Die Wiederaufarbeitungsanlage Sellafield in England

16.5.2005


Freitag, 14. Dezember, 2004Radioaktive Belastung durch die Wiederaufarbeitungsanlagen Sellafield / La Hague

Die Wiederaufarbeitungsanlage Sellafield in England

By Greenpeace Schweiz

Die Atomanlage von Sellafield liegt in Cumbria an der Nordwestküste Englands, in der Nähe des Hafens Barrow-in-Furness an der Irischen See. Sellafield wird von British Nuclear Fuels Limited (BNFL) betrieben, welche vollständig im Besitz der britischen Regierung ist.

Als Teil des täglichen Routinebetriebes werden von den Wiederaufbereitungsanlagen La Hague (Frankreich) und Sellafield (GB) Millionen von Litern atomarer Abwässer in den Atlantik, in die Irische See und in die nördlichen Meere abgelassen.

Schon vor den 90er Jahren hatten die radioaktiven Emissionen von Sellafield die Irische See schwer verseucht. Die Anlage entsorgte so viel Plutonium im Meer, dass die britische Regierung 1985 in einem Bericht festhielt, dass der Plutoniumgehalt im Hausstaub von Häusern rund um Sellafield bis zu 6000 Mal höher war als in Häusern im Süden Englands – Gischt und Wind hatten das Plutonium wieder aufs Land zurücktransportiert. Eine andere Studie kam zum Schluss, dass die Cäsium-Verseuchung um Sellafield 5 bis 12 mal höher liegt als auf dem Bikini-Atoll, wo die USA in Tests 23 Atomwaffen explodieren liessen.

Die flüssigen Emissionen von Sellafield werden derzeit auf rund neun Millionen Liter pro Tag geschätzt. Mit der neuen Genehmigung hat sich ein jäher Anstieg der Emissionswerte von vielen gefährlichen Radionukliden ergeben. Zwischen 1993 und 1995 verdoppelte sich die Beta-Strahlung in den Emissionen von Sellafield. Der Gehalt an freigesetztem Technetium-99 (Tc-99) erhöhte sich in der gleichen Zeitspanne um mehr als das 27fache. Ende 1996 ging aus der Forschung der britischen Regierung hervor, dass der Gehalt von Tc-99 in Meerestieren aus der Nähe von Sellafield mehr als das 40fache des Wertes von 1980 aufwies. Der Tc-99-Wert von Hummern aus der Irischen See wies das Dreizehnfache desjenigen Wertes auf, bei dem die Europäische Kommission verpflichtet ist, die Bürger über Nahrungsmittelkontamination als Folge eines Atomunfalls zu informieren.

Radioaktive Abgaben aus Sellafield durchdringen das Ökosystem der Irischen See und werden von den Meeresströmungen nordwärts getragen in die Nordsee, die Ostsee, in die Gewässer vor der norwegischen Küste, in die Barentsee und die Gewässer vor Grönland. Aus Studien geht hervor, dass die Radioaktivität von Sellafield die Nordsee innerhalb von nur neun Monaten erreichen kann. In einer kürzlich erschienenen wissenschaftlichen Publikation konnte die von Sellafield ausgehende Verschmutzung in den Gewässern der kanadischen Arktis nachgewiesen werden. Sellafield machte in letzter Zeit nur noch durch Skandale Schlagzeilen. Qualitätspapiere von sogenannten MOX-Brennelementen, welche Sellafield u.a. auch für das AKW Beznau produziert, waren gefälscht. Die englischen Untersuchungsbehörden wiesen zudem auf reihenweises Versagen des Managements hin. Die Sicherheit der Anlage ist nicht mehr gewährleistet.

Copyright © Greenpeace Schweiz 2001


Zurück/Back