause of freedom
Petrakis Yiallouris met his eclipse
Shot through the heart, by a conscript soldier,
‘Cyprus, Cyprus!’ upon his lips.
When the dockers heard it, they
struck in anger
And our shops were closed and our streets were still
And we drew around us our little children
Your troops had orders to ‘shoot to kill’;
But they feared Petrakis more dead than living
And they made us bury him out of sight
Fifty miles from the scene of the murder
In lashing rain and by lantern light.
Scotland’s hero, brave William
Wallace
They slew for the love he bore his land
And they shot James Connolly as he was dying
And made a mighty crown of the felon’s brand;
They make the widow, they make the orphan,
They shoot the children - it’s come to this:
But ah, British Mother, had they a quarrel
Your conscript laddie and our Petrakis?
Der militärische Konflikt endete in einem Patt, war aber trotzdem ein Sieg für die EOKA, da ein paar hundert Guerilleros mit der Unterstützung der Bevölkerung unbesiegt geblieben waren, obwohl sie auf dem Höhepunkt des Konflikts mehr als 40.000 britischen Soldaten gegenüber gestanden hatten. Jedoch sorgten der bittere Verlauf der Konflikts zusammen mit der britischen Strategie des Teile und Herrsche dafür, dass es kaum Chancen einer Einigung zwischen Griechen und Türken gab. Dadurch blieb das „unabhängige“ Zypern ein politisches Durcheinander, was sich nach der türkischen Invasion und illegalen Besetzung Nordzyperns noch verschlimmerte. Britannien war seinerseits mit dem Ergebnis sehr zufrieden, weil es zwei strategische Basen auf der Insel erhielt, wo während des Kalten Krieges auch auf die Sowjetunion gerichtete Nuklearraketen stationiert waren.
36) Legacy of Strife – Cyprus from rebellion to civil war, Charles Foley, A Penguin Special 1964

Bildunterschrift: Ein britischer Offizier liegt erschossen auf einer Straße auf Zypern
Im Jahr 1963 wurde Aden nach Malaysia, Kenia und Zypern zum nächsten Unruheherd. Die Region war 1838 zum ersten Mal unter britische Herrschaft geraten, als der Hafen von der British East India Company besetzt wurde, um die Schiffsrouten gen Osten zu sichern. Als Truppen nach Aden geschickt wurden, gab es keinen Wehrdienst mehr und die Armee bestand vollständig aus Berufssoldaten. Aber selbst jetzt waren einige Soldaten über die Handlungen, die man ihnen befahl auszuführen, verstört und hinterfragten die ihnen übertragene Rolle. So wie dieser Fallschirmjäger, der später über seinen Dienst folgendes berichtete:
Gegen Ende der korrupten britischen Herrschaft in Aden, einer Kolonie am Persischen Golf, stieg ich als RAF-Khormaxer aus dem Flugzeug. Als Sohn eines Bergarbeiters, der selbst Bergarbeiter gewesen war, hatte ich das Meer überquert, um Unteroffizier in einer der britischen Spezialeinheiten zu werden. In den vorangegangenen Wochen war ein propagandistischer Blitzkrieg auf uns niedergegangen, in dem wir rassistisch indoktriniert wurden, um in der Lage zu sein, eine Nation niederzumachen, die aus ‚undankbaren Kaffern‘ bestand, die die Hand bissen, die sie fütterte. Ich schäme mich, dass viele von uns das glaubten.
… Als Unteroffizier gab man mir einen Trupp Soldaten, einen Landrover für die Patrouillen und eine 007-Lizenz. Araber sollten bei Durchsuchungen an den Straßenkontrollstellen aufgemischt werden, so dass sie wussten, wer der Boss war. Es wäre die einzige Sprache, die sie verstünden, wurde uns gesagt. Natürlich mochte die einheimische Bevölkerung dies nicht und demonstrierte dagegen. Tatsächlich hatten diese ‚elenden Kaffer‘ eine Gewerkschaft und begannen zu streiken. So wurden wir zu Streikbrechern, indem wir Araber zusammenzutrieben, die den Streik brechen sollten.
Nachdem die Menschen ausgehungert und bedroht worden waren, nachdem die Anführer verhaftet und in Al Mansura, dem politischen Gefängnis, eingesperrt waren, nahmen die Arbeiter zögerlich die Arbeit wieder auf. Unsere Einheit wurde für ihre kompromisslose Vorgehensweise gelobt. Wir hatten einen der Anstifter verhaftet, der wohl ein ‚Extremist‘ war, denn er war ein militanter Gewerkschaftsführer. Wir verhafteten ihn zu einer angemessenen Zeit. Es war etwa zwei Uhr morgens, als ich die Tür eintrat und in die Hütte stürzte, um dort zwölf Menschen vorzufinden, die in einem Raum von etwa 12 mal 20 Fuß Größe schliefen.
Bei all dem Luxus konnte man klar sehen, dass er von ‚chinesischem Gold‘ finanziert wurde. Schließlich hatte er ja auch einen orangefarbenen Kasten als eine Art Schließfach neben dem Bett. Tatsächlich besaß er doch die Frechheit, sich in voller Höhe aufzurichten und zu fragen, welches Recht ich als britischer Soldat hätte, seine Tür einzuschlagen. Als wir ihn allerdings die Treppe so hinunter schleppten, dass sein Kopf gegen jede Stufe schlug, sagte er nichts mehr.
Nach solch heldenhaften Taten wurden wir zur Erholung landeinwärts stationiert, wo wir die Araber still halten sollten. Es gab bei Dhala zwei Lager, ein britisches, das etwa eine Meile von der Stadt an den Hängen des Jebel Jihaff lag. Etwa 400 Yards davon entfernt lag das arabische Lager, in dem die Armee des Landes stationiert war. Von der Abenddämmerung bis zum Morgengrauen herrschte ständig Ausgangssperre. Nach 18.00 Uhr gab es ein Feuerwerk aus Maschinengewehren, Minenwerfern und Kanonen im britischen Lager und Artilleriefeuer aus dem arabischen Lager. Angeblich ging es darum, nächtliche Ziele anzupeilen, aber eigentlich ging es mehr darum ‚Flagge zu zeigen‘. Eine beträchtliche Zahl von Schüssen streunte auch in die Stadt, um dies zu bekräftigen. Allerdings schien all dies die ‚Terroristen‘ nie abzuschrecken. In den meisten Nächten, auch dann wenn wir Patrouillen draußen hatten, erinnerten sie uns daran, dass sie noch da waren, indem sie schwedische Raketen und britische 84mm-Mörser auf uns feuerten. Die Waffenfirmen verkaufen an beide Seiten, wenn der Preis stimmt.
Unsere Taktik bestand darin, Patrouillen die Wadis (Täler) hinaufzuschicken, um die ‚Terroristen‘ bei Tageslicht herauszuschwemmen. Das war nicht sehr erfolgreich, da die Bevölkerung zum großen Teil antibritisch war. Während einer dieser Patrouillen begann mir klar zu werden, was wir hier eigentlich taten. Wir waren die Nacht durchmarschiert, um einen Jebel zu besetzen, den wir am nächsten Morgen durchkämmen wollten. Da wir eine kleine Gruppe von ca. sechs Mann waren, war es wichtig für uns, nicht beobachtet zu werden.
Kurz vor Tagesanbruch kamen wir um eine Ecke und sahen uns einem früh aufgestandenen arabischen Kamelhändler gegenüber, der nach seiner Herde sehen wollte. Wir ergriffen ihn und debattierten dann, was wir mit ihm tun sollten. Ich war der unerbittlichste und wollte seine Kehle durchschneiden. Meine Männer stimmten mir zu, und ich wollte es freiwillig tun. Die einzige Stimme, die sich zum Glück dagegen erhob, kam von einem jungen Offizier der gerade aus Britannien gekommen war. Aber neu oder nicht, er war mir übergeordnet. Der Kamelhändler hatte Glück und machte einen Tagesausflug mit dem britischen Kolonialreich.
Zurück in unserem Lager ließ der auf mir lastende Druck nach und ich fing an, über den Vorfall nachzudenken. Ich, ein ehemaliger Bergarbeiter, Sohn eines Bergarbeiters, hatte tatsächlich ein Messer in der Hand gehabt und wollte einem unschuldigen Mann die Kehle durchschneiden, nur weil er uns gesehen hatte. Ich war dabei, so korrupt zu werden wie der fette Emir, den wir an der Macht hielten. Ganz in der Nähe feuerte die Artillerie Phosphorgranaten. Unter normalen Umständen sollen diese Rauch zur Deckung produzieren, aber an der Luft und auf menschlicher Haut brennt Phosphor unaufhörlich, wenn nicht mit kaltem Wasser gelöscht wird. Diese Granaten detonierten in der Luft, so dass der Phosphor wie Regen auf jeden fiel. Und es gibt nicht viel Wasser in der Wüste.
… Ich war nicht traurig, als ich Aden verließ, denn ich begann die in der Armee herrschende Kaste in Frage zu stellen. Ich war auch nicht allein damit, denn als die BBC kam und die Soldaten fragte, für was sie gestorben wären, hätten sie bei ihrem Dienst in Aden ihr Leben verloren, sagten nur ein paar, die befördert werden wollten: ‚Wir beschützten die Einheimischen vor den Terroristen.‘ Die große Mehrheit antwortete einfach, aber ehrlich: ‚Für 10 £ pro Woche.‘ 37)
37) Socialist Worker, 17. Dezember 1977

Bildunterschrift: Ein britischer Soldat verhaftet in Aden einen Jugendlichen
Die entscheidende Schlacht wurde in der Stadt Aden geschlagen, wo die Soldaten auf eine durch und durch feindselige Bevölkerung stießen. Die Armee benötigte unbedingt Informationen, ganz besonders, nachdem die arabischen Spezialkräfte durch Attentate dezimiert worden waren. So wurde im Verhörzentrum Fort Morbut systematisch Folter eingesetzt. Außer fürchterlichen Schlägen wurden auch andere Methoden der Erniedrigung und Desorientierung benutzt. Häftlinge wurden nackt verhört, der Gang zur Toilette wurde ihnen verweigert, so dass sie ihre Zellen verschmutzen mussten, ihnen wurden der Schlaf und Nahrung entzogen. Dem Internationalen Roten Kreuz wurde der Zugang zu Gefangenen verweigert, einem Vertreter von Amnesty International ebenfalls.
George Lennox, ein Unteroffizier im Royal Army Ordnance Corps, stationiert in Aden während der letzten Jahre, in denen das Land unter britischer Herrschaft war, legte später dar, wie die Soldaten benutzt wurden:
Die meisten der Soldaten, die die Häuser durchsuchten, die die Leute dort verhafteten, erschossen und sogar folterten, stellten sich nie die Frage: ‚Warum mache ich das?‘. So denkt man nicht, wenn man in der Armee ist. Man hat keine Erfahrung darin, selbst zu denken, das ist ja einer der Gründe, warum man in die Armee geht. Und würde man eigenständig denken, käme man wahrscheinlich zu einer Reihe unbefriedigender Antworten und würde die eigene Rolle hinterfragen.
So ist es für die Politiker sehr einfach, Militär einzusetzen, um solche Aufgaben zu erledigen, wie es sie in Anden zu erledigen galt, nämlich jegliche politische Opposition auszuschalten. Weil Leute, die diese Arbeit zu tun haben und die selbst zu denen gehören, die getötet und verwundet werden, nie fragen, warum sie tun, was sie tun. Das war schon immer so.
Als wir in Aden waren, haben wir nie über die politische Situation dort gesprochen. Unser Bewusstseinsgrad bzw. unser Gesprächsniveau über die Bevölkerung von Aden blieb bei ‚Oh, diese verdammten Kameltreiber!‘ o.ä., was tatsächlich ja auch, wie ich meine, von jedem Armeeangehörigen so erwartet wurde. Uns wurde beigebracht, in Begriffen wie ‚Dies ist der Feind, den haben wir zu bekämpfen‘, zu denken und nie Fragen zu stellen. 38)
Trotz aller Unterdrückung und Repression erwies sich Aden letztlich als Fehlschlag für die Counterinsurgency-Methoden der Armee, und 1967 war Britannien schließlich gezwungen abzuziehen. Jedoch war es zu diesem Zeitpunkt in Oman schon stark involviert, wo Öl gefunden worden war: „Öl, nach dem man in den 1950er Jahre verstärkt gesucht hatte, wurde schließlich in kommerziell bedeutenden Mengen Anfang der sechziger Jahre entdeckt und die ersten Exporten fanden 1967 statt … Shell besaß einen Anteil von 85 Prozent am Öl in Oman.“ 39)
38) British Soldiers Speak Out on Ireland, Aly Renwick, Information on Ireland 1978
39) The Ambiguities of Power, Mark Curtis, Zed Books 1995

Bildunterschrift: Britische Soldaten "stoppen und untersuchen" die Bevölkerung in Aden
In Oman erhielten britische Truppen die Herrschaft eines despotischen Sultans aufrecht: „Das Regime in Oman war sehr repressiv und diente den Interessen des Sultans – seit 1932 mit britischer Unterstützung an der Macht –, seiner Entourage und den Briten. Die Kindersterblichkeit lag 1970 bei 75 Prozent, Folterungen waren in den Gefängnissen an der Tagesordnung und die Menschen lebten als Untertanen des Sultans völlig verarmt. 40)
Von Zeit zu Zeit kam es zu Revolten gegen die absolute Herrschaft des Sultans, aber britische Truppen waren immer zur Hand, um den Aufruhr niederzuschlagen. In den Jahren 1957 bis 1959 bombardierte die RAF Rebellendörfer, während die SAS einen Bodenkrieg gegen Guerrilla-Kämpfer führte. Ende 1965 forderte die Generalversammlung der Vereinten Nationen, dass die britische Armee abziehen solle und anerkannte das Recht Omans auf Selbstbestimmung. Aber die britischen Truppen hatten sich mittlerweile festgesetzt und Westminster war entschlossen, sie dort zu belassen.
Wegen der zweifelhaften Berechtigung des Einsatzes der britischen Truppen in einem Land, das nicht einmal Kolonie war, ging man zur Taktik der Abordnung über, d.h. zur zeitlich befristeten Abkommandierung von Soldaten an das Militär Omans, das von ehemaligen britischen Offizieren befehligt wurde. Oman war voll von britischen „Beratern“, Söldnern und abkommandierten Soldaten.
Ende der sechziger Jahre hatte Britannien rund 700 Soldaten, einschließlich eines SAS- Kontingents, RAF-Personal und private Söldner im Land. Die üblichen Methoden wurden eingesetzt, um Rebellen zu bekämpfen. Ein britischer Offizier erklärte: ‚…Wir brannten die Dörfer der Rebellen nieder und erschossen ihre Ziegen und Kühe. Jede Leiche eines Feindes, die wir entdeckten, wurde auf dem Marktplatz der Hauptstadt zur Abschreckung für jeden Möchtegern-Freiheitskämpfer zur Schau gestellt.‘ 41)
Im Jahr 1970 erlaubte der britische Zugriff auf den Staatsapparat Omans die Absetzung des alten Sultans zugunsten seines Sohnes, Qaboos, einem Sandhurst-Absolventen, zu betreiben. Angeblich „liberaler“ ist der neue Sultan aber nicht demokratischer als der alte und britische Streitkräfte sichern weiterhin seine Herrschaft.
40) The Ambiguities of Power, Mark Curtis, Zed Books 1995
41) Ebd., The Ambiguities of Power

Bildunterschrift: Britischer Wachposten oberhalb des Crater-Viertels von Aden
In den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg bestand die britische Armee aus Berufssoldaten und Wehrpflichtigen. Der Schriftsteller Alan Sillitoe meldete sich am Ende des Zweiten Weltkriegs freiwillig und erinnerte sich daran, welchen Typus von Wehrpflichtigen er in der RAF traf: „Regel war, dass man nie über Politik oder Religion sprach, ein sicheres Zeichen dafür, dass es nichts zu diskutieren gab. Ich traf Unterstützer der IRA und Kommunisten, Anarchisten, Rebellen und Nihilisten. Ich war zerrissen zwischen Hass auf das Leben, auf jenen engstirnigen barbarische Schweinehund, der versuchte, alles unnötig schwierig zu machen und den wir in der Regel als Abschaum der Erde betrachteten, und dem Interesse, das ich hatte, mit jungen Männern aus dem ganzen Land zu sprechen…“ 42)
Sillitoe, der vor seiner Einberufung Fabrikarbeiter und Gewerkschafter gewesen war, beschrieb seine politische Haltung als „extrem links“. Später war er dann in Butterworth in Malaysia und arbeitete als ausgebildeter Funker bei der Armee.
Meine diesbezüglichen Fähigkeiten wurden verlangt, als der sogenannte Notstand im Juni 1948 ausgerufen wurde. Ein Geschwader schwerer Lincoln-Bomber wurde von England geschickt, mit dessen Hilfe die kommunistische Guerilla aus dem Dschungel gejagt werden sollte. Dadurch wurde die Arbeit sehr hektisch, eine Arbeit die nun strikt gegen meine politische Überzeugung war.
Die Bomber dröhnten über den Dschungel und warfen ihre Ladung ab. Und wenn sie mich um Peilung baten, um ihre Position zu überprüfen, begannen die Koordinaten, die ich Ihnen zurückschickte, nicht akkurat genug zu sein. Nur ein halbes Grad daneben, was man so oder so nicht überprüfen konnte, bedeutete, dass sie ihre Ziele (die oft unter dem dichten Laubdach des Waldes nicht erkennbar waren) um viele Meilen verfehlten. 43)
Einige Soldaten in den Kolonialkriegen wurden so frustriert, dass sie ihre Offiziere dafür büßen lassen wollten. Charles Foley beschrieb einen Zwischenfall, der sich auf Zypern ereignete: „Vier Gefreite der Highland Light Infantry kamen vor ein Kriegsgericht wegen des bis dahin unbekannten Verbrechens, auf das Offizierskasino Handgranaten geworfen zu haben. Ihr Anwalt sagte, dass sie sich über die Privilegien der Offiziere und über ‚Frauenbesuche‘ geärgert hatten. Sie hatten per Los ermittelt, wer die Granaten werfen sollte.“
Viele Soldaten klagten oft über ihr Schicksal, wandten sich aber gewöhnlich nicht gegen die Ansichten ihrer Vorgesetzten. Sie leisteten ihren Dienst oft an exotischen Orten, fühlten sich aber von den Einheimischen wie auch aufgrund ihrer Situation von den Attraktionen dieser Orte abgeschnitten. Foley berichtete:
Zypern bedeutete für die britische Armee kaum mehr als eine Zeit der Langeweile, aus der die üblichsten Auswege die NAAFI und ein plötzlicher Tod waren. Letzten Endes bestand die Armee aus uniformierten Zivilisten, Jungs, die ihren Wehrdienst leisteten und zwei Jahre ihres Lebens damit verbrachten, Pflichten zu erfüllen, die häufig sinnlos erschienen. Alles innerhalb der Mauern von Nikosia war unerreichbar – der kurze Weg zur Milchbar, das Magic Palace Cinema, das Frolics Kabarett. Die Soldaten konnten nicht einmal die Ledra-Straße entlang gehen, um ein kleines Souvenir für Zuhause zu kaufen. Offiziere konnten dem englischen Klub beitreten oder die Tochter des Kommandeurs nach Kyrenia einladen. Aber die anderen Ränge hatten nichts anderes zu tun als in zugigen Zelten und Blechhütten zu sitzen und Briefe nach Hause zu schreiben. Die Monotonie wurde nur von Patrouillen und Operationen unterbrochen, die nicht nur langweilig, sondern auch gefährlich waren. Wenige Soldaten kamen mit Zyprioten in Kontakt, außer mit dem Mann, der die Waschhäuser reinigte; noch weniger trafen je ein Mädchen, außer der Sorte, die Steine warf. 44)
42) All Bull: The National Servicemen, B.S. Johnson, Quartet Books Ltd. 1973
43) Ebenda, All Bull: The National Servicemen
44) Legacy of Strife – Cyprus from rebellion to civil war, Charles Foley, A Penguin Special 1964

Bildunterschrift: Britische Soldaten setzen gegen Demonstranten in Aden Tränengas ein
Während des Zweiten Weltkriegs waren die Hierarchien in der Armee intakt geblieben, aber viele militante Antifaschisten waren in die Armee eingetreten, um Hitler zu bekämpfen. Sie taten ihr Bestes, um die Ansichten der Offiziersklasse zu untergraben. Es zirkulierten Bücher wie Jack Londons People of the Abyss und Robert Tressells The Ragged Trousered Philanthropists. Später gab es informelle Diskussionsgruppen, die, sofern sie erfolgreich waren, sich dann häufig nach dem Vorbild von Westminister parlamentarisch organisierten, um die Ängste ihrer Kommandeure zu beruhigen. In Äypten wurde das Cairo Parliament, in dem regelmäßig Hunderte von Soldaten diskutierten, so radikal, dass es von Offizieren abgeschafft wurde. Es waren Aktivitäten dieser Art, die zu der hohen Anzahl von Wählerstimmen für Labour unter ehemaligen Soldaten nach dem Krieg führten.
Im Fernen Osten kam es am Kriegsende zu einer Serie von „Streiks“ von britischen Wehrdienstleistenden. Sie waren vor allem der Langsamkeit der Demobilisierung geschuldet, aber einige Männer protestierten auch gegen die koloniale Rolle, die einige dieser Veteranen des Zweiten Weltkriegs nun zu übernehmen hatten. Zwischen 1939 bis 1945 waren tapfere Leute, die den Nationalsozialismus bekämpft hatten, weil sie ihn abscheulich fanden und ihr Land gegen die Besetzung verteidigen wollten, in die Armee gekommen. Die britische Armee war aus dem Krieg mit einer eindrucksvollen Zahl hochtechnisierter Waffen hervorgegangen. Ironischerweise kehrte sie dann wieder zu ihrer alten Rolle als Wächter des Empire zurück – in anderer Leute Ländern.
Als das rot dargestellte Empire in den Schulatlanten zu Hause allmählich schrumpfte, nahmen die Leute das kaum wahr – außer wenn neue Konfliktherde ihre Aufmerksamkeit erregten. Das Jahr 1968, ironischerweise das Jahr der Revolution genannt, war das erste Jahr seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs, in dem kein britischer Soldat irgendwo in der Welt im Einsatz starb. Bis zu diesem Datum hatte es an vielen Orten mehr oder minder schwere militärische Konflikte gegeben:
Genau ein Jahr später wurde britischen Soldaten befohlen, sich für einen möglichen Einsatz in Nordirland bereit zu machen – einigen wurde gesagt, „paddy bashing“ könnte notwendig sein. Viele Soldaten, vor allem die Veteranen vergangener Kolonialkriege, konnten sich nicht vorstellen, dass sie so nahe bei der Heimat auf so viel Widerstand stoßen würden. Aber in einem Teil von Britanniens ältester Kolonie, Irland, bahnte sich der längste Kleinkrieg im untergehenden Empire an.
Der verstorbene James Cameron war ein Journalist gewesen, der über viele der britischen Kolonialkonflikte berichtet hatte. Seine Berichterstattung war eine ehrenwerte Ausnahme vom üblichen chauvinistischen Stil. In einem Artikel über Nordirland, der 1975 im Guardian veröffentlich wurde, schrieb er wie folgt über vorangegangene Kleinkriege:
Ich habe einen Großteil meines Arbeitslebens damit verbracht zu beobachten, wie britische Gruppen von Orten abzogen, die sie nie verlassen sollten. Dies begann 1940, als Mr. Churchill darauf bestand, dass die Briten nie aus Indien abziehen könnten, und natürlich zogen sie ab. Eine große Anzahl verschiedener Kolonialminister stellten völlig klar, dass die britischen Truppen niemals Malaysia, Kenia, Zypern oder Aden verlassen würden. Alle diese Länder seien fester Bestandteil des britischen Herrschaftsbereichs, der nicht angetastet werden dürfe und geschützt werden müsse, und eines nach dem anderen wurden alle diese Länder aufgegeben, gewöhnlich mit dem Segen von einem der Royals niederen Ranges und viel Champagner.
In den meisten Fällen entließ man rebellische Nationalisten aus dem Gefängnis, oder Leuten wie Nehru, Nkrumah, Kenyatta, Makarios wurde in Windsor die rituelle Tasse Tee angeboten, und sie wurden zu Präsidenten. Am Ende wurde die Sache schematisch abgehandelt, obwohl dieser Prozess sehr viele Leben zerstörte, wie auch Zeit und Geld kostete. Und so weit ich weiß, lief es immer nach dem gleichen Schema ab: Wir werden nicht abziehen; wir müssen abziehen; wir sind abgezogen. Zu keinem Zeitpunkt in unserer Kolonialgeschichte ergab ein Ereignis den Präzedenzfall für das kommende, nur im Fall der Aussage, dass wir nie abziehen würden, war das so, die immer die vorletzte Ansage war. 45)
Ab 1945 setzten britische Regierungen Militär ein, um die Forderungen nach Freiheit von Seiten nationaler Bewegungen in den britischen Kolonien zu unterdrücken. Was dabei geschah, wurde oft verheimlicht und/oder durch tendenziöse Berichterstattung verzerrt dargestellt. So entwickelte sich für die meisten Briten eine verheimlichte Geschichte. Wie auch die viktorianischen Kriege, in denen das Empire entstand, von chauvinistischen und propagandistischen Wellen begleitet waren, folgte auch der Niedergang diesem Muster. Während dieser Konflikte übernahm das Kino (später das Fernsehen) die Funktion der Musikhallen, und spielte zusammen mit der Presse genüsslich die Rolle der imperialen Cheer Leader.
Gefangen in einem von den Medien gesponnenen Netz – „Unsere Jungs leisten gute Arbeit unter schwierigen Bedingungen“, „Friedenstruppen“ unter „Banditen“, „Extremisten“ und „Terroristen“ – stellten die Leute zu Hause selten irgendwelche Fragen. Die Wahrheit war eine ganz andere, da es in diesen „Kleinkriegen“ um Macht, Hegemonie, Rohstoffe, billige Arbeitskräfte und Profite ging – es wurden in ihnen Einschüchterung, Internierung, Folter und Massenmord systematisch eingesetzt, um „britische Interessen“ zu schützen.
45) Guardian, 2. Juni 1975

Bildunterschrift: Geh zur Armee, reise in exotische, weit entfernte Länder; triff aufregende, ungewöhnliche Menschen und bring sie um
Übersetzung:
(sib) Irlandinitiative Heidelberg, 9. November 2009,
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