Fragen, die sich aus den Aussagen ergeben
Die Wochen vor dem 15. März
Aus den Aussagen der Leute, die im Norden von Lurgan wohnen, ergeben sich verschiedene Fragen. Mehrere Personen sprachen von einem massiven Einsatz der Sicherheitskräfte in dieser Gegend in den Wochen vor dem Mord. Hubschrauber setzten Einheiten, die wahrscheinlich von der Mahon Road-Armeebasis in Portadown kamen, auf den Feldern nahe der Nelson-Wohnung ab. Die Aktivitäten der Sicherheitskräfte – RUC, RIR und/oder britische Armee – hatten ein solches Ausmaß angenommen, daß Rosemary Nelson einem Klienten gegenüber eine Bemerkung diesbezüglich machte und mit einem Freund über ihre Vermutung sprach, daß sich Einheiten in den Feldern in der Nähe ihres Hauses ‘verschanzen’ würden. Ein Nachbar/Nachbarin berichtete von einem Hubschrauber, der „früh am Morgen...ab 8.00 Uhr...kreiste und dann in Jim McCanns Feld landete“, an drei aufeinander folgenden Samstagen vor dem 15. März. Dieser Zeuge/Zeugin bestätigte, daß Hubschrauber „in den letzten Wochen“ auch nach 20.00 Uhr in diesem Feld landeten. Er/Sie suchte sogar Rosemary zu Hause auf, weil „ich so beunruhigt war...ich machte mir deswegen Sorgen.“ Als eine andere Nachbarin/Nachbar sich die Gegend nach dem 15. März noch einmal ansah, fiel ihr/ihm auf, daß man von dem fraglichen Feld aus freie Sicht auf Rosemarys Haus hat. Ein dritter Zeuge/Zeugin sprach von einem grellen Scheinwerferlicht, das etwa vier Wochen vor dem 15. März dasselbe Feld absuchte. Er/sie sagte aus: „Ich bekam es mit der Angst zu tun, da dies ungewöhnlich war. Mein erster Gedanke war, daß es sich um die britische Armee handelte, aber ich war mir nicht sicher.“ Andere sprachen von einem „massivem Einsatz der Sicherheitskräfte“ und checkpoints (Kontrollstellen) nahe Mile House, das nicht weit vom o. g. Feld entfernt liegt. Eine weitere Zeugin/Zeuge beobachtete 8 - 10 Soldaten und einen RUC-Mann, als diese das Feld durch einen Zugang nahe Mile House betraten. Es waren keine Fahrzeuge in der Nähe. Keine der lokalen Zeitungen berichtete in dieser Zeit von Vorfällen oder Ermittlungen, die dieses Ausmaß an Aktivitäten hätte rechtfertigen können.
Fragen:
Was war der Grund für die Intensivierung der Aktivitäten der Sicherheitskräfte in dieser Zeit und insbesondere, welche Erklärung gibt es dafür, daß Hubschrauber Einheiten auf Jim McCanns Feld – an dem Ende, das Ashford Grange gegenüberliegt – absetzten?
Waren Angehörige der RIR im Hubschrauber?
‘Verschanzten’ sich Einheiten über Nacht in dieser Gegend?
Samstag, 13. März
ZeugInnen stimmen darin überein, daß es am fraglichen Wochenende sowohl samtags als auch sonntags Aktivitäten der Sicherheitskräfte in beträchtlichem Ausmaß gegeben hat. Tagsüber waren RIR-Patrouillen in der Kilwilke-Siedlung zu sehen. Ortsansässige „konnten nicht verstehen, warum sie da waren, zumal es keine Probleme in der Gegend gab.“
Gemäß eines Berichtes in der Lurgan Mail vom 18.3.1999 ging die RUC um 18.00 Uhr der Meldung nach, daß vor einem Haus in der Victoria Street ein verdächtiger Gegenstand (bag) gesehen wurde. Der Bericht besagt, daß einige Kinder die RUC-Beamten mit Steinen, Flaschen und Farbbeuteln bewarfen und daß der verdächtige Gegenstand vor Eintreffen der Polizei entfernt wurde. Die Person, die den Gegenstand entfernt hatte, sprach mit dem PFC. Wenn so auf einen Streich reagiert wurde, dann muß man dazusagen, daß niemand aus der Gegend ihn ernst genommen hätte. Nichtsdestotrotz, könnte darin der Grund für das Auftauchen des Hubschraubers liegen. Es erklärt allerdings weder die checkpoints, die früher am Tag errichtet wurden, noch, warum der Hubschrauber Einheiten auf dem Feld (Fox’ Feld) seitlich hinter der Tannaghmore-Grundschule absetzte. Der Hubschrauber blieb von 18.00 Uhr (früheste Bestätigung) bis mindestens Mitternacht über der Gegend.
Fragen:
Was war der Grund für die Intensivierung der Aktivitäten der Sicherheitskräfte am Samstag, dem 13. März?
Was ist die Erklärung dafür, daß ein Hubschrauber während des Tages Einheiten auf Fox’ Feld nahe der Tannaghmore-Grundschule absetzte, und für die Präsenz des Hubschraubers bis Mitternacht?
Waren Angehörige der RIR im Hubschrauber?
‘Verschanzten’ sich Einheiten über Nacht in dieser Gegend?
Sonntag, der 14. März
Der größte Teil der ZeugInnen kam aufgrund ihrer Befürchtungen hinsichtlich der Aktivitäten der Sicherheitskräfte am Tag und in der Nacht vor der Bombenexplosion auf das PFC zu. Bereits um 10.45 Uhr bemerkten Leute, die zur Messe gingen, einen Militärhubschrauber. Ein Zeuge/Zeugin sagte, daß „er sich direkt über der Ashgrove-Gegend, in der ich nahe Rosemarys Haus lebe, aufhielt. Das war ungewöhnlich, da sich der Hubschrauber normalerweise auf die Kilwilke-Siedlung konzentriert.“ Dem schloß sich die Aussage einer anderen Anwohnerin an, daß sie wegen des permanenten Hubschrauberlärms am Nachmittag nicht schlafen konnte. Eine Frau, die um 17.00 Uhr nach Hause zurückkehrte, machte diesbezüglich eine Bemerkung gegenüber ihrem Mann. Der antwortete, daß er während der Gartenarbeit den Eindruck hatte, daß der Hubschrauber Aufnahmen machen würde, da er so niedrig flog.
Wie die Lurgan Mail vom 18.3.1999 berichtet, wurde die RUC am Sonntag wegen eines verdächtigen Gegenstandes vor einem Haus in der Lake Street alarmiert. Auch in diesem Fall war der Gegenstand entfernt worden, bevor die Polizei eintraf. Das könnte die Anwesenheit von RUC-Landrovern in der Lake Street nahe der Kreuzung Levin Road um ca. 19.00 Uhr erklären. Einer richtete einen Suchscheinwerfer auf die Levin Road.
Es gab jedoch in den Stunden davor beträchtliche Aktivitäten. Am späten Sonntag nachmittag wurde ein Konvoi von RUC-Landrovern, der in Richtung Lurgan unterwegs war, von einer Frau beobachtet, die später an einem checkpoint [1 RUC-Mitglied ? und mehrere Soldaten, vermutlich RIR] auf der Annesborough Road, nahe des Industriegebiets, angehalten wurde. Diese Route ist der ‘Hintereingang’ vom Motorway in die nationalistische Gegend von Nord Lurgan. Sie fuhr auf dieser Strecke weiter und traf dabei auf mehrere Armeefahrzeuge, die auf halbem Wege zwischen Mile House und der Ashgrove-Gegend, in der Rosemary lebte, parkten. Die Fahrzeuge standen in Richtung Stadt. Diese, meist für landwirtschaftliche Zwecke genutzte Straße, war höchstwahrscheinlich der Fluchtweg der Loyalisten, die später in der Nacht die Bombe anbrachten. Zur gleichen Zeit gab es einen weiteren checkpoint nahe der Tannaghmore-Schule. Um ca. 17.30 Uhr schließlich wurde ein Knovoi von fünf RUC-Landrovern gesehen, als er von der Lake Street in die Victoria Street einbog. Kurz nach 18.00 Uhr setzte ein Hubschrauber eine Einheit auf Fox’ Feld nahe der Tannaghmore-Schule ab. Eine andere Zeugin/Zeuge wurde gegen 18.30 Uhr an einem checkpoint (1 RUC-Beamter ‘begleitet von Militär’) auf der North Street nahe der Kreuzung Lake Street durchgewunken. Später in dieser Nacht, 23.30 Uhr, wurden Fahrzeuge im Stadtzentrum an checkpoints, die sich auf beiden Seiten des Church Place’ befanden, angehalten.
Der Hubschrauber blieb über der Gegend, was einen Anwohner zu der Bemerkung veranlaßte: „Ich dachte, es gäbe Probleme weiter oben an der Straße und daß dies der Grund für die Anwesenheit des Hubschraubers war. Mein Sohn kam um 19.45 Uhr nach Hause und bat mich, ihn zur Kilwilke-Siedlung hinaufzufahren. Ich sagte ihm, daß ich nicht fahren würde, wenn es Probleme gäbe. Ich fuhr dann durch die Kilwilke-Siedlung und war überrascht, daß alles friedlich und normal war.“ Dieser Zeuge hatte den Eindruck, daß der Hubschrauber einen „image intensifier (Sichtverstärker) benutzte, ein rotes Licht...routierend, sich vor- und rückwärts bewegend, als ob der Boden nach etwas abgesucht würde. Das ging bis zum späten Abend weiter.“ Rosemary Nelson machte ihrer Familie gegenüber bereits, als sie um 18.30 Uhr zurückkamen, eine Bemerkung wegen der Hubschrauberaktivitäten. Während des Abends drückten auch weitere Leute ihre Besorgnis über die Präsenz des Hubschraubers aus. „Ich sagte zu meiner Frau, daß irgendetwas vorgehen müsse, da es mittlerweile dunkel war und der Hubschrauber immer noch über der Shore Road-Gegend von Nord Lurgan kreiste.“ Eine Frau, die einen Spaziergang machte, sagte: „Ich war sehr beunruhigt wegen alledem, und ich konnte nicht schnell genug wieder nach Hause kommen. Da stimmte etwas nicht. Der Hubschrauber machte mich so unsicher und die Tatsache, daß er permanent über der Schule flog.“ Das ging so weiter bis mindestens 2.30 Uhr. „Als ich nach Mitternacht zu Bett ging, war er noch immer da. Das ist nicht normal.“ Zu dieser Zeit „fingen einige Leute an, wegen des Lärms ärgerlich zu werden.“ Mehrere Leute sagten, daß der Hubschrauber die ‘ganze Nacht über’ am Himmel war, aber die letzte Bestätigung für seine Präsenz haben wir für 2.30 Uhr.
Fragen:
Warum kreiste der Hubschrauber – in dem sich, wie jetzt bestätigt wurde, auch Angehörige der RIR befanden – 16 Stunden lang ununterbrochen über Nord Lurgan?
Suchte der Hubschrauber nach etwas/jemand am Boden?
Was ist die Erklärung dafür, daß ein Hubschrauber während des Tages und im Laufe des frühen Abends Einheiten auf Fox’ Feld nahe der Tannaghmore-Grundschule absetzte?
‘Verschanzten’ sich Einheiten über Nacht in dieser Gegend?
Montag, der 15. März - Vormittag
Um 6.00 Uhr am Montag morgen bemerkte eine Mutter, die ihr Baby versorgte, den Hubschrauber über der Gegend. Es gibt keine Bestätigung für Hubschrauberaktivitäten in der Zeit von 2.30 Uhr bis 6.00 Uhr. Ob das daran liegt, daß die meisten Leute in dieser Zeit schliefen oder ob der Hubschrauber schließlich die Gegend verlassen hatte, kann nicht einwandfrei geklärt werden.
Es ist klar, daß es beträchtliche Aktivitäten im Laufe des Morgens gab. Mehrere Leute berichteten von einem eigenartigen Zwischenfall am Bahnübergang, als dieser wegen des 10.00 Uhr-Zuges geschlossen war. Ein Mitglied einer RIR-Patrouille wurde von mehreren Leuten dabei beobachtet, wie er einen Gegenstand aufhob, ‘der hinter einem Schaltkasten lag’, und ihn entweder einem anderen Mitglied der Patrouille übergab oder diesem Soldaten in den Rucksack steckte. Ein Zivilist wurde von einem Mitglied der Patrouille darüber informiert, daß es sich bei dem 7 - 10 inches (18 - 25 cm) großen mit Drähten versehenen Aerosol-Behälter um ein ‘verdächtiges Objekt’ handele. Die Gegend war jedoch nicht geräumt worden, und es war offensichtlich, daß die Patrouille das ‘verdächtige Objekt’ nicht als potentielle Bombe ansah. Andernfalls hätten sie sicher nicht damit hantiert.
Vier ZeugInnen waren sehr verwundert darüber, daß RUC-Beamte um 10.05 Uhr innerhalb der RUC-Station in Lurgan und über eine Stunde später als Mitglieder einer mobilen Patrouille auf der Old Portadown Road Overalls trugen. Es verblüffte die Leute, da es ungewöhnlich war; Overalls werden normalerweise nur dann von RUC-Beamten getragen, wenn eine geplante Suchaktion durchgeführt wird und wenn es Unruhen oder ernste Vorfälle gibt. Die mobile Patrouille, von der hier die Rede ist, war eine der ersten am Ort der Explosion. Es mag eine vollkommen harmlose Erklärung dafür geben. Aber es ist schon merkwürdig, daß RUC-Beamte in offensichtlicher Bereitschaft für einen ernsten Vorfall in der RUC-Station Lurgan neben ihren Fahrzeugen warteten, und das mehr als zwei Stunden vor der Bombenexplosion.
Fragen:
Wie erklärt sich der Zwischenfall mit der RIR-Patrouille um 10.00 Uhr am Bahnübergang?
Hat die entsprechende Patrouille darüber Bericht erstattet?
Warum haben RUC-Beamte an diesem Morgen Overalls getragen?
Montag 15. März - Nachmittag
Ein Mann berichtete, daß er kurz vor 12.45 Uhr zu seiner Frau sagte, „daß ich wegen der massiven Präsenz der Sicherheitskräfte in der Siedlung (Kilwilke) nicht gerade glücklich sei und daß ich deshalb in der Mittagszeit meinen Sohn von der Arbeit abholen würde.“ Sein Sohn arbeitete in der Ashgrove-Gegend nahe der Nelson-Wohnung. Auf dem Weg wurde er von einer Ambulanz überholt. Er hatte die Explosion nicht gehört.
Als die Bombe unter dem Fahrersitz in Rosemary Nelsons Auto gegen 12.40 Uhr explodierte, reagierten einige Leute in der unmittelbaren Umgebung sofort. Innerhalb weniger Minuten hatte eine Krankenschwester/Krankenpfleger angehalten, um Hilfe zu leisten. Rosemarys Mann und ihre Schwester waren rasch vor Ort. Ein anderer Zeuge/Zeugin, einer der ersten am Tatort, beschrieb die Ankunft des ersten RUC-Fahrzeuges, einer Ford Limousine „...Sie hatten keine Sirene an, und sie kamen sehr langsam zum Tatort. Ich hatte erwartet, daß die Polizei mit heulenden Sirenen und in angemessenem Tempo herbeieilen würde. Sie wirkten so, als ob sie das alles nichts anginge. Zwei der Polizisten stiegen aus und gingen – ohne jegliche Hast – zu Rosemarys Wagen.“ Der dritte blieb bei dem Ford stehen und langte nach innen zum Funkgerät. Der Mann beschrieb, wie sehr es ihn drängte, hinüberzugehen und ihn (den Beamten am Fahrzeug) „zusammenzustauchen“, weil es so lange gedauert hatte, bis sie am Tatort eingetroffen waren. Und das trotz der massiven RUC-Präsenz in der Gegend während des ganzen Morgens.“
Zahlreiche Aussagen beziehen sich darauf, daß einzelne Angehörige der Sicherheitskräfte, die sich in der Gegend aufhielten, entweder „grinsten“, „sich amüsierten“ oder gar lachten, wenn sie in Gruppen zusammenstanden. Ein Mann (wir haben uns auf diesen Zeugen schon weiter oben bezogen), der an einem Militär-Landrover auf der Lake Street vorbeiging, erwähnte in einem detaillierten Bericht: „Die Soldaten streckten ihre Köpfe aus dem Dach heraus, grinsten von einem Ohr zum anderen und lachten. Ich war noch nie in meinem Leben so angewidert.“
Ein anderer Zeuge sprach von einer Gruppe von RUC-Männern, diesmal am Ort der Explosion, „...die immer wieder in Gelächter ausbrachen. Solange ich da war, geschah das 4 - 5-mal, wobei sie zu der Gruppe von Familienangehörigen und Nachbarn hinüberblickten – ich war so angewidert, daß ich zu meinem Auto gehen mußte...“. Dieser Mann traf sich dann mit seiner Frau an der Schule. Beide waren Freunde von Rosemary, und sie umarmten sich, schockiert und tieftraurig. Während sie so dastanden, kam ein RIR-Landrover im „Schneckentempo“ vorbei, und einer der Soldaten im Fond schrie dem Paar zu: „Go and cut her fucking out of it“. Eine Lehrerin/Lehrer beschrieb die Atmosphäre um 15.20 Uhr so: „Was mir sofort unangenehm auffiel, war, daß die Soldaten und Polizisten eine joviale, triumphierende Haltung an den Tag legten, ganz so, als gäbe es etwas zum Feiern. Das war so abartig, wenn man bedenkt, daß eine Mutter, eine ortsansässige Anwältin gerade brutal ermordet worden war. Es erschien mir dermaßen fehl am Platz.“ Ein Kollege/Kollegin fügte hinzu: „Als ich mich den RUC-Beamten am Tatort näherte, war ich von der Primitivität angeekelt. Untereinander gaben sie sich jovial, was schnell in Agressivität umschlug, sobald sie mit der Bevölkerung zu tun hatten. Zwei schottische Soldaten...lachten laut.“ Zehn Minuten zuvor war bestätigt worden, daß Rosemary ihren Verletzungen erlegen war. Eine andere Einwohnerin/Einwohner war wütend über weitere herabwürdigende Bemerkungen, die später am Abend von Mitgliedern einer RIR-Patrouille am Rande der Kilwilke-Siedlung gerufen wurden,...u. a. schrien sie: „dozy Rosy“ (dumme Rosy). Seit dem 15. März wird immer wieder darüber berichtet, daß mobile Patrouillen Fußgängern provokative Bemerkungen zurufen. Beispielsweise wurden am Mittwoch, dem 31. März, gegen 10.20 Uhr drei Männer an einem RIR-checkpoint nahe der Mahon Road-Armeebasis in Portadown angehalten. Es wurde berichtet, daß ein RIR-Corporal (Nummer 7005), während er den Kofferraum des Wagens durchsuchte, sagte: „Sie (Rosemary Nelson) wurde wegen Trunkenheit am Steuer angehalten, und der Bluttest war positiv, sie war ‘legless’ [konnte nicht mehr auf ihren Beinen stehen]“, womit er offensichtlich auf die Autobombe anspielte.
Es ist sinnlos, Fragen im Zusammenhang mit dem Benehmen von Angehörigen der Sicherheitskräfte nach Rosemary Nelsons Tod zu stellen. Als das PFC in Lurgan eintraf, um Aussagen aufzunehmen, waren diesbezügliche Klagen bereits veröffentlicht worden. Die Lurgan Mail schrieb am 18.3.1999: „Nach dem am Montag verübten Mord an der ortsansässigen Anwältin Rosemary Nelson haben sich einige Leute, die am Polizeikordon zusammengetroffen waren, mit ihren Beschwerden über das Verhalten von Angehörigen der Sicherheitskräfte in der Umgebung an die ‘Mail’ gewandt. Die ‘Mail’ stellte drei Fragen an das Pressebüro der Polizei, mit denen die Fragen der Leute vor Ort aufgriffen wurden.“ Eine der Fragen, die von der lokalen Zeitung gestellt wurden, war:
„Q3: ZeugInnen sagen, daß sich einige Angehörige der Sicherheitskräfte nach dem Anschlag triumphierend verhalten hätten. Was sagen Sie zu derartigen Vorwürfen? A: Eine verwerfliche Anschuldigung, die jeder Grundlage entbehrt. Propaganda der übelsten Sorte. Die Polizei in Lurgan weiß nur zu gut, was es heißt, Verlust zu erleiden.“
Es ist wichtig, sich mit der generellen Streitfrage im Zusammenhang mit dem Ausmaß der Aktivitäten der Sicherheitskräfte an dem fraglichen Wochenende zu befassen. Im Rahmen der Vorbereitung dieses Dokuments schrieben wir an das regionale Pressebüro der RUC Armagh in den Gough Barracks. Wir fragten nach „jeglicher Information, die im Hinblick auf die berichteten massiven Aktivitäten der Sicherheitskräfte in der Gegend von Lurgan in den drei Wochen vor dem Mord Aufklärung bringen könnte. Insbesondere wären Pressemeldungen hilfreich, die von ihrem Büro im Zusammenhang mit dem Alarm wegen einer angeblichen Bombe in der Gegend von Lurgan ausgestellt wurden.“ Unsere Anfrage wurde an das Command-Sekretariat in Belfast weitergeleitet, und es wurde uns ungefähr zwei Wochen später mitgeteilt, daß diese Informationen nicht zur Verfügung gestellt werden könnten, da sie nun „Teil der Mordermittlungen“ seien. Das ist merkwürdig, da die RUC selbst, wenn sie Hinweisen auf eine Bombe nachgegangen ist, routinemäßig durch Meldungen an die lokale Presse Öffentlichkeit schafft. Das bringt uns zu der zweiten Frage, die von der Lurgan Mail wegen der Bedenken von Ortsansässigen gestellt wurde.
„Q2: Die Menschen aus der Gegend geben an, daß es vor dem Anschlag am Montag eine massive Präsenz von Sicherheitskräften in der Gegend gegeben hat. Wie konnten die Mörder unerkannt entkommen? A: Falsch. Es gab eine angemessene Präsenz von Sicherheitskräften nach einem falschen Bombenalarm in der Victoria Street am Montag. Wir haben dazu aufgerufen, daß Leute, die in den vorangegangenen Tagen etwas Verdächtiges in der Gegend bemerkt haben sollten, mit uns Kontakt aufnehmen. Es gibt nichts, was darauf schließen läßt, daß die Bombe am Montag angebracht wurde.
Die Antwort der RUC impliziert, daß es „falsch“ ist, anzunehmen, daß es am Montag in der Gegend einen massiven Einsatz von Sicherheitskräften gegeben hat. Die Frage wurde nicht ernst genommen. Niemand nimmt an, daß die Bombe am Montag morgen bei Tageslicht, als es „eine angemessene Präsenz von Sicherheitskräften“ gab, angebracht wurde. Der massive Einsatz von Sicherheitskräften, von dem Ortsansässige sprechen, bezieht sich auf den Sonntag abend und die frühen Stunden des Montag morgen. Es gibt allen Grund anzunehmen, daß die Bombe während der Nacht von Sonntag auf Montag angebracht wurde. Wirklich falsch ist deshalb, wenn die RUC behauptet, daß es „nichts gibt, was darauf schließen läßt, daß die Bombe am Montag angebracht wurde