Nachtrag zur Filmkritik: „Belfast, die Kinder und der Fluch der Geschichte“
17.9.2006
Nachtrag
Aus unserer Kritik vom 2.Januar 2005 zu dem Film "Belfast, die Kinder und der Fluch der Geschichte"
Filmauszug:
Esther Schapira: ... Erst jetzt begreife ich, dagegen hatte die komplizierte Wahrheit keine Chance. Wir glauben nur, was wir glauben wollen. Diese Bilder habe ich damals nicht gesehen. Tatsächlich gab es schon am 2. Schultag einen Toten. Thomas McDonald war 16 Jahre alt. Er war Protestant. Er war mit dem Fahrrad unterwegs als ihn ein Katholik vorsätzlich überfuhr.
Damaliger Kommentar von Uschi Grandel
Also doch der Hass der Erwachsenen? Katholiken überfahren protestantische Kinder? Thomas Mc Donald kann als tragisches Opfer der eskalierenden UDA-Kampagne bezeichnet werden: er wurde von einer (irisch-katholischen) Autofahrerin im Interface-Bereich des nordbelfaster Viertels Whitewell/White City umgefahren, nachdem er einen Ziegelstein in ihre Autoscheibe geworfen hatte. Auch dieser Bereich gehörte zum Einzugsgebiet der Terrorkampagne der UDA im Jahr 2001. Zahlreiche Angriffe waren auf die Anwohner verübt worden, die Frau musste um ihr Leben fürchten.
Der nachfolgende Artikel über die Thomas McDonald Gedenkparade macht klar, dass Thomas ein jugendliches Mitglied der UDA war, der kurz vor seinem Tod in Gewaltaktionen gegen Anwohner involviert war.
Montag, 4. September 2006
"Nazis" kommen zur Parade
Britische rechtsextreme Skinheads werden Loyalisten an Interface unterstützen
Von Ciarán Barnes, Daily Ireland
Eine Gruppe englischer Skinheads wird an einem loyalistischen (pro-britischen) Aufmarsch an einem Interface (= Grenzbereich zwischen loyalistischen, pro-britischen und irischen Wohngebieten) teilnehmen. Wie Daily Ireland erfahren hat, soll die in London ansässige British Ulster Alliance bei der Thomas McDonald-Gedenkparade, die am 16. September 2006 stattfinden soll, eine wichtige Rolle spielen. Die Parade durch das Viertel Whitewell soll an den 5. Todestag von Thomas McDonald erinnern, einem Nachwuchsmitglied der Ulster Defence Association (= pro-britische Paramilitärorganisation, die Hunderte von Katholiken ermordet hat). Der Teenager war ums Leben gekommen, als ihn ein Auto verfolgte, das er zuvor mit Ziegelsteinen beworfen hatte. Die katholische Fahrerin des Fahrzeuges war zu vier Jahren Haft verurteilt worden.
Katholiken, die in Whitewell leben, wurden in diesem Sommer Opfer einer Reihe von Angriffen durch Loyalisten. Vor zwei Wochen wurde in den frühen Morgenstunden ein Brandanschlag auf das Haus von Michael Maginness verübt. Seine Lebensgefährtin und ihr drei Monate altes Baby entkamen nur knapp dem Tod in den Flammen. Sie sind nun aus der Gegend geflohen. Protestantische Familien aus dem nahegelegenen Viertel White City sehen sich als Opfer von sectarian attacks (= Anschläge, deren Motiv religiös verbrämter Rassismus ist, in organisierter Form meist anti-irisch oder anti-katholisch motiviert).
In den letzten Jahren haben Mitglieder der Britisch Ulster Alliance regelmäßig Loyalisten im Norden Irlands unterstützt. Sie kamen in das Viertel Fountain in Derry und den Cluan Place, ein Interface in Ost-Belfast (die britischen Nazis kamen immer dann, wenn die loyalistischen Schlägertruppen Überfalle auf irische Viertel organisierten). Die British Ulster Alliance wurde von dem in London lebenden Loyalisten Franz Portinari gegründet. Er war 1999 zu fünf Jahren Haft verurteilt worden, weil er die Ulster Defence Association mit Waffen versorgt hatte.
Die Menschenrechtsgruppe Anti-Fascist Action Ireland beschuldigt Mitglieder der Alliance, irische Veranstaltungen in London angegriffen zu haben, inklusive der Bloody Sunday Demonstration (= Gedenkveranstaltung für die 14 Toten, die bei einer Bürgerrechtsdemonstration von britischen Fallschirmjägern erschossen worden waren).
Im Oktober 2002 veranstaltete die Alliance eine Protestkundgebung in Downing Street für die Freilassung von Johnny Adair (= führendes Mitglied der Ulster Defence Association, zum damaligen Zeitpunkt im Gefängnis). Mehrere prominente Fußballhooligans und Neo-Nazis nahmen an der Veranstaltung ebenfalls teil. Später attackierten sie Menschenrechtsaktivisten, die eine Gegendemonstration abhielten.
Ein Sprecher der Anti-Fascist Action Ireland sagte:
"Der Sinn dieser Treffen ist, die Verbindung mit der UDA (=Ulster Denfence Association) aufrecht zu erhalten und zu vertiefen. Im Grunde sind es dieselben alten Faschisten, nur unter einem neuen Deckmantel."
Es wird erwartet, dass eine Band die Alliance bei der Thomas McDonald-Gedächtnisparade vertreten wird. Die Parade wird organisierte von der Whitewell Defenders Loyalist Flute Band, die mit UDA Flaggen und Banner auftritt. In ihrem Antrag an die Paradenkommission gehen sie von 40 Bands und 2000 Loyalisten als Teilnehmer aus.
Die Paradenkommission wird noch diese Woche entscheiden, ob die Parade auf der Whitewell Road, wo es in der Vergangenheit zu Auseinandersetzungen kam, marschieren darf.
Übersetzung: Claudia S., www.info-nordirland.de, 14. September 2006; Vermerke in Klammern () sind Erläuterungen der Übersetzerin
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