Irische Geschichte / Irish History


Olivers Armee - eine Geschichte von britischen Soldaten in Irland und in anderen Kolonialkonflikten

Deutsche Übersetzung


Kapitel 1 - Auf dem Weg zum Empire

Im Norden Irlands erkundeten englische Soldaten die ihnen fremde Gegend, die ihre Forts umgaben. Regelmäßig sandten die Offiziere Patrouillen aus, um ihren unsichtbaren Feind auszumachen. Die Soldaten wurden oft schwer bedrängt, hatten gewöhnlich die Nase voll und sehnten sich nach dem Tag, an dem sie nach Hause konnten. Dort in London murrten die, die besser dran waren, über Verschmutzung, Straßenkriminalität, die Armen und Obdachlosen und über die Kosten des Krieges in Irland. Dies waren einige der Sorgen, die vor 400 Jahren im England von Elisabeth I. herrschten.

Seit dem 12. Jahrhundert waren Bewaffnete von Britannien über die enge Wasserstraße, die irische See heißt, gereist, auf der Suche nach Eroberungen und um in Irland Krieg zu führen. Bis zu der Zeit hatte sich in Irland eine starke gälische Gesellschaft mit eigenen Gesetzen, eigenständiger Religion, Kultur und Sprache entwickelt.

Irlands isolierte Lage sorgte dafür, dass jeder, der dort eindringen wollte, eine staatliche Struktur entwickeln musste, die es ermöglichte, große militärische Verbände aufzustellen und zu unterhalten, sowie eine Seemacht benötigte, um dieses Militär zu transportieren und zu versorgen, bevor eine dauerhafte Invasion stattfinden konnte.

Auch wenn sie erfolgreich waren, wurden die Invasoren oft assimiliert und übernahmen die Kultur der einheimischen Bevölkerung. Die Iren, die hart um ihre Unabhängigkeit kämpften, waren nicht leicht zu unterwerfen und die irische Geschichte war in der Folge gekennzeichnet von Eroberung und Widerstand.

Oliver's Armee - Kapitel 1 Bild 1

Die Normannen

Im neunten und zehnten Jahrhundert hatten die Wikinger aus Norwegen und Dänemark Teile Englands, Schottlands, Wales und Irlands überfallen und kolonisiert. Es entstanden dauerhafte Konflikte zwischen Teilen der Wikinger und Anführern der einheimischen Bevölkerung. Die Dänen hatten sich auch im Nordwesten Frankreichs festgesetzt, und 1066 erhob William, Herzog der Normandie, seinen Anspruch auf den englischen Thron. Er landete mit einer großen Armee bei Hastings.

Nach der Niederlage des englischen Königs Harold begannen die 'Northmen' (Normannen), ihren Machtbereich in ganz England auszuweiten und auch große Teile Schottlands und Wales zu beherrschen. Die Normannen führten eine überlegene feudalistische Ordnung ein, die zur effizientesten Form von Verwaltung, Gerichtsbarkeit und Lehnsherrschaft nach römischer Zeit wurde.

Dieses System von 'Overlords' und Vasallen bedeutete für die Bauern erdrückende Sklaverei, während Barone und Monarchie ihren Landbesitz konsolidierten und ihre Vorherrschaft rücksichtslos durchsetzten. Die Normannen beseitigten jegliche Opposition. In England absorbierten sie die alte Ordnung, die bereits hierarchisch gewesen war, oder formten sie entsprechend dieser neuen Klassenstrukturen um.

Die Anglo-Normannen drangen zum ersten Mal 1169 in Irland ein; im nächsten Jahr folgte Richard FitzGilbert de Clare (Strongbow) mit 200 Rittern und 1200 bewaffneten Männern. Für die Eroberung Englands hatte William päpstliche Zustimmung erhalten. Auch die Invasion in Irland hatte den Segen des in England geborenen Papstes Adrian IV. bekommen, der wollte, dass die religiösen Praktiken in Irland auf die Linie Roms gebracht würden.

Die Anglo-Normannen, die sich geschickt darin erwiesen, Spaltungen unter denen, die sie erobern wollten, zu instrumentalisieren, benutzten die Bitte des abgesetzten irischen Herrschers von Leinster, Dermot Mac Murrough, um militärische Unterstützung bei der Zurückeroberung seines Landes, zur Einsetzung von Strongbows Gruppen. Im Jahr 1171 brachte König Henry II. weitere 500 Ritter und 4000 Bewaffnete nach Irland, weil er sicherstellen wollte, dass die Invasion unter seiner Kontrolle stattfand.

Während der nächsten zwei Jahrhunderte fiel man immer wieder in Irland ein. Die Anglo-Normannen setzten sich in vielen Gebieten fest, bauten Forts, später Burgen, um das eroberte Land zu beherrschen. Ihre gepanzerten Ritter waren auf ihren Pferden äußerst mobil und, unterstützt von Bogenschützen, besiegten sie mit aggressiver Taktik oft auch größere Armeen.

Unter den Baronen stritten sich verschiedene Fraktionen um den Königstitel. Man kämpfte auch häufig untereinander wegen Land, Ehre und für und gegen die Anordnungen und Interessen des Königs. Im Jahr 1215 zwang eine Gruppe rebellierender Barone in Runnymede in Surrey König John die Articles of the Barons zu unterzeichnen. Diese Magna Carta, die den König verpflichtete, die Privilegien der Barone zu beachten und sie in Fragen der Besteuerung zu hören, war eine der ersten Einbrüche in die "göttlichen Rechte" von Königen.

Es fanden auch häufig Revolten der einheimischen Bevölkerung gegen das feudale ‚normannische Joch' statt, vor allem gegen Leibeigenschaft, überhöhte Steuern, ein korruptes Rechtssystem und die Vertreibung der Armen von öffentlichem Land durch eine Aristokratie, die darauf aus war, sich für ihren privaten Profit große Ländereien zu sichern. Die Erinnerung an diesen Widerstand ging in England in Heldenlegenden wie Robin Hood ein.

Im Jahr 1381 revoltierten Arbeiter und Bauern aus Essex und Kent gegen eine neue Kopfsteuer und marschierten nach London. John Ball, ein radikaler Priester, fragte, warum es Lords und Vasallen geben solle:

"When Adam delved and Eve span,
who was then the Gentleman?"

 (Als Adam grub und Eva spann, wo war da der Gentleman?)

Ball erklärte damals den Rebellen: "Freunde, die Dinge können in England erst gut werden, wenn alles gemeinsamer Besitz ist; wenn es keine Vasallen und keine Lords gibt; wenn die Lords keine größeren Herren sind als wir selbst." Einige Steuereintreiber und Adlige wurden umgebracht, aber die Revolte wurde niedergeschlagen, nachdem ihr Anführer, Wat Tyler, getötet worden war. John Ball wurde gefangen, gehängt und gevierteilt  aber die Kopfsteuer wurde aufgehoben.

Oliver's Armee - Kapitel 1 Bild 2

Das Statut von Kilkenny

Das größte Problem der Anglo-Normannen in Irland war  neben dem immer präsenten militärischen Widerstand  die Tatsache, dass neue hinzukommende Invasoren immer feststellen mussten, dass viele ihrer Vorgänger zu Einheimischen geworden waren. Das gälische Leben und die irische Art erwiesen sich für viele Neuankömmlinge als verführerisch, vor allem für solche, die isoliert in der wilden Landschaft lebten. Mit dem Statut von Kilkenny, das verordnete, dass Invasoren und Einheimische zu trennen und voneinander fern zu halten seien, versuchte die von dem Assimilierungsprozess alarmierte englische Verwaltung 1366 diese Assimilierung zu verhindern. In der Präambel des Statuts wurden folgende Rechtfertigungsgründe für diese apartheidähnlichen Gesetze genannt:

"Viele der Engländer in Irland verwarfen die englische Sprache, ihre englische Art, die Art zu reiten, englische Gesetze und Gebräuche und lebten nach der Art und Mode wie auch mit der Sprache des irischen Feindes. Auch heirateten Iren und Engländer untereinander, wobei die Ländereien und die Lehnsgüter, die englische Sprache, die Loyalität zu ihrem Herrn, dem König von England, und zu den englischen Gesetzen weichen mussten bzw. verfielen. So wurden die irischen Feinde verherrlicht und erhöht, gegen alle Vernunft."

Mischehen wurden zum Kapitalverbrechen und Engländern wurde es verboten, soziale oder geschäftliche Kontakte mit den einheimischen Iren zu unterhalten oder gar ihre Sprache zu sprechen. Viele ‚Vergehen' wurden zu ‚Hochverrat' erklärt und die Strafe dafür war Erhängung und Vierteilung. Trotz dieser Gesetze bestand die Assimilierung weiter, vor allem außerhalb der Städte.

Integration war allerdings keine Einbahnstraße, und während viele Invasoren halbirisch wurden und mehrere Dynastien herrschender anlgoirischer Familien entstanden, fingen importierte Praktiken allmählich an, die gälische Lebensweise zu ersetzen. Einige der irischen Herrscher waren bereit, Teile des Clansystems aufzugeben, wie z.B. kooperative Landwirtschaft and gemeinsamer Landbesitz, und die irische Kirche, die eine harmonischere Beziehung zu Rom wollte, verkündete Erlasse, nach denen das irische Sozialsystem dem des restlichen Europas angeglichen werden sollte.

Ursprünglich hatten die Anglo-Normannen ihre Eroberungskriege gerechtfertigt, durch Verunglimpung der Iren gerechtfertigt, und so geschah es auch in den nachfolgenden Jahrhunderten:

Im Jahr 1183 schrieb ein Mönch mit Namen Giraldus Cambrensis, ein Mitglied der wichtigsten normannischen Familien, die Irland kolonisierten, ein Buch mit dem Titel Geschichte und Topographie Irlands. Es war ein Roman, der die normannische Eroberung Irlands rechtfertigen sollte. Dementsprechend beschuldigte Cambrensis die Iren verschiedener Laster wie Faulheit, Verrat, Blasphemie, Götzendienst, Ignoranz gegenüber dem christlichen Glauben, Inzest und Kannibalismus.

Für die nächsten 500 Jahre war dieser bizarre und erfundene Bericht bemerkenswerterweise die Hauptstütze für die englische Haltung gegenüber Irland. Er war die ideologische Grundlage in der elisabethanischen Zeit, als man Siedler nach Irland brachte.1)

Verunglimpfung, verbunden mit Hetze, und Unterstützung der Trennung von Siedlern und Einheimischen, ist seitdem ein wesentlicher Bestandteil der britischen Politik gegenüber Irland.

1) The New Internationalist, Nr. 255/Mai 1994, im Artikel „The Riotous and the Righteous“

Oliver's Armee - Kapitel 1 Bild 3

Die Besiedlungspolitik der Tudors

Im Jahr 1485 besiegte Henry Twdwr (Tudor) vom Haus Lancaster König Richard III. aus dem Hause York bei Bosworth. Damit endete die dreihundertjährige Herrschaft der Plantagenet, während derer die Normannen allmählich eine englische Elite gebildet hatten, aber auch den größten Teil ihrer Landes in Frankreich verloren hatte. Der siegreiche König Henry VII. beeilte sich, seine Macht in England zu festigen. Während der nächsten hundert Jahre wurde die regionale Macht der Barone geschwächt und in London unter den Tudors die Zentralmacht konsolidiert.

Schließlich richteten sich die Augen wieder nach Irland, das damals geteilt war. Auf der einen Seite waren die Gebiete der loyal zum König in London stehenden "English Pale", Land, das meistens unabhängigen angloirische Lords gehörte, auf der anderen Seite die Gebiete, die von der gälischen Aristokratie auf irische Weise regiert wurden. König Heinrich VIII. beschloss 1541, dass von nun an kein Teil Irlands mehr als Ausland anzusehen sei. Er erklärte sich zum König von ganz Irland und verlangte, dass sich die angloirischen Lords und alle gälischen Könige, Prinzen und Adlige ihm unterwarfen.

Die ursprünglichen BrehonGesetze und die gälischen Titel sollten abgeschafft und die irischen Adligen, die sich unterwarfen, englische Lords werden. Heinrich VIII. hoffte, dass aus Gier bzw. Furcht alle irischen Herrscher gewillt wären, feudalistische Regeln zu übernehmen, vor allem das Erstgeburtsrecht, das ihnen erlauben würde, Landbesitz in ihrem eigenen Namen zu erwerben und zu behalten. Ihre ältesten Söhne, also die Erben, sollten dann auf englische Art erzogen werden. Wäre die irische Aristokratie dann absorbiert und der wilde Rest der irischen Bevölkerung unterworfen, könnte man die gälische Sprache und Kultur vollends ausrotten.

Zunächst schien auch alles nach Plan zu laufen. Eine Prozession sich ergebender gälischer Aristokraten machte sich auf den Weg zu Heinrichs Lieblingpalast in Greenwich. Sie wurden zu Baronen und Earls ernannt. Das Land der Clans erhielten sie zurück als Landbesitz, der entsprechend feudaler Gesetze und unter Kontrolle der Tudors verwaltet werden sollte. Allerdings konnte unter den noch existierenden irischen Gesetzen jeder Herrscher, der nicht das Wohl seiner Leute förderte, rechtmäßig abgesetzt werden. So kam es, dass in ganz Irland aus England zurückkehrende Adlige verjagt und durch Leute ersetzt wurden, die sich nicht unterworfen hatten.

Da die englische Verwaltung Irlands weiterhin durch irische Gesetze und Praktiken behindert wurde, ersann man eine Siedlungspolitik, die während der Regentschaft von wurde beschlossen, dass zwei irische Grafschaften, Offaly und Leix, zukünftig King's bzw. Queen's County heißen sollten; dort sollten Siedler ansässig gemacht und die Counties (Grafschaften) der englischen Regierung unterstellt werden. Soldaten wurden geschickt, um die Einheimischen vom Land zu vertreiben. Wer sich wehrte, wurde vernichtet.

Marias Nachfolgerin, Königin Elisabeth I., ebenfalls eine Tochter von Heinrich VIII., führte diese Politik weiter und beauftragte Männer wie Humphrey Gilbert mit der Ausführung der ethnischen Säuberungen. Gilbert, erzogen in Eton und Oxford, erhielt die Kontrolle über Munster und führte die ‚Befriedung' dieser Provinz durch. Thomas Churchyard berichtete in seinen General Rehearsal of Wars über Gilberts Methoden:

"Er ließ die Köpfe all derer, die während des Tages getötet worden waren, abschneiden und zu seinem Lager bringen. Dort wurde aus ihnen ein Spalier gebildet, das zu seinem Zelt führte, so dass jeder, der zu ihm wollte, durch dieses Spalier aus Köpfen gehen musste, das er zur Abschreckung benutzte…..; es versetzte die Menschen in Angst und Schrecken, wenn sie die Köpfe ihrer getöteten Väter, Brüder, Kinder, Verwandten und Freunde sahen, die da vor ihnen lagen, wenn sie kamen, um mit dem Colonel zu sprechen." 2)

Die ‚befriedeten' Gebiete wurden dann mit Siedlern bevölkert. Bei seiner Rückkehr nach England wurde Gilbert für seine Taten, die er im Auftrag der Krone in Irland begangen hatte, zum Ritter geschlagen. Später versuchte Gilbert zusammen mit seinem Halbbruder Walter Raleigh, in Nordamerika englische Kolonien zu gründen. Raleigh erhielt als Belohnung für seine militärischen Dienste in Irland 40.000 Acre an beschlagnahmtem Land. Er wurde ebenfalls nach seiner Rückkehr zum Ritter geschlagen und machte sich für die Gründung von Kolonien in Übersee stark, was, wie er behauptete, die Arbeitslosigkeit zu Hause reduzieren, die überzählige Bevölkerung aufnehmen sowie den Handel ankurbeln würde.

2) Who’s Who in Tudor England, by C. R. N. Routh, Shepheard-Walwyn 1990.

Oliver's Armee - Kapitel 1 Bild 4

Rechtfertigung und Widerstand

Ein anderer englischer Soldat, Sir William Pelham, schrieb, dass er auf seinem Marsch von Dublin nach Limerick durch Rebellenland gekommen sei und dass sie dort alle Behausungen verbrannt wie auch die Leute getötet hätten, wo immer sie sie gefunden hätten. Zurück in England versuchte Robert Dudley, Earl of Leicester und enger Freund Elisabeths I., diesen brutalen Völkermord zu rechtfertigen: "Gegenüber zivilen und geschickten Menschen sollte gemäßigt Krieg geführt werden, aber Wilde ……… sollen nur durch Gewalt und Furcht bezwungen werden."

Die Siedlungen, die sich wie ein Flickenteppich über Irland zogen, kämpften mit vielen Schwierigkeiten; einige der Siedler integrierten sich bei den Einheimischen, die allmählich einen großen Teil ihres Landes zurückgewannen. Gegen Ende des Jahrhunderts wurde die Provinz Ulster zum Kernland irischen Widerstands. 1594 erhob sich eine große Allianz nordirischer Clans unter Hugh O'Neill (Earl of Tyrone) gegen England. O'Neill, in England erzogen, hatte zuvor auf Elisabeths Seite gekämpft, und die empörte Königin stellte eine große Armee auf, um die Iren zu unterwerfen.

Tyrones Rebellion war der erste moderne englische Kolonialkrieg. Der Feind hatte alle Qualitäten und Vorteile von Aufständischen: Mobilität, Vertrautheit mit dem Land, die Fähigkeit, mit der Bevölkerung zu verschmelzen. Irland wurde das Grab für die militärische Reputation mancher, einschließlich derer des genialsten von allen, des Earl of Essex, Elizabeths jungem Favoriten.3)

Robert Devereux, der zweite Earl von Essex,, brachte die größte Armee nach Irland, die das Land je gesehen hatte. Da er zwar die Rechte eines stellvertretenden Regenten hatte, aber keine militärische Überlegenheit, beschrieb Essex in einem Brief an Elisabeth die Probleme, denen er und seine 20.000 Soldaten sich gegenübersahen: "Ihre (der Iren) Rebellion hat nur das eine Ziel, das Joch der Gehorsamspflicht gegenüber Ihrer Majestät abzuschütteln und in diesem Königreich alle Erinnerung an die englische Nation zu beseitigen. Ich sage dies über die Leute im allgemeinen, da ich nicht nur feststellen muss, dass der größte Teil davon befallen ist, sondern dass es allgemein so ist. Und die, die es nicht bekunden, sind entweder so wenige oder so falsch, dass es nichts in Gewicht fällt."4)

Essex erlitt bei seinem Versuch, den Aufstand zu unterdrücken, eine Reihe von Rückschlägen und verlor viele Soldaten durch Krankheit und Fahnenflucht. Desillusioniert schrieb er wieder an seine Königin: "Verdienen meine geleisteten Dienste nicht mehr als Verbannung und Ächtung im verfluchtesten aller Länder?" Nachdem er mit O'Neill einen von der Königin nicht autorisierten Vertrag geschlossen hatte, machte sich Essex auf den Heimweg und konfrontierte Elisabeth direkt damit. Sie stellte ihn wütend unter Hausarrest. Essex nahm später an einer halbherzigen Rebellion gegen Elisbeth teil, die ihn den Kopf kostete.

3) Britain and Her Army 1509-1970, by Correlli Barnett, Penguin Books 1970

4) An Itinerary, by Fynes Moryson, from the early 17th century

Oliver's Armee - Kapitel 1 Bild 5

Verbrannte Erde

Nach Essex kam Charles Blount, Lord Mountjoy, nach Irland, der eine rücksichtslose "Politik der verbrannten Erde" betrieb. Männer, Frauen und Kinder wurden getötet, Dörfer und Häuser verbrannt, Nahrungsmittel und die Ernte zerstört und das Vieh getötet. Noch mehr Iren starben am darauf folgenden Hunger und die hungernden Überlebenden konnten nicht mehr weiterkämpfen. Sir Arthur Chichester sandte seine Meldung an Mountjoy über die Verfolgung von O'Neill bei Lough Neagh: "Wir haben entlang des Sees alles getötet, niedergebrannt und zerstört ……. wir haben dabei mehr als 100 Leute getötet ….. wir schonen niemanden, egal wer es ist und das hat bei dem Volk großen Schrecken ausgelöst …. Zuletzt sind wir gegen Patrick O'Quin vorgegangen, dessen Haus und Stadt verbrannt wurden, Frau, Sohn, Kinder und seine Leute wurden erschlagen …."

Die Iren wurden 1601 in der Schlacht von Kinsale besiegt und zwei Jahre später kapitulierte O'Neill. Im Jahr 1607 floh O'Neill in der "Flucht der Earls" (Flight of the Earls) mit vielen anderen Anführern ins Ausland. Der moderne Militärhistoriker Corrrelli Barnett schrieb über Mountjoy's Feldzug: "Innerhalb von drei Jahren war die Rebellion, die seit 1593 schwelte, beendet. Es hat nie bessere Methoden gegeben als die, die Mountjoy anwendete; tatsächlich wurden sie bis zum heutigen Tag von allen europäischen Armeen in der ganzen Welt angewandt."5)

Mountjoy erfand auch andere Taktiken, die bis heute noch so oder ähnlich angewandt werden. Er trainierte einige seiner Männer, in kleinen Gruppen zu kämpfen, um die Iren zu jagen und zu drangsalieren, die ihrerseits eine sehr erfolgreiche Art von Guerillakrieg gegen seine überlegenen, aber unbeweglichen Truppen führten: "Er setzte ihnen (den Iren) mit leichten beweglichen Trupps zu, die den ihren an Beweglichkeit gleichkamen. Seine mobilen Operationen bewegten sich in einem Netz von befestigten Städten und neuen Forts, die die Rebellen nicht einnehmen konnten."6) Viele dieser Befestigungen befanden sich an den gleichen Plätzen wie die, die seit 1969, vier Jahrhunderte später, in Nordirland errichtet wurden und von denen aus britischen Soldaten in einer ähnlichen Weise operierten wie Mountjoys Truppen damals.

5) Britain and Her Army 1509-1970, by Correlli Barnett, Penguin Books 1970

6) Ibid – Britain and Her Army 1509-1980, by Correlli Barnett, Penguin, Books 1970

Oliver's Armee - Kapitel 1 Bild 6

Steuern und Wehrpflicht

Den Menschen in England erschienen die Revolten eine spezifisch irische Angelegenheit zu sein, und die Regierung benutzte ständig antiirische Propaganda, um die fortwährenden Kriege zu rechtfertigen. Man nannte die Iren "Bestien, ohne Gesetz und Ordnung" and beschrieb ihre Sitten als brutal. Als für den Krieg immer mehr Geld erforderlich war, erhöhte Elisabeths Regierung die Steuern.

Die Kosten für die englischen Feldzüge in Irland erreichten schwindelerregende Höhen. Vor 1585 gab es im elisabethanischen Finanzsystem beeindruckende Verbesserungen. Während der letzten eineinhalb Jahrzehnte von Elisabeths Herrschaft verschlechterte sich die Situation, wobei das Hauptproblem die fast zwei Millionen Pfund für Irland waren. Auch mit Ausgaben in dieser Höhe konnte Irland nur erobert, nicht aber befriedet werden.7)

In Friedenszeiten hatte Elisabeths Regierung mit einem kontrollierbaren Budget gearbeitet, aber die Kriege mit Spanien und Irland erhöhten die militärischen Ausgaben drastisch  sie belasteten die Wirtschaft und führten zu immer höheren Steuern. Die Armen in England hatten durch diese Kriege und Eroberungen wenig zu gewinnen, aber viel zu verlieren, da die Steuerlast sie am meisten traf:

Die Verpflichtungen der Regierung nahmen ständig zu  bei der Aufrechterhaltung von Recht und Ordnung, der Unterwerfung Irlands, der Aufrechterhaltung der Marine. Die Kosten stiegen auch in den traditionellen Bereichen  Musketen und Kanonen ersetzten Pfeil und Bogen, die Schiffe wurden größer und die Staatsbediensteten mehr.

… Bis 1588 betrugen Elisabeths Staatseinkünfte gewöhnlich ca. 250.000 Pfund pro Jahr …. In den vier Jahren 15991603 kostete der irische Krieg allein 1.131.000 Pfund … Wie schon früher wurden unter Elisabeth in Kriegszeiten ohne Umschweife die Steuern erhöht.

..."Die Armen sind in Bedrängnis, weil sie erdrückt werden von Steuern', sagte Fulke Greville 1593. "Wären sich die Armen ihrer Stärke so bewusst wie wir uns ihrer Unterdrückung bewusst sind, würden sie das so nicht dulden."8)

Als für verschiedene Konflikte immer mehr Männer gebraucht wurden, forderte der Krieg von den Armen nicht nur höhere Steuern. Ausnahmslos kam die Masse der Soldaten von den einfachen Leuten; Männer und Jugendliche wurden oft zum Wehrdienst gezwungen.

Während der letzten 18 Jahre von Elisabeths Regentschaft wurden 105.810 Männer für den Kriegsdienst in den Niederlanden, Frankreich, Portugal und Irland eingezogen. Die Aushebung für Irland nach 1595 war es, die den größten Unmut auslöste. Im Jahr 1600 kam es während des Sommers in der Nähe von Chester fast zur Meuterei der Kavallerie von Kent, die unterwegs nach Ulster war. Erbarmungslos wurden Menschen eingezogen; zwischen 1591 und 1602 wurden ca. 6.000 Männer aus Kent zum Kriegsdienst verpflichtet, zu einer Zeit, als die Gesamtbevölkerung von Kent nicht mehr als 130.000 Personen betrug.9)

Armeen wurde in ganz England ausgehoben und die Rekruten wurden gewöhnlich grob behandelt, schlecht versorgt und ernährt und erhielten wenig Geld  wenn sie überhaupt welches bekamen. Schon bevor sie Irland erreichten, äußerte sich der Unmut vieler Soldaten in ihrem Verhalten. Gegen Ende 1569 warteten in Bristol 800 Soldaten darauf, nach Irland eingeschifft zu werden: "Die Soldaten, die in Bristol auf günstigen Wind warteten, waren so renitent, dass die Bürger von Bristol vor allem in der Nacht auf den Straßen nicht sicher waren. Viele Schlägereien fanden statt, wobei es den Soldaten immer noch am schlechtesten ging."10)

Einmal in Irland ließen die Soldaten oft ihre Frustration an den einheimischen Iren aus, die sie jagten und erschlugen wie wilde Tiere. Viele Soldaten starben an Krankheiten und Fieber in den Mooren und dichten Wäldern wie auch bei Überfällen und Angriffen der Iren. Die meisten wollten nicht in Irland dienen und versuchten oft, den Kriegen zu entkommen: "Irland war bei den englischen Soldaten nicht beliebt: Die, die konnten, desertierten vor der Einschiffung, während ihre Offiziere viele Ausflüchte erfanden, warum sie aus wichtigen privaten Gründen nach England zurückkehren müssten."11)

Die Ballade A Lanthorne for Landlords stammt aus dem 16. Jahrhundert. Sie erzählt die Geschichte eines Soldaten, der in Irland diente, und was mit ihm und seiner Familie geschah:

Not long agoe in Lincolne dwelt,

As I did understand,

A labouring man, from thence set forth to serve in Ireland:

And there in Princes' warres was slaine, As doth that Country know,

But left his Widdow great with child as ever she could goe.

 

This woman having gone her time,

Her husband being dead,

Of two fine pretty Boyes at once

was sweetly brought to bed;

Whereat her wicked Landlord straight

Did ponder in his minde

How that their wants hee must relieve,

and succour for them finde:

 

For, being borne upon his ground,

This was his vile conceit,

That he the mother should maintaine,

and give the other meat;

Which to prevent, he hyed fast

Unto this widdow poore,

And, on the day she went to Church,

he turn'd her out of doore.

 

Her household goods he 'straynd upon,

To satisfie the rent,

And left her scarce a ragge to weare,-

so wilfull was he bent.

Her pretty Babes, that sweetly slept

Upon her tender brest,

Were forced, by the Miser's rage,

by nights in streets to rest.

 

Quoth she, "My husband, in your cause,

In warres did lose his life;

And will you use thus cruelly

His harmlesse wedded wife?

O God! revenge a widdowes wrong!

That all the world may know

How you have forst a Souldier's wife

a begging for to goe".

 

7) The Problem of Ireland in Tudor Foreign Policy 1485-1603, by William Palmer, The Boydell Press.

8) Reformation to Industrial Revolution, by Christopher Hill, Weidenfeld and Nicolson 1967.

9) Tudor England, by John Guy, Oxford University Press 1990.

10) The Landscape of William Shakespeare, by Michael Justin Davis, Webb and Bower 1987.

11) Britain and Her Army 1509-1970, by Correlli Barnett, Penguin Books 1970

Oliver's Armee - Kapitel 1 Bild 7

Die Reformation

Die protestantische Reformation fegte über Europa, als der Feudalismus allmählich durch den bourgoisen Kapitalismus ersetzt wurde. In vielen Ländern war die katholische Kirche zu einer Hauptkraft des Feudalismus geworden und stellte einen reichen und korrupten Teil des Staatsapparats dar. Der "Wille Gottes", der einen großen Teil des Lebens der Menschen bestimmte, wurde in der alten Ordnung durch Päpste, Monarchen und einen Apparat von Kirchenvertretern verkündet. Die in der neuen Religion implizite Idee, dass ein einzelner Mensch eine direkte Beziehung zu Gott haben und den göttlichen Wille selbst interpretieren könne, war revolutionär und drohte eine Zeitlang, die Welt auf den Kopf zu stellen.

In England etablierte sich nach und nach der Protestantismus, nachdem sich König Heinrich VIII., der seine eigenen Gründe für die Verwerfung des Papsttums hatte, von Rom abwandte und sich selbst an die Spitze der Kirche setzte. Aber Heinrich, der die Radikalität fürchtete, die die neue Religion anderswo gezeigt hatte, stellte sicher, dass die neue reformierte Kirche ein integrierter Bestandteil des TudorStaates wurde. Maria Tudor drohte während ihrer kurzen Regentschaft, die katholische Kirche wieder in ihre alten Rechte einzusetzen, aber unter Elisabeth I. konsolidierte sich der Protestantismus.

Als die neue Religion in England zur herrschenden wurde, wurden in bitteren Kämpfen dafür und dagegen viele "Märtyrer" geschaffen. Patriotismus wurde eingepeitscht, um "Verschwörungen der Papisten" zu bekämpfen; die Unterstützung des Protestantismus wurde gleichbedeutend mit nationaler Sicherheit. Sir Francis Walsingham, ein verbissener Protestant, wurde zum staatlichen Spionagechef, dem zu Hause und im Ausland viele Agenten unterstanden, einschließlich des Bühnenautors Christopher Marlowe. Eine Zahl von Strafgesetzen gegen Katholiken wurden in Kraft gesetzt, von denen einige noch heute in modifizierter Form in den Gesetzbüchern stehen.

In Irland jedoch behielt die katholische Kirche die Unterstützung des Volkes; Religion gewann hier eine besondere Bedeutung  aufgrund des Konfliktes zwischen den einheimischen Iren und den englischen Invasoren.

Grundsätzlich war  und ist  die religiöse Zugehörigkeit gesellschaftlich, wirtschaftlich und politisch bedeutsam, denn sie unterscheidet, mit sehr wenigen Ausnahmen, die Einheimischen und ihre Kinder von den Siedlern des 17. Jahrhunderts und ihren Kindern. Die englische Krone bevorzugte natürlich in der auf die Reformation folgenden Zeit die Ansiedlung loyaler Protestanten und die Enteignung der Einheimischen, deren Unterstützung der Gegenreformation notwendigerweise eine Form der Rebellion wurde: Politik und Religion waren von Anfang an nicht zu trennen.

Die protestantischen Siedler  Schotten und Engländer  waren die Gewinner, die katholischen Einheimischen die Verlierer: Antagonistische kollektive Interessen und Loyalitäten entstanden sofort. Die Einheimischen wurden enteignet, aber weder ausgerottet noch assimiliert noch zum Protestantismus bekehrt. Ihr Katholizismus wurde zum Kennzeichen ihrer Identität und ihres Widerstands.12)

12) New York Review of Books, Holy War by Conor Cruise O’Brien, 6th Nov. 1969

Oliver's Armee - Kapitel 1 Bild 8

Siedlungspolitik in Ulster

Viele im elisabethanischen Establishment sahen in der Kontrolle Irlands den ersten Schritt zur Ausdehnung von Englands Dominanz und Macht  und waren der Meinung, dass Irland nur durch eine Siedlungspolitik an die Kandare genommen werden konnte. Die Ausnutzung religiöser Differenzen würde von nun an einer der Maßnahmen sein im Versuch, Integration zu verhindern wie Mountjoy erklärte: "Da die Iren und die Englisch-Iren halsstarrig in papistischem Aberglauben festhielten, achtete man sorgfältig darauf, dass diese zwei neuen Kolonien aus Menschen bestanden, die nicht den barbarischen Sitten der Iren oder dem papistischen Aberglauben der Iren und Englisch-Iren verfallen würden."

1609 begann König James I., der Nachfolger von Elisabeth, eine neue Besiedlung in dem Gebiet von Ulster, das von Mountjoys Armee unterworfen worden war.

Die Provinz wurde in Counties (Grafschaften) unterteilt und Regierungsbeauftragte planten die zu besiedelnden Gebiete. Einige Orte waren für Städte vorgesehen. Auf dem Land sollte Grundbesitz von 2.000 Acre (ein acre entspricht ca. 4047 m2, d.Ü.) zu einem sehr geringen Pachtpreis an englische und schottische Herrschaft gegeben werden, vorausgesetzt, sie versprachen, Pächter aus Britannien herüberzubringen, die das Land bestellten.

… Über 40.000 Siedler wurden so zwischen 1610 bis 1630 in die Provinz gelockt. Viele von ihnen kamen aus den schottischen Lowlands, wo die schwierigen wirtschaftlichen Verhältnisse ein mächtiger Antrieb für Migration waren.13)

Derry wurde in Londonderry umbenannt und zusammen mit dem County der Stadt London "zugesprochen". Viele der Siedler, vor allem diejenigen, die nach Südantrim und County Down zogen, waren strenge antikatholische schottische Presbyterianer, die sowohl vor religiöser Diskriminierung als auch vor Armut flohen.

Einige der schottischen Siedler sprachen gälisch, und anfänglich kam es auch zu einem gewissen Maß an Assimilation und Mischehen. Aber je mehr irische Katholiken gezwungen wurden, britischen Protestanten zu weichen, sorgten bestehende nationale und religiöse Animositäten dafür, dass diesmal einer weitgehenden Integration, wie sie in der Vergangenheit zwischen Siedlern und Einheimischen stattgefunden hatte, Einhalt geboten wurde. Während diese Strategie des Teile und Herrsche half, die Besiedlung Ulsters zu konsolidieren, entwickelte sich eine Situation der Apartheid, die mit ihren Spannungen und Auseinandersetzungen auf tragische Wiese bis zum heutigen Tag fortbestehen sollte. Während religiöser Hass andernorts allmählich ausstarb, blieb er im Norden Irland wirksam und grenzte den Kolonisatoren vom Kolonisierten ab.

13) An illustrated history of the Irish People, by Kenneth Neill, Gill and Macmillan Ltd 1979

Oliver's Armee - Kapitel 1 Bild 9

Cromwell und die Levellers

Der absolutistische Staat, der unter den Tudors entstand, half England bei der Expansion. Die Bankiers und Finanziers, die hinter dem zunehmenden Handel standen, bekamen allmählich mehr Macht und Einfluss. Es war in erster Linie diese Händlerklasse, die Königin Elisabeth dazu brachte, ihre Marine einzusetzen, um die Konkurrenz der spanischen Überseeunternehmen einzudämmen. Wenn es Elisabeth auch gelungen war, während ihrer Herrschaft zwischen den verschiedenen herrschenden Interessen die Balance zu halten, nahmen die Spannungen aber nun zu, da die sich entwickelnde Bourgoisie die Vorherrschaft der alten feudalen Aristokratie damit auch und Kirche und Krone angriff.

Im Jahr 1640 begann in England ein Bürgerkrieg, als die anwachsenden kapitalistischen Kräfte, verbunden mit einigen Landbesitzern, die absolute Macht von Charles I. und seinen Adligen in Frage stellte. Oliver Cromwell, ein Landadliger, wurde im Kampf gegen den König bekannt. Seine siegreiche New Model Army, die vor allem aus disziplinierten und entschlossenen Puritanern bestand, hatte auch Soldaten in ihren Rängen, die radikalere Ziele im Kampf gegen die Aristokratie verfolgten:

Etwa gegen 1646, am Ende des ersten Bürgerkriegs, entstanden die Leveller als unabhängige Gruppe. Es hatte in der Vergangenheit Bauernrevolten gegeben. Das Neue an den Leveller war, dass sie sich als moderne Partei organisierten, die nach demokratischen Regeln geführt wurde, eine dritte Kraft, mit Mitgliedern aus der unteren Mittelklasse, gelernten Handwerkern und kleinen Bauern. Vom wohlhabenden Händler über die Weber von Spitalfields bis zu den Minenarbeiter in den Bleiminen von Derbyshire reichte das Spektrum ihrer Mitglieder.

Die Leveller waren die ersten politische Partei, die es wagte, völlige religiöse Toleranz zu einem Grundsatz ihres Programms zu machen. Bis 1947 hatten sie die breite Masse der "New Model Army" und viele der Offiziere in den unteren Rängen hinter sich.14)

Viele der Leveller waren sowohl religiös als auch politisch radikal; sie glaubten an die freie Auslegung der biblischen Schriften und wandten sich gegen die Kontrolle der Kirche durch die Regierung.

Im Jahr 1649, nach der Niederlage der Royalisten und der Hinrichtung von Charles I., befahl Cromwell die Mobilmachung der New Model Army für einen Feldzug in Irland. Einige Regimenter weigerten sich und Soldaten der Leveller verfassten ein Flugblatt, das davor warnte, dass ein Dienst in Irland aus den Soldaten "einen bloßen Söldner und eine unterwürfigen Kreatur machen würde". Acht Jahre vorher hatte in Irland eine der von Zeit zu Zeit stattfindenden Revolten stattgefunden. Tausende von Siedlern waren getötet und noch viele mehr von dem Land vertrieben worden, das sie sich während der Plantation angeeignet hatten. Diese Massaker an Protestanten, wie man betonte, wurden in England noch schlimmer gemacht als sie waren. Cromwell nützte sie weidlich aus, um eine antikatholische und antiirische Stimmung zu schüren.

Diese Propaganda war so stark, dass die meisten Leveller sie glaubten, vor allem nachdem sie erfuhren, dass König Charles einen Pakt mit den Anführern der Rebellen geschlossen hatte. Dennoch waren viele weiterhin gegen Cromwells Absicht, Irland erneut zu erobern. Ein populäres Flugblatt der Leveller stellte eine ganze Reihe von Fragen:

Das Flugblatt wurde als Verrat denunziert, es fordere die Soldaten zum Ungehorsam auf. Cromwellanhänger verfassten ein Gegenflugblatt des Inhalts, dass die Iren brutaler seien als die Indianer und es die Pflicht Englands sei, solche wilden Biester zu zähmen. Man versuchte es auch mit Bestechung. Cromwell versprach denjenigen, die mit ihm in Irland kämpften, irisches Land.

14) The Levellers and the English Revolution, by H. N. Brailsford, Spokesman Books 1976.

15) Ibid - The Levellers and the English Revolution, by H. N. Brailsford, Spokesman Books 1976.

Oliver's Armee - Kapitel 1 Bild 10

Hinrichtungen und Krieg

Während Cromwell eine entscheidende Rolle im Kampf gegen die Royalisten gespielt hatte, war er andererseits strikt dagegen, die Ordnung und Hierarchie unter den Menschen zu ändern, die in England seit Hunderten von Jahren herrschte. Im April 1649 hörte ein führender Leveller, John Lilburne, Cromwell vor dem Staatsrat für den Fall, dass die Leveller nicht völlig vernichtet würden, sagen: "Sie werden Euch besiegen; und sie werden die ganze Schuld für alles Blut, das für dieses Königreich vergossen wurde, über Euch bringen und alle Arbeit vergeblich machen, die Ihr über so viele Jahre mit Fleiß, Mühe und Schmerz verrichtet habt."

Der deutliche Beweis dafür, wie Cromwell sich durchsetzte, liegt noch heute in drei namenlosen Gräbern auf dem Kirchhof in Burford in Oxfordshire, wo die Gebeine von Männern begraben sind, die einem LevellerRegiment angehört hatten, das sich weigerte, in Irland zu kämpfen. Sie waren von Cromwell treuen Soldaten bei Burford gefangen und in der Kirche eingesperrt worden. Als sie sich weigerten zu widerrufen, wurden sie, um ein Exempel zu statuieren, erschossen  eine Warnung an die anderen, die vom Dach der Kirche aus das Geschehen beobachteten. Die Männer trugen stolz das seegrüne Emblem der Leveller an der Brust und starben in Verteidigung ihrer Rechte als BürgerSoldaten und für die Freiheit in ihrem Land.

Die Ereignisse in Burford waren der Auftakt zur Unterdrückung der Bewegung der Leveller durch Cromwell, der an andere, konservative Kräfte gebunden war. Während die Gegnerschaft der Leveller gegenüber Cromwells Krieg anfänglich zu großen Teilen ökonomische Gründe hatte, wie die schlechte Bezahlung und die miesen Bedingungen für die Soldaten, war sie in der Folge mit politischen Forderungen für die Weiterführung der Revolution in England verbunden und richtete sich gegen die Absicht, die Soldaten zu einem Instrument zu machen, mit dem ein anderes Land unterworfen werden sollte.

Ein weiterer führender Leveller, William Walwyn, wurde in den Tower gesperrt, von wo er viele direkte Appelle an das Gewissen der Armeesoldaten richtete. Einer davon war The English Soldier's Standard für Weisheit und Verständigung in diesen schmerzvollen, rückwärtsgewandten Zeiten: von jedem ehrlichen Offizier seinen Soldaten vorzulesen und von den Soldaten untereinander zu lesen:

Er erklärte: "Es genügt Gottes Gerechtigkeit nicht, wenn Ihr Euch darauf beruft, dass Ihr Menschen aus Gehorsam zu Eurem General ermordete." Sie könnten nicht antworten, wie sie es vielleicht bisher getan hätten, dass sie das Leben anderer "für diese gerechten Ziele, die Rechte und Freiheiten des Volkes" genommen hätten. "Warum so eilig?", fragte er. "Wenn ihr klug seid, bleibt ihr noch eine Weile da ... Bevor ihr geht, wird es gut für Euch sein, diese Freiheiten und Rechte des Volkes wahrzunehmen, für die Ihr in eigener voller Verantwortung zu den Waffen gegriffen habt und die im Agreement of the People festgeschrieben sind, und Ihr solltet sie nicht dem Gutdünken und der Willkür des Staatsrats oder des Parlaments überlassen."

..."Bedenkt, so wie die Dinge jetzt stehen  wozu solltet Ihr Euer Leben gegen die Iren riskieren. Wollt Ihr weiter töten und morden um sie [Eure Offiziere] zu den absoluten Herrschern über Irland zu machen so wie Ihr es schon in England getan habt? ... ........... Sie wollen, dass Ihr ihren Befehlen gehorcht, mordet und totschlagt, ohne nach einem Grund zu fragen."16)

Cromwell führte seinen Krieg und brach in Irland den Widerstand gegen die englische Herrschaft in einem brutalen und blutigen Feldzug. In Garnisionsstädten wie Drogheda, die sich nicht ergeben wollten, wurden die Einwohner massakriert. Die Bevölkerung Irlands, die eineinhalb Millionen zählte, wurde um fast die Hälfte reduziert. Mehr als 600 000 Menschen starben durch Schwert und Feuer oder die darauf folgenden Seuchen und Hungersnöte. Mehr als 100 000 Gefangene wurden gezwungen, entweder ausländischen Armeen beizutreten oder sie wurden als Sklaven nach Westindien und in andere Kolonien verkauft. Cromwell belohnte seine Soldaten mit "Eintrittskarten" für Land, das den Iren weggenommen worden war (viele Soldaten beklagten sich, dass sie von Betrügern, die im Gefolge von Cromwells Feldzug kamen, um 'ihr Land' gebracht worden seien).

16) The Levellers and the English Revolution, by H. N. Brailsford, Spokesman Books 1976.

Oliver's Armee - Kapitel 1 Bild 11

Die Penal Laws

Cromwells Armee kämpfte auch dafür, auf den gesamten Britischen Inseln die neue Soziale Ordnung zu konsolidieren, die die Armee nun repräsentierte. Nach dem Feldzug in Irland zogen englische Truppen auf die Westindischen Inseln und nach Amerika, wo sich ihre brutalen Methoden, die sie bereits in Irland angewandt hatten, als effektiv für die Errichtung eines Imperiums erwiesen.

Nach dem Tod Cromwells trafen die parlamentarischen Kräfte eine Übereinkunft mit der Aristokratie und mit König Charles II. wurde die Monarchie wiedereingeführt. Ihm folgte 1685 sein Bruder James II., aber das Parlament wandte sich gegen ihn, da er Katholik war und man seinen holländischen Schwiegersohn, Wilhelm von Oranien, einen glühenden Protestanten, bevorzugte. Der abgesetzte James ging nach Irland und stellte dort eine Armee auf. Wilhelm, der ironischerweise den Segen  und die finanzielle Hilfe  von Papst Innocent XI. hatte, verfolgte und besiegte James in der Schlacht am Boyne.

Der Angriff auf die irische Lebenskultur richtete sich nun auch gegen die einheimische Religion und ab 1695 wurde eine Reihe von antikatholischen Gesetze in Irland erlassen. Diese Penal Laws hatten das Ziel, die einheimischen Iren dauerhaft zu unterwerfen. Diese Gesetze besagten unter anderem:

Im Jahr 1603 hatten Katholiken 93 % des Landes in Irland besessen, um 1778 besaßen sie weniger als 10 %. Im selben Zeitraum stieg der protestantische Landbesitz von 10 auf über 90 %, wodurch die herrschende Klasse der "Landlords" entstand.

Irische Landwirtschaft und irisches Gewerbe wurden streng kontrolliert, um britischen Interessen zu dienen. In der Folge war der Hunger in den ländlichen Gebieten an der Tagesordnung. Die Penal Laws hatten nicht das Ziel, die Iren in Irland zu beseitigen, aber sie sollten sie in Armut halten und so sicherstellen, dass sie nie mehr eine politische Gefahr darstellten. Die irische Landbevölkerung, die eingeschüchtert war und oft Hunger litt, konnte so in feudaler Knechtschaft ausgebeutet werden. Im Jahr 1776 besuchte der englische Landreformer Arthur Young Irland und stellte fest: "Es gibt kaum einen Befehl, den sich ein Grundherr ersinnen kann, den zu verweigern ein Knecht, Arbeiter oder ..... wagen würde. Respektlosigkeit oder irgendetwas, das Keckheit gleichkommt, kann er mit seinem Stock oder seiner Pferdepeitsche ohne jegliches Risiko für sich selbst bestrafen...."

Young beschrieb weiter, wie einige Grundherren irische Frauen, über die sie Macht hatten, sexuell missbrauchten: "Gutsherren ....... haben wir versichert, dass viele ihrer Untergebenen sich geehrt fühlten, wenn ihre Frauen oder Töchter in die Betten ihrer Herren geholt würden, ein Zeichen von Sklaverei, das die Unterdrückung beweist, unter der diese Leute leben."17) Dies erinnerte an die Zeiten im antiken Britannien, als die Adligen Gesetze erlassen hatten wie das jus primae noctis (das Recht der ersten Nacht), das ihnen das Recht gab, mit einer Sklavin in ihrer Hochzeitsnacht zu schlafen  und an das mittelalterliche droit du seigneur, das feudalen Freiherren das gleiche gestattete. Young zeigte, wie ähnliche Praktiken  und Schlimmeres  in England noch gegen Ende des 18. Jahrhunderts bestanden.

Weiterhin gab es verdeckt irischen Widerstand. Auf dem Land hielten reisende Lehrer heimlich die irische Sprache und Kultur in "Heckenschulen" am Leben. Die katholische Religion lebte in verbotenen Gottesdiensten in den Wäldern weiter. Unter den Armen auf dem Land entstanden Geheimgesellschaften wie die Whiteboys und führten klandestine Angriffe auf die Grundherren und ihre Vertreter aus.

17) A Tour of Ireland, by Arthur Young, ed. A. W. Hutton, London 1892.

Oliver's Armee - Kapitel 1 Bild 12

Die Redcoats

Vor Cromwells New Model Army und Williams Truppen gegen James hatte es noch kein stehendes Heer in England gegeben. In der Vergangenheit hatte die Monarchie Armeen für bestimmte Kriege aufgestellt und danach wurden diese wieder aufgelöst (eine Ausnahme bildete hier Irland, wo eine ständige Armee notwendig war, um der andauernd drohenden Gefahr von Rebellion zu begegnen). Während der Zeit des Bürgerkriegs und Williams Glorious Revolution entwickelte sich allmählich ein stehendes Heer. Die Einheit, aus denen die Green Howards hervorgingen, wurde zum ersten Mal 1688 aufgestellt, um König William zu unterstützen und mit ihm in Irland zu kämpfen. Dreihundert Jahre später sandte dieses Regiment immer noch seine Soldaten zum Dienst nach Irland.

In Irland hätten die Besiedlungen, die Penal Laws, die gewaltigen Veränderungen in den Landbesitzverhältnissen nicht durchgesetzt werden können ohne die massive Unterdrückung durch die Armee, die von vor Ort rekrutierten Yeomanry (berittene Freiwilligentruppen) und Milizen unterstützt wurden. Britische Soldaten mit ihren roten Mänteln, die die königliche Uniform waren, tauchten überall auf. Die Redcoats setzten die Penal Laws rücksichtslos durch und unterdrückten die Opposition. In On Dreams kommentierte Jonathan Swift:

The Soldier smiling hears the Widow's Cries,

And stabs the son before the Mother's eyes,

With like remorse his Brother of the Trade.

The Butcher, feels the lamb beneath his blade.

Die meisten britischen Soldaten kamen aus Armut und Besitzlosigkeit und später waren ironischerweise viele, die die Ränge füllten, frühere irische und schottische Klansangehörige. Sowohl während der Vertreibungen aus den schottischen Highlands und während der Hungersnöte in Irland wurde Rekrutierung betrieben. Soldaten aus den schottischen Highlands, deren Vorfahren man wegen des Tragens des einheimischen Tartans gejagt hatte, trugen nun einen neuen Tartan des britischen Militärs, um dem Empire zu dienen. Viele Oberhäupter der Klans wurden ins Establishment integriert und ihre Söhne in englischen Schulen erzogen. Dr. Johnson stellte fest, dass viele der Klanoberen "sich von patriarchalen Herrschern zu habgierigen Grundherren entwickelten."

In seinem Buch Mutinity beschrieb John Prebble den Hintergrund vieler Revolten der Soldaten aus den Highlands:

Die Soldaten aus den Highlands waren die ersten zu Kolonialdiensten einberufenen Soldaten in Britannien. Zunächst hatte man sie als die Polizei einer fremden Macht in ihren eigenen Bergen benutzt, dann wurden sie in imperialen Kriegen verheizt. Das gälische Volk des 18. Jahrhunderts  sein Anteil an der Bevölkerung betrug nur drei Prozent  stellte 65 Regimenter für die Krone sowie unabhängige Kompanien, Milizen und Freiwillige ... Er wurde oft mit Drohungen rekrutiert oder von seinem Klanoberen, dem er vertraute, verkauft. Ihm gemachte Versprechen wurden auf zynische Weise gebrochen, sein Stolz mit der Peitsche und durch die Verachtung für sein leidenschaftliches Festhalten an seiner Sprache und seiner Tracht verletzt. Die Familie, die er durch die Verpflichtung bei der Armee zu schützen hoffte, wurde häufig während seiner Abwesenheit vertrieben und durch Schafe ersetzt.18)

Prebble schrieb: "Entgegen romantischer Vorstellungen war der Highlander selten ein gefügiger Soldat, seine Lieder beklagen den Tag, an dem er den roten Mantel anzog."

If I were as I used to be,

amongst the hills,

I would not mount guard

as long as I lived,

nor would I stand on parade,

nor for the rest of my life

would I ever put on a red coat.19)

Zu einer bestimmten Zeit war die Hälfte der Armee irisch, rekrutiert aus einer Bevölkerung, die der britischen Besatzung oft feindselig gegenüberstand. Nach der großen Hungersnot im 19. Jahrhundert begannen die Fenier einen klandestinen bewaffneten Kampf gegen die britische Herrschaft. Diese Bewegung begann, heimlich britische Soldaten zu rekrutieren. John Devoy, der diese Arbeit leitete, behauptete, großen Erfolg gehabt zu haben: "1865 gab es in Irland etwa 26.000 reguläre britische Soldaten. Davon ... waren 8.000 eingeschworene Fenier." In his Recollections of an Irish Rebel schrieb Devoy weiter: "Nicht weniger als 60 Prozent der breiten Masse der gesamten britischen Armee waren irisch, einschließlich derer mit irischen Vorfahren, die in England und Schottland geboren waren ... Im britischen Militär establishment, das außerhalb Irlands stationiert war, hatten wir 7.000 RIBLeute [Irish Republican Brotherhood]."20)

18) Mutiny, by John Prebble, Secker and Warburg London 1975.

19) Ibid - Mutiny, by John Prebble, Secker and Warburg London 1975.

20) Recollections of an Irish Rebel, by John Devoy, Shannon 1969.

Oliver's Armee - Kapitel 1 Bild 13

Der Katechismus des Soldaten

Im Laufe der Jahrhunderte gab es von Soldaten und anderem Armeepersonal viele Revolten, sowohl kleine und als auch große. Oft ging es dabei um Löhne und Lebensbedingungen, manchmal auch um Einsätze im Empire. An diesen Meutereien waren häufig Soldaten anderer ethnischer Herkunft beteiligt, wie Schotten, Waliser, Iren, Inder oder andere Männer, die in den Kolonien rekrutiert worden waren. Manchmal kam es bei diesen Revolten der Soldaten zum Zusammenwirken mit den Feinden ihrer Offiziere:

Im Jahr 1867 unterstützen viele Schotten die Bewegung der irischen Fenier wegen der gemeinsamen gälischen Identität. Das 73. Foot, bei Cahirciveen in der Grafschaft Kerry stationiert, war hauptsächlich ein schottisches, gälisch sprechendes Regiment. Es wird berichtet, dass sie bei ihrem Vorgehen gegen die Fenier des Colonel O'Connor in Kerry die Iren umzingelten und dann mit ihnen auf Gälisch Gespräche anfingen. Als sie dabei feststellten, dass sie mehr mit den Iren gemein hatten als mit ihren englischen Offizieren, ließen sie die Iren durch ihre Linien entkommen. Dies war kein isolierter Vorfall.21)

Unweigerlich wurden offene Meutereien grausam bestraft  mit Hinrichtungen, Einkerkerung und mit der Peitsche. Auf diese Wiese sicherten die Offiziere ihre Kontrolle und Autorität. Wegen der eisernen Disziplinierung und aus Angst vor harten Strafen gehorchten die meisten Soldaten den Befehlen und versuchten, in den Schlachten, in die man sie warf, wenigstens etwas von ihrer Würde und Ehre zu bewahren. Aber auch wenn die meisten Soldaten ihre "Pflicht" taten, gab es da im Untergrund doch immer Opposition und Unmut. Offenbar wurde dies in der Satire Soldier's Catechism über das Leben in der Armee:

Frage: Wie heißt Du? Antwort: Soldat.

F.: Wer gab Dir diesen Namen? A.: Der Unteroffizier, als ich den Schilling für die Wehrverpflichtung erhielt, durch die ich zum Rekruten von Bayonetten, Kugeln und des Todes wurde.

F.: Was hat Dir der Unteroffizier dafür versprochen? A.: Er versprach und gelobte in meinem Namen drei Dinge: Erstens, dass ich der Idee der Freiheit und all solchem Unsinn abschwören sollte. Zweitens, dass ich durch den Drill ständig schikaniert werden sollte. Und drittens, dass ich aufstehen sollte und mich erschießen lassen, wann immer es von mir verlangt wird ...

F.: Sprich Dein Glaubensbekenntnis. A.: Ich glaube an den allmächtigen Oberst, den Schöpfer der Unteroffiziere, und an seinen Stellvertreter, den Major, ......., der zur Rechten des Oberst sitzt, von wo er kommt, um die Schlechten von den Guten zu trennen. Ich glaube an den Adjutanten; an die Bestrafung im Wachraum, ......., die Auspeitschungen und an die Gewissheit, dass all diese Dinge ewig sind. Amen.

F.: Was ist Deine Pflicht gegenüber Deinem Oberst? A.: Meine Pflicht ist, an ihn wie auch an alle anderen, die unter ihm Autorität haben, zu glauben, sie zu fürchten, allen ihren Befehlen zu gehorchen, von ganzem Herzen; es ist meine Pflicht, vor meinem Oberst an jedem Tag meines Lebens als Soldat zu erscheinen; ihm zu salutieren, ihm meinen ganzen Respekt zu zeigen; ihm völlig zu vertrauen, ihm zu danken, wenn er mich befördert, ihn und seinem Auftrag Ehre zu machen und ihm als Soldat zu dienen. Amen ...22)

Der ursprüngliche Soldier's Catechism entstand 1644 für die New Model Army, die gegen den König kämpfte. Er wurde geschrieben zur "Ermutigung und Unterweisung von allen, die in dieser Sache Gottes und seines Volkes die Waffen erhoben haben, vor allem für die einfachen Soldaten". Wie die meisten Texte zu dieser Zeit wurde er hauptsächlich in theologischer Sprache verfasst. Aber anders als die sarkastische spätere Version war der Katechismus von 1644 mit der Absicht geschrieben worden, eine Bürgerarmee zu schaffen  wenn auch motiviert von religiösem protestantischem Eifer.

21) The Celtic Dawn, by Peter Berresford Ellis, Constable 1993.

22) The Rambling Soldier, by Roy Palmer, Penguin Books Ltd 1977.

Oliver's Armee - Kapitel 1 Bild 14

Die Agitatoren

Die heutige "professionelle" britische Armee hat ihre Ursprünge im englischen Bürgerkrieg und bei den Truppen Cromwells. Die Leveller hatten in der New Model Army Deputierte gewählt, die Agitatoren genannt wurden und den Standpunkt des einfachen Soldaten vortrugen: "Wir waren keine bloße Söldnerarmee, angeheuert, um einer beliebigen Staatsmacht zu dienen, sondern wir waren durch mehrere Erklärungen des Parlemants einberufen und eingeschworen auf die Verteidigung unserer Rechte und Freiheiten wie auch denen des Volkes. Und so erhoben wir nach bestem Wissen und Gewissen für diese Ziele unsere Waffen."23)

Die Agitatoren waren Teil der Bewegung der Leveller, die für die Trennung von Staat und Kirche eintraten sowie für Toleranz und Gewissensfreiheit, auch für Armeesoldaten. Frauen setzten sich für ihre eigenen Rechte ein und zu den Zielen der Leveller gehörte auch mehr Gleichheit zwischen den Geschlechtern, was gesetzlich festgeschrieben werden sollte. Freie Schulen und Krankenhäuser für alle wurden ebenso befürwortet und insgesamt eine Gesellschaft mit mehr Gleichheit.

Die Leveller, die ihren Namen davon hatten, dass sie Zäune und Hecken einebneten (to level = einebnen, abflachen), die Land umgaben, das früher allen gehört hatte, waren gegen das Erstgeburtsrecht und großen Landbesitz. Sie verlangten, dass "alles Land, das früher den Armen gemeinsam zur Verfügung stand (und nun abgesperrt war), wieder von den Armen frei und gemeinsam zu ihrem Nutzen bebaut werden sollte." Die ultraradikalen Digger, die ihren Namen von ihren Versuchen hatten, abgezäuntes Land zu bebauen und abzuernten (to dig = graben) , betrachteten Charles I. als "normannischen Thronfolger" und meinten, dass mit seiner Hinrichtung das "normannische Joch" endlich abgeworfen worden sei.

Für kurze Zeit saßen die Agitatoren zusammen mit den leitenden Offizieren im General Council der Armee (allgemeiner Armeerat). (Die moderne Bedeutung des Begriffs Agitator kommt von der Angst und Abscheu des Establishments für dieses frühe Beispiel der Macht der breiten Masse). Bei den "Putney Debates" im Herbst 1647 traten die Agitatoren für die Rechte der gewöhnlichen Männer und Frauen ein und argumentierten für eine "Übereinkumft des Volkes", die viele Forderungen der Leveller enthielt, während Cromwell und die Grandees (Armeeoffiziere aus der Klasse der Landeigentümer) sich für die Eigentumsrechte einsetzten. Die Unterdrückung der Agitatoren und der Leveller begann bald danach, als die Armee völlig undemokratisch wurde und die Stimmen, Ansichten und Interessen der gewöhnlichen Soldaten bis zum heutigen Tag zum Schweigen gebracht wurden.

23) From Representation, a Leveller document addressed to Parliament.

Oliver's Armee - Kapitel 1 Bild 15

Das Vermächtnis der Leveller

Jedes Jahr im Mai versammeln sich Menschen an der Kirche in Burford in Oxfordshire, um den drei Angehörigen der Leveller  Kornett Thompson, Korporal Perkins und dem Gefreiten Church  zu gedenken, die wegen ihres Widerstands gegen Cromwell und ihrer Weigerung, in Irland für ihn zu kämpfen, hingerichtet wurden. Die alljährliche Gedenkfeier wird von der Workers' Educational Association organisiert und im Mai 1976 sprach Tony Benn zu den Versammelten:

Die Leveller entstanden aus den Bedingungen ihrer Zeit. Sie repräsentierten die Bestrebungen der arbeitenden Menschen, die unter der Verfolgung von Königen, Landbesitzern und der Priesterklasse litten und sie sprachen für die, die Armut und Not erfuhren.

Die Leveller kämpften zunächst mit, dann gegen Cromwell für eine politische und verfassungsmäßige Lösung des Bürgerkriegs, die die Prinzipien der politischen Freiheit enthalten sollte, und sie nahmen damit die Ideen der amerikanischen und französischen Revolution eineinhalb Jahrhunderte vorweg.

Die Ideen der Leveller galten damals wegen ihrer Popularität als gefährlich, weshalb sie das Establishment, so wie heute, nicht laut werden lassen wollte. Aber die Eliminierung der Leveller als einer organisierten politischen Bewegung konnte die Ideen nicht auslöschen, die sie vertraten. Von damals bis heute sind die gleichen Prinzipien der religiösen und politischen Freiheit und Gleichheit immer wieder in der Geschichte der Arbeiterbewegung und in der ganzen Welt aufgekommen.24)

In den Geschichtsbüchern steht, dass Cromwell der Sieger des Bürgerkriegs war, aber er war auch verantwortlich dafür, dass die religiöse und politische Revolution auf halbem Weg gestoppt wurde, um sicherzustellen, dass das neue Establishment die Kontrolle behielt. Cromwell wandte sich von vielen ab, die mit ihm gegen den König gekämpft hatten und half konservativen Kräften, die mit der City von London verbündet waren, die Kontrolle zu übernehmen. Die New Model Army wurde von dieser neuen Staatsmacht finanziert und ihr unterstellt. Ihre demokratische Tradition musste der eisernen Herrschaft der Offiziersklasse weichen. Die Armee unternahm dann damals und in den folgenden Jahrhunderten als britische Armee im Interesse ihrer neuen Herren koloniale Expeditionen und Kriege.

Durch ihren Widerstand gegen den Feldzug in Irland hatten die Soldaten der Leveller zum ersten Mal demonstriert, dass es in dieser Frage klare Unterschiede gibt zwischen den Interessen des Establishments und jenen der einfachen Leute in England. William Walwyn drückte dies 1649 klar aus: "Der Kampf der einheimischen Iren um die ihnen zustehenden Freiheiten ... war der gleiche wie unser Kampf hier."25) H.N. Brailsford beendete die Einleitung zu seinem Buch The Levellers and the English Revolution mit den Worten:

Die Leveller haben verloren, wurden besiegt. Aber wenn in der Geschichte noch moralische Werte zählen, mag der Mut von Menschen, die ihr Leben riskierten, um die Wiedereroberung Irlands zu verhindern, mehr zählen als Cromwells Siege bei Drogheda und Wexford. Dem Tag, an dem Engländer zum ersten Mal öffentlich die Frage stellten: Mit welchem Recht planen wir, uns das Land der Iren zueigen zu machen und ihre Religion zu unterdrücken?  jenem Tag im Spätsommer von 1649 gebührt die Erinnerung in unseren Annalen.

Gerrard Winstanley  ein Anführer der Digger, einer radikalen Unterorganisation der Leveller  hinterließ diese Worte für die Nachwelt:

When these clay bodies are in grave

and children stand in place,

This shows we stood for thruth

and peace and freedom in our days,

And trueborn sons we shall appear

of England that's our mother.

No priests' nor lawyers' wiles to embrace

their slavery we'll discover.

Winstanley erklärte auch: "Am Anbeginn der Zeit, schuf der große Schöpfer Vernunft die Erde als Schatz für alle ... aber kein Wort fiel am Anbeginn darüber, dass ein Teil der Menschheit über einen anderen Teil herrschen sollte."

Die Leveller wurden durch Zwang und Intrigen gebrochen, was mit den Hinrichtungen in Burford anfing und sich während des blutigen Feldzugs der New Model Army in Irland fortsetzte. Es war die Unterdrückung der Leveller, die die Ausbeutung der Menschen in Irland, in anderen Kolonien und zu Hause in England ermöglichte. Aber ihre Ideen konnten nicht ausgerottet werden und haben bis heute weitergelebt. Die größte Ehre, die wir ihnen erweisen können, ist, ihren Kampf für Wahrheit, Frieden und Freiheit weiterzuführen.

24) The International Significance of THE LEVELLERS and the English Democratic Tradition, a Spokesman Pamphlet - No.92, May 2000.

25) Reformation to Industrial Revolution, by Christopher Hill, Weidenfeld and Nicolson 1967

Oliver's Armee - Kapitel 1 Bild 16

 

Übersetzung: (sib) Irlandinitiative Heidelberg, 4. Februar 2007,
Anmerkungen in Klammern dienen der Erläuterung
Zur Kapitelübersicht

Copyright © 2004 Aly Renwick / TOM (Troops Out Movement)
Englisches Original - English Language Version

Weiter zu Kapitel 2: Der Feind im Innern - Die Bekämpfung der Revolution


Zurück/Back